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Stand: 13.04.2026

Bauernproteste waren CDU/CSU-färbig, der Bauernverband positioniert sich nicht

Link Beschreibung

Reel von "Der Verrückte Mutmacher". Die These: Die Bauernproteste 2024 waren nicht spontane Graswurzel-Proteste, sondern CDU/CSU-eingefärbt, weil mehrere ihrer Organisatoren CDU- und CSU-Mitglieder waren, die kaum gegen die eigene Partei demonstriert hätten. Außerdem positioniere sich der Deutsche Bauernverband politisch nicht. Abschließend ein sarkastischer Kommentar zur Agrardiesel-Subvention.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Bauernproteste, die im Dezember 2023 begannen und ihren Höhepunkt im Januar 2024 hatten, waren eine Reaktion auf die Streichung von Steuervergünstigungen für Agrardiesel durch die Ampel-Koalition.

Die CDU/CSU-Organisatoren-These: Das Reel präsentiert eine Liste von Personen, die laut seiner Darstellung zu den Protest-Organisatoren gehörten und gleichzeitig CDU- oder CSU-Mitglieder in lokalen Gremien waren - darunter laut Reel ein CDU-Fraktionsmitglied im Kreisverband Oberspreewald-Lausitz, ein CDU-Fraktionsvorsitzender, ein CDU-Finanzausschuss-Mitglied in Kremmen, ein CDU-Kreistagsabgeordneter, ein CSU-Kreisratsmitglied sowie weitere CDU-Mitglieder. Das Argument: Wer in der CDU/CSU aktiv ist, geht nicht gegen die eigene Partei auf die Straße. Damit sei die Protestrichtung strukturell auf die Ampel ausgerichtet - nicht auf Agrarpolitik insgesamt. Die konkreten Namen und Positionen, die das Reel nennt, konnten durch externe Quellen nicht unabhängig verifiziert werden. Das Argument ist jedoch strukturell plausibel: Es gab Berichte über öffentliche Solidaritätsbekundungen von CDU- und CSU-Spitzenpolitikern mit den Protesten sowie über die direkte Beteiligung von Unionspolitikern an Protestaktionen. Eine lokale CDU-Einbindung in die Organisationsebene wäre kein Ausreißer, sondern würde zum Gesamtbild passen.

Parteinahme als strukturelles Problem: Die These ist nicht, dass Parteimitglieder kein Demonstrationsrecht haben - das räumt das Reel ausdrücklich ein. Die Frage ist, ob die Proteste als "unpolitische Bauernbewegung" aufgetreten sind, während ihre Organisationsstruktur zur Union neigte. Die historische Nähe zwischen DBV und CDU/CSU ist ein in der Agrarforschung verbreitetes Analysefeld; eine direkte parteipolitische Ausrichtung der Protestbewegung war während der Proteste von mehreren Medien thematisiert worden. Der DBV äußerte sich gegen eine Vereinnahmung durch rechtsextreme Kräfte, ließ aber die Frage der strukturellen Unionsnähe unkommentiert. Das ist der Kern des Vorwurfs im Reel: nicht AfD-Vereinnahmung, sondern CDU/CSU-Färbung.

Zum Agrardiesel: Das Reel spricht davon, Agrardiesel werde "wieder voll subventioniert" und nennt sarkastisch "25, lass es 30 Cent pro Liter". Der tatsächliche Erstattungssatz liegt bei etwa 21 Cent pro Liter - deutlich weniger als die im Reel genannten "25-30 Cent", aber die Größenordnung stimmt. Die Aussage, dass die Subvention zurückkommt, ist sachlich korrekt: Die Ampel-Koalition hatte die Erstattung schrittweise erheblich reduziert, die CDU-geführte Bundesregierung beschloss die vollständige Wiederherstellung ab 1.\u00A0Januar 2026 (BMLEH Pressemitteilung). Der genannte Betrag ist leicht übertrieben, der Sachverhalt stimmt. Die sarkastische Pointe des Reels lautet: Wenn die Proteste echte Graswurzel-Empörung über Agrarpolitik gewesen wären, hätten die Bauern auch gegen die CDU/CSU protestiert - und würden jetzt nicht still bleiben, weil die Union die Subvention zurückgebracht hat.

