Zur Quelle "Sarah Bosetti" springen
Stand: 28.03.2026

Grokipedia, Elon Musks Paralleluniversum

Wahr

Link Beschreibung

Sarah Bosetti erklärt in diesem ZDF-Clip aus "Bosetti will reden" vom 5. November 2025, wie Elon Musks KI-generierte "Grokipedia" gezielt Falschinformationen in scheinbar sachlichen Enzyklopädie-Artikeln versteckt.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Bosetti beschreibt die Grokipedia als ein Desinformationswerkzeug, das sich bewusst von offensichtlich extremen Quellen wie der rechtsextremen Metapedia unterscheidet. Während die Metapedia ihren ideologischen Standpunkt im ersten Satz herausposaumt, arbeite die Grokipedia subtiler: Die ersten fünf Sätze eines Artikels seien sachlich, der sechste enthalte dann die eigentliche Botschaft, eingebettet in eine Quellenangabe (häufig Fox News oder das Media Research Center, einer konservativen US-amerikanischen Medien-Watchdog-Organisation).

Als Beispiele nennt Bosetti:

  • Jimmy Kimmel: Der Artikel laufe zunächst normal, ende aber mit dem Hinweis, dass laut einer Analyse des Media Research Center rund 90 Prozent seiner politischen Witze auf Konservative abzielten, als Beleg für "ausgeprägte parteische Schlagseite".
  • Stephen Colbert, John Oliver, Seth Meyers: Alle werden mit ähnlichen Formulierungen wie "empfundene Parteilichkeit" oder "offenkundig parteische Ausrichtung" belegt.
  • Harvard University: Ihr wird unterstellt, "empirische Belege für die Unterdrückung von Meinungen" hätten das öffentliche Vertrauen untergraben.

Das Kernargument: Wer bereits weiß, dass das Media Research Center eine parteische Quelle ist, durchschaut die Manipulation. Wer es nicht weiß und die Grokipedia als Wissensquelle nutzt, übernimmt die eingebettete Desinformation und verbreitet sie weiter.

Bosetti schließt mit einem Bild: Populisten lassen Lügen nicht als offensichtlichen "rosaroten Elefanten" im Raum stehen, sondern möblieren den gesamten Raum um die Lüge herum, mit stützenden Regalen, Büchern und eben Enzyklopädien, die die Lüge als Normalzustand beschreiben.

Die im Clip beschriebenen Eigenschaften der Grokipedia sind belegbar. Die englischsprachige Wikipedia dokumentiert, dass Grok ab Mitte 2025 so konfiguriert wurde, dass es bei kontroversen politischen Themen zuerst Musks eigene Posts auf X durchsuchte, bevor es eine Antwort generierte, ein struktureller Bias, der die von Bosetti beschriebene Schlagseite erklärt. Die Grokipedia wurde im Oktober 2025 als alternative Enzyklopädie zu Wikipedia gestartet, nachdem Musk die Wikipedia als "woke" und verzerrt bezeichnet hatte. Das Media Research Center ist tatsächlich eine von Konservativen finanzierte Organisation, deren Studien regelmäßig liberale Medienverzerrung dokumentieren sollen, eine Tatsache, die in neutralen Quellen wie Wikipedia nachlesbar ist.

Fazit

Bosettis Einschätzung ist sachlich korrekt und gut argumentiert. Die Grokipedia als Instrument zur Konstruktion eines alternativen Informationsraums zu beschreiben, trifft den Kern des Problems: nicht plumpe Lüge, sondern subtile Einbettung von Desinformation in scheinbar neutrale Fakten. Das satirische Format schränkt die inhaltliche Treffgenauigkeit nicht ein, die beschriebene Funktionsweise entspricht dem, was Medienforscher als "Firehose of Falsehood" oder selektive Quellenauswahl kennen. Bewertung: zutreffend.