Zur Quelle "Maurice Höfgen" springen
Stand: 03.06.2026

Zu viele Rentner, zu wenig Kinder? Nein, zu viel Ungleichheit!

Komplex

Link Beschreibung

Maurice Höfgen und Michael Paetz stellen der demografischen Erklärung des Rentenproblems eine Verteilungsperspektive gegenüber.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Kern des Artikels ist die Grafik "Das eigentliche Problem ist die Verteilung", die drei Reihen ab 1970 (Index 100) zeigt: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, Durchschnittsbruttolöhne und Standardrente. Die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung erreicht zuletzt rund das 2,4-fache des Wertes von 1970, die Löhne nur etwa das Doppelte und die Standardrente nur rund das 1,5-fache. Bis in die späten 1980er Jahre liefen alle drei Reihen weitgehend parallel, danach koppeln sich erst die Löhne von der Wirtschaftsleistung und dann die Renten von den Löhnen ab. Als Datenbasis nennen die Autoren Statistisches Bundesamt, Bundesbank und Rentenversicherung.

Daraus folgt das zentrale Argument: Die Volkswirtschaft erwirtschaftet pro Kopf deutlich mehr als früher, dieser Zuwachs landet aber zunehmend bei Gewinn- und Vermögenseinkommen statt bei Löhnen und Renten. Da die gesetzliche Rente im Wesentlichen über Löhne finanziert wird, schwächt eine zurückbleibende Lohnsumme ihre Einnahmen, obwohl die gesamtwirtschaftliche Leistung weiter steigt.

Die zugrunde liegende Lohn-Produktivitäts-Lücke ist breit belegt und wird unter anderem vom IMK der Hans-Böckler-Stiftung und in der Verteilungsdebatte des Statistischen Bundesamts beschrieben.

Fazit

Das Verteilungsargument ist tragfähig und im Rentendiskurs unterbelichtet: Ein größerer Anteil der gewachsenen Wirtschaftsleistung in Löhnen und Renten würde das umlagefinanzierte System spürbar entlasten. Es ersetzt aber nicht die demografische Realität, dass auf einen Rentner immer weniger Beitragszahler kommen. Beide Faktoren wirken zusammen, weshalb die zugespitzte Gegenüberstellung "nicht Demografie, sondern Verteilung" als komplex einzuordnen ist.

Verwendungen

Lagerfeuer