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Ulrich Vosgerau

Ulrich Vosgerau (geb. 1974 in Pinneberg) ist ein deutscher Jurist und Staatsrechtler. Er war bis Oktober 2024 Privatdozent an der Universität zu Köln und ist als Rechtsanwalt tätig, unter anderem als Verteidiger in aufsehenerregenden Verfahren rund um die AfD und ihr Umfeld. Vosgerau nahm am 25. November 2023 am sogenannten