Link Beschreibung
Maurice Höfgen: Markus Lanz lässt manipulative Wirtschaftszahlen in seiner Sendung unkommentiert durchgehen.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Das Reel bezieht sich auf die Lanz-Sendung vom 29. Januar 2026, in der Antje Höning (Leiterin der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post) folgende Aussage machte:
"Alleine für die Lohnvorzahlung im Krankheitsfall haben die im vorletzten Jahr 82 Milliarden Euro ausgegeben. Das belastet die Unternehmen, das belastet gerade kleine Handwerker."
Höfgen kritisiert diese Zahl als "extrem manipulativ". Seine Argumentation im Reel:
1. Die 82 Milliarden stimmen, aber der Anstieg erklärt sich nicht durch mehr Krankheitstage.
Die IW-Köln-Studie, auf der die Zahl basiert, bestätigt den Betrag für 2024 (65 Mrd. im Jahr 2019, 82 Mrd. in 2024 = +26 %). Höfgen zeigt jedoch, dass dieser Anstieg sich fast vollständig durch drei strukturelle Faktoren erklären lässt:
- Lohnsteigerungen +22 % von 2019 bis 2024 (Nominallöhne laut Destatis)
- Mehr Beschäftigte +2 %: 45,3 Mio. Erwerbstätige 2019 auf 46,1 Mio. 2024 (laut Destatis-Pressemitteilung)
- Höhere Arbeitgebersozialabgaben ca. +4 %
Zusammen ergibt sich rechnerisch der beobachtete Anstieg von 26 %, ohne dass die Krankenquote je Beschäftigtem gestiegen sein muss.
2. Die absolute Zahl wirkt größer als sie ist.
Höfgen setzt die 82 Mrd. ins Verhältnis zur Gesamtlohn- und Sozialabgabensumme 2024. Er nennt 3 Billionen (also 3.000 Milliarden) Euro als Gesamtsumme aller Löhne und Arbeitgebersozialabgaben, womit 82 Mrd. knapp unter 3 % entsprechen. Dieser Vergleichsrahmen fehlt in der Lanz-Sendung vollständig.
Zur Korrektheit von Höfgens Zahlen:
- Die 82 Mrd. sind durch die IW-Köln-Studie belegt.
- Die Lohnsteigerung von rund 22 % von 2019 bis 2024 ist plausibel: Der Nominallohnindex stieg lt. Destatis kontinuierlich; 2023 allein +6,4 %, 2024 +4,9 %.
- Die Erwerbstätigenzahlen (45,3 Mio. 2019 und 46,1 Mio. 2024) sind korrekt (Destatis).
- Die 3-Billionen-Angabe für das gesamte Arbeitnehmerentgelt 2024 lässt sich aus den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen Destatis ableiten und ist in der Größenordnung korrekt.
Was Höfgen nicht explizit berücksichtigt: Die IW-Köln-Studie addiert zum eigentlichen Bruttolohn auch die Arbeitgeber-Sozialversicherungsbeiträge während Krankheit (13 Mrd.). Das macht die Zahl rechnerisch höher als den reinen Lohnfortbetrag. Dieser Punkt fehlt in Höfgens Erklärung, schmälert aber nicht sein Hauptargument, dass der Anstieg strukturell bedingt ist.
Fazit
Höfgens Kernkritik ist sachlich zutreffend: Die 82-Milliarden-Zahl ist für sich genommen korrekt, wird aber ohne Kontext (Lohnwachstum, mehr Beschäftigte, gestiegene Sozialabgaben) als alarmistisch präsentiert. Lanz hat keine der naheliegenden Nachfragen gestellt. Der Vorwurf "manipulativ" ist inhaltlich begründet. Höfgens eigene Zahlen sind nachprüfbar korrekt.
