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Michael Schäfer

Deutscher Neonazi-Aktivist (geb. 1982), ehemaliger Bundesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten (JN) 2007–2012, heute Referent und Repräsentant von Ein Prozent e.V.

Bildquelle: ©Michael Schäfer
Bildquelle: ©Michael Schäfer

Michael Schäfer (geboren am 30. September 1982 in Wernigerode) ist ein deutscher Rechtsextremist mit langjähriger Kaderfunktion in der Neonazi-Szene Sachsen-Anhalts. Er war laut Wikipedia von Oktober 2007 bis Oktober 2012 Bundesvorsitzender der "Jungen Nationaldemokraten" (JN), der Jugendorganisation der NPD, und gehört heute zum Personal des rechtsextremen Kampagnenvereins Ein Prozent.

Herkunft und Werdegang

Schäfer stammt aus der Harz-Region und studierte Politikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wo er 2012 der Halle-Leobener Burschenschaft Germania beitrat, die als rechtsextrem eingestuft wird. Vor seiner NPD-Karriere war er kurzzeitig CDU-Mitglied. Laut Recherchen von lsa-rechtsaussen.net und Belltower.News war Schäfer ein führendes Mitglied der militanten Neonazi-Kameradschaft "Wernigeröder Aktionsfront" (WAF), die 2005 aufgelöst wurde. Nach deren Auflösung gründete er den JN-Stützpunkt Wernigerode und baute die JN in Sachsen-Anhalt systematisch auf. Seit 2009 saß er für die NPD im Kreistag Harz und im Stadtrat Wernigerode.

JN-Bundesvorsitz 2007–2012

Im Oktober 2007 übernahm Schäfer den JN-Bundesvorsitz von Stefan Rochow. Laut Endstation Rechts formulierte er in der "Deutschen Stimme" ein Konzept aus "Befreiungsnationalismus", "Wirtschaftssozialismus" und "Kulturnationalismus" und versuchte, die JN als Scharnier zwischen militanter Kameradschaftsszene und parlamentarischer NPD zu etablieren. Belltower charakterisiert ihn als "Mann mit zwei Gesichtern": nach außen bürgerlich im dunklen Anzug, in internen Versammlungen als "Scharfmacher", der die NPD-Basis anheizte. Im Oktober 2012 folgte ihm sein Stellvertreter Andy Knape im Amt.

Ku-Klux-Klan-Mitgliederliste

Schäfer soll laut Berichten von Mitteldeutscher Zeitung und lsa-rechtsaussen.net auf einer Mitgliederliste der "European White Knights of the Ku Klux Klan" geführt worden sein, dem deutschen KKK-Ableger. Gegenüber dem MDR dementierte Schäfer eine Mitgliedschaft und behauptete, der deutsche KKK-Ableger sei eine Schöpfung des Verfassungsschutzes. Er erwirkte nach eigener Darstellung eine Unterlassungserklärung gegen die Mitteldeutsche Zeitung wegen Falschbehauptungen. Die KKK-Mitgliedschaft ist damit nicht gerichtlich festgestellt und wird hier ausschließlich als journalistisch dokumentierte Behauptung wiedergegeben.

Aktivitäten nach 2012

Nach eigener Angabe verließ Schäfer im Juni 2015 seine Partei. 2017 trat er als Referent der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung auf, 2018 im Bundestag als "ehemaliger Neonazi-Kader" bei einer Veranstaltung. Er betreibt den Dresdner Hydra-Comics-Verlag und arbeitet laut Belltower seit 2021 für das rechtsextreme Kampagnenprojekt Ein Prozent. Damit ist er Teil der personellen Brücke zwischen klassischer NPD-/JN-Kaderszene und dem AfD-nahen Vorfeld.

EU-Parlament März 2026

Am 25. März 2026 wurde Schäfer gemeinsam mit Ein-Prozent-Chef Philip Stein von den AfD-Europaabgeordneten Mary Khan und Alexander Jungbluth ins Europäische Parlament eingeladen. Laut Global Project Against Hate and Extremism (GPAHE) präsentierten die beiden dort angebliche "linksextremistische Strukturen" und verbreiteten Verschwörungserzählungen über eine angebliche NGO-"Kartellbildung", antisemitische Narrative um George Soros sowie Behauptungen zur Wahlbeeinflussung. GPAHE wertet den Auftritt als Beleg dafür, dass die 2025 vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD offen mit Neonazi-Kadern und weißen Nationalisten kooperiert.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Michael Schäfer ist keine Randfigur, sondern ein seit rund zwei Jahrzehnten aktiver Kader des organisierten Neonazismus. Seine Biografie verknüpft vier Milieus, die in der Regel analytisch getrennt betrachtet werden: militante Kameradschaftsszene (WAF), parlamentarische NPD und deren Jugendorganisation JN, völkisch-nationale Burschenschaften (Germania Halle-Leoben) sowie das neu-rechte AfD-Vorfeld (Ein Prozent, Desiderius-Erasmus-Stiftung). Seine öffentliche Selbstinszenierung als vermeintlich "bürgerlicher" Politikwissenschaftler mit Magistertitel steht in scharfem Kontrast zu seiner dokumentierten Rolle als JN-Scharfmacher und früherem WAF-Mitglied.

Die KKK-Listung ist ein belastender, aber kein abschließend bewiesener Punkt: Die Berichterstattung stützt sich auf eine journalistisch ausgewertete Mitgliederliste, Schäfer hat öffentlich dementiert und eine Unterlassungserklärung erwirkt. Faktenfackel berichtet diesen Komplex daher ausschließlich mit Quellenzuschreibung ("laut Berichten") und ohne eigene Tatsachenbehauptung.

Fazit

Schäfer ist ein zentraler Personen-Knoten zwischen alter NPD-Neonazi-Szene und neuem AfD-Vorfeld. Wer ihn über Ein Prozent ins Europäische Parlament einlädt, normalisiert keine diffuse "Patriotenszene", sondern konkret einen ehemaligen JN-Bundesvorsitzenden mit WAF-Hintergrund. Als Quelle ist Schäfer selbst ausschließlich als primäre Quelle für seine eigenen Aussagen und für die personelle Verflechtung zwischen organisiertem Neonazismus und AfD-Vorfeld relevant, nie als neutrale Sachquelle.