Fazit

Die Kernthese des Reels - die Bauernproteste 2024 waren durch CDU/CSU-nahe Organisatoren eingefärbt und richteten sich strukturell gegen die Ampel, nicht gegen Agrarpolitik allgemein - ist ein legitimes und durch den strukturellen DBV-Union-Zusammenhang belegbares Argument. Die historische Nähe zwischen DBV und CDU/CSU ist ein bekanntes Analysefeld. Die konkreten Personenangaben aus dem Reel konnten nicht unabhängig verifiziert werden und sollten mit dieser Einschränkung bewertet werden. Die Aussage zur Agrardiesel-Subvention ist sachlich korrekt; der genannte Centbetrag ist leicht zu hoch gegriffen (tatsächlich etwa 21 Cent statt der im Reel genannten "25-30 Cent"). Verdict "complex" bleibt zutreffend: Die Grundthese hat Substanz, zentrale Einzelbelege fehlen noch.

Transkript

Warum die Bauern jetzt nicht demonstrieren? Die haben gar keine Zeit dafür. Jeden Tag sind die Trecker auf dem Acker. Die können sich das nicht leisten. Außerdem gibt es da diese Auflistung, nachdem Frank 2024 nicht nur Mitglied der Freien Wähler, sondern auch Teil der CDU-Fraktion im Kreisverband Oberspreewald-Lausitz war. Thomas war zu dem Zeitpunkt CDU-Fraktionsvorsitzender. Maite war im Finanzausschuss der CDU in Kremmen. Sebastian war Kreistagsabgeordneter der CDU. Günther saß für die CSU im Kreisrat. Jürgen war Fraktionsmitglied der CDU. Joachim erneut ein CDU-Mitglied. Ich denke, ihr versteht das Bild, das man hier noch deutlich weiterführen kann. Und versteht mich recht, natürlich hat jedes einzelne Parteimitglied jedes Recht zu demonstrieren. Aber mir muss doch niemand erzählen, dass diese ganzen CDU-Mitglieder jetzt gegen ihre eigene Partei auf die Straße gehen würden. Das machen die halt nicht. Entsprechend, ja, die Proteste waren parteilich eingefärbt. Und bei aller Arbeit auf den Höfen und auf den Feldern, selbst der Deutsche Bauernverband schafft sie nicht mehr, sich zu positionieren. Eine neue Sonderregelung für Mindestlöhne, die kann man fordern und wunderbar begründen, dass man ja sonst nicht wettbewerbsfähig ist, weil um uns herum ganz andere Löhne gezahlt werden. Ja, aber wenn um uns herum die Spritpreise irgendwie vergleichbar niedrig sind, weil sie eben nicht so sehr explodiert sind, dann hat das plötzlich gar nicht so eine Relevanz auf die Wettbewerbsfähigkeit. Oder wie darf ich das verstehen? Und ja klar, Agrardiesel wird wieder voll subventioniert. Wie viel sind das? 25 Cent? Lass es 30 Cent pro Liter sein. Vergleicht das mal mit den Spritpreisen aus 2024, als es hieß, dass die Kosten ohne Subvention, wenn man also denn diese voll bezahlen müsste, existenzbedrohend sind. Falls nochmal eine Partei vorhat, die Agrardiesel-Subvention zu streichen, damit wir mehr Geld im Haushalt zur Verfügung haben, haben die meine volle Unterstützung dafür. Ich würde nur anraten, dass man das Ganze, sagen wir, im April macht, weil mir nämlich ganz viele Menschen ja versichert haben, dass die Bauern dann nicht mehr auf die Straße gehen werden.