Marcel Grauf
Ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter zweier AfD-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg und NPD-Mitglied, bekannt durch geleakte Facebook-Chatprotokolle mit rechtsextremen und NS-verherrlichenden Inhalten

Über die Quelle
Marcel Karl-Heinz Grauf (geboren 10.12.1987 in Großerlach) ist ein Rechtsextremist aus dem Umfeld der Marburger Burschenschaft Germania und ehemaliges Mitglied der NPD. Im Mai 2009 unterzeichnete er als "Landesorganisationsleiter der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten" eine Einladung zu einer Schulungsveranstaltung bei Schwäbisch Hall.
Ab 2017 arbeitete Grauf als wissenschaftlicher Mitarbeiter der AfD-Landtagsabgeordneten Christina Baum und Heiner Merz im Landtag Baden-Württemberg (17. Legislaturperiode 2016-2021). In dieser Eigenschaft wirkte er unter anderem an parlamentarischen Anfragen der AfD-Fraktion mit, etwa zum Thema "Linksextremismus".
Der Chat-Leak 2018
Am 9. Mai 2018 veröffentlichte die Stuttgarter Wochenzeitung Kontext: Wochenzeitung unter dem Titel "Sieg Heil mit Smiley" (Autorin: Anna Hunger) einen Artikel, der auf einer vierjährigen Chatkorrespondenz Graufs aus sozialen Netzwerken basierte. Die Chat-Partner waren laut Kontext "Mitarbeiter bekannter AfD-Politiker, Neurechte, NPD-Funktionäre und Mitglieder rechter Studentenverbindungen", darunter mehrere Mitglieder der Marburger Burschenschaft Germania.
Die Protokolle dokumentierten rassistische, antisemitische, frauenfeindliche und behindertenfeindliche Äußerungen Graufs. Daneben fanden sich Gewaltfantasien gegen Geflüchtete, Bewunderung für Hitler, Mussolini und den Attentäter von Utoya sowie explizite NS-Verherrlichungen.
Grauf klagte gegen die Veröffentlichung, bestritt die Echtheit der Protokolle und erklärte, sein Name dürfe als Mitarbeiter nicht öffentlich genannt werden. Das Landgericht Mannheim gab ihm zunächst recht. Das Die "Alternative für Deutschland"-Umfeld, dem Grauf angehörte, versuchte damit, die Berichterstattung juristisch zu unterbinden.
Das Oberlandesgericht Karlsruhe entschied in zweiter Instanz jedoch anders: Es sei "hinreichend glaubhaft gemacht", dass die Chat-Protokolle authentisch seien. Eine Manipulation von 40 Stellen in 17.000 Seiten Chat-Material sei "sehr unwahrscheinlich". Zudem sei die Namensnennung eines parlamentarischen Mitarbeiters, der sich derart äußere, im öffentlichen Interesse. Das Gericht stellte also rechtskräftig fest: Die zitierten Aussagen stammen von Marcel Grauf. Kontext stellte die Artikel anschließend wieder online.
Grauf klagte daraufhin erneut, diesmal vertreten durch die Kölner Medienrechtskanzlei Höcker (die unter anderem die AfD und den türkischen Präsidenten Erdogan vertreten hatte) mit einem Streitwert von rund 260.000 Euro, nach Einschätzung von Beobachtern ein Versuch, die spendenfinanzierte Zeitung finanziell zu erdrücken. Kontext überstand die Auseinandersetzung durch eine Solidaritätskampagne.
Seine damalige Chefin Christina Baum bezeichnete die Berichterstattung als Versuch, die AfD zu diskreditieren. Die Veröffentlichung hatte keine Konsequenzen für Graufs Anstellung.
Faktenfackel Bewertung
Marcel Grauf ist keine journalistische, wissenschaftliche oder anderweitig zitierfähige Quelle. Er ist relevant als dokumentiertes Beispiel dafür, welche Personen in AfD-Parlamentsbüros tätig waren und welche Haltungen dort geduldet oder ignoriert wurden. Die Echtheit seiner in den Chat-Protokollen dokumentierten Aussagen ist durch ein rechtskräftiges Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe bestätigt.
Die Reaktion seiner Vorgesetzten, keine Konsequenzen, stattdessen Verharmlosung als politischer Angriff, ist Teil des dokumentierten Befunds.
Fazit
Marcel Grauf steht für das rechtsextreme Milieu, aus dem die AfD in ihrer Frühphase Personal rekrutierte. Seine Chat-Äußerungen sind gerichtlich verifiziert; sie sind nicht als Meinungsäußerungen am Rand einzuordnen, sondern als Ausdruck einer NS-verherrlichenden, offen eliminatorischen Gesinnung.