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Thorsten Heise

Militanter Neonazi aus Fretterode, Bundesvorstand Die Heimat (ehem. NPD), Rechtsrock-Produzent, mehrfach vorbestraft

Bildquelle: ©Thorsten Heise
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Über die Quelle

Thorsten Heise (geboren am 23. Juni 1969 in Northeim) gilt seit Jahrzehnten als einer der einflussreichsten militanten Neonazi-Kader in Deutschland. Der Verfassungsschutz und die Bundeszentrale für politische Bildung ordnen ihn als Schlüsselfigur der sogenannten „Freien Kameradschaften" ein. Seit 1999 lebt er in Fretterode im thüringischen Eichsfeld, wo er ein ehemaliges Pflegeheim (Rittergut Hanstein) erworben hat und es als Schulungs- und Veranstaltungsort der rechtsextremen Szene nutzt.

Politisch begann Heise seine Laufbahn Ende der 1980er Jahre in der später verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP). Nach deren Verbot baute er eigene Strukturen auf, darunter die Kameradschaften Northeim und Eichsfeld. Seit September 2004 ist er Mitglied der NPD und wurde bereits im selben Jahr mit 64,7 Prozent in den Bundesvorstand gewählt, wo er bis heute das Ressort „Freie Kräfte" verantwortet. Von Februar 2017 bis November 2018 war er Landesvorsitzender der NPD Thüringen. Die Partei hat sich 2023 in „Die Heimat" umbenannt.

Heise betreibt aus Fretterode den Rechtsrock-Versand „W&B Versand" und organisiert Konzerte sowie Szene-Festivals wie das „Schild und Schwert"-Festival in Ostritz (2018–2019) und das „Fest der Völker". Er gibt das Magazin „Volk in Bewegung & Der Reichsbote" heraus und war laut Bundesverband Mobile Beratung federführend an der „Projekt Schulhof"-CD beteiligt, mit der rund 50.000 Propaganda-Tonträger kostenlos an Schulen verteilt werden sollten.

In den NSU-Ermittlungsakten taucht Heise mit „nachgewiesenen Kontakten zu Tätern" auf. Mit dem AfD-Politiker Björn Höcke, der ebenfalls im Eichsfeld lebt, besteht nach Angaben mehrerer Recherchen eine langjährige persönliche Bekanntschaft. Die von Heise früher geführte „Arische Bruderschaft", ein Ordnerdienst bei Rechtsrock-Konzerten, löste er nach eigenen Angaben im September 2023 auf.

Faktenfackel Bewertung

Thorsten Heise ist keine journalistische oder wissenschaftliche Quelle, sondern Protagonist der militanten Neonazi-Szene. Aussagen von oder über ihn sind mit entsprechender Vorsicht und Einordnung zu behandeln: Eigene Verlautbarungen (Interviews, Magazinbeiträge, Reden) dienen der Selbstdarstellung und Szene-Mobilisierung und sind keine neutralen Tatsachenquellen. Zu belegten Fakten über ihn zählen laut Wikipedia und Medienberichten unter anderem mehrfache rechtskräftige Verurteilungen, darunter acht Monate Haft (1994) wegen eines Schusswaffenvorfalls, 18 Monate Haft (2000) wegen eines Angriffs auf Polizeibeamte (1997), 2007 eine Verurteilung wegen Volksverhetzung sowie 2008 elf Monate auf Bewährung, 200 Sozialstunden und 15.000 Euro Geldstrafe wegen der Verbreitung volksverhetzender Tonträger. Die Wikipedia spricht zu diesem Zeitpunkt von seiner „insgesamt zwölften Verurteilung".

Sein Anwesen in Fretterode ist seit Jahren Anlaufpunkt der Szene. Dort wurde 2018 ein schwerer Angriff auf zwei Journalisten verübt: Nordulf H. und Gianluca B., die der rechten Szene zugerechnet werden, verfolgten die Reporter, zerstörten deren Wagen mit Brechstange, Baseballschläger und Messer und verletzten einen Journalisten mit Schädelbruch. Die Urteile vom 15. September 2022 fielen mit 200 Sozialstunden bzw. einer Bewährungsstrafe auffallend milde aus; der Bundesgerichtshof hat das Urteil später aufgehoben (taz: BGH hebt Urteil auf). Heise selbst war in diesem Verfahren nicht angeklagt, der Vorfall ereignete sich aber im Umfeld einer Versammlung auf seinem Grundstück.

Fazit

Thorsten Heise ist als mehrfach vorbestrafter Neonazi-Kader, Rechtsrock-Unternehmer und Bundesvorstandsmitglied von Die Heimat (NPD) eine belegt rechtsextreme Schlüsselfigur; Aussagen von ihm oder aus seinem Umfeld sind ausschließlich als Szene-Propaganda einzuordnen, während dokumentierte Fakten zu Urteilen, Strukturen und Netzwerken durch Gerichtsakten, Wikipedia und etablierte Medien belegt sind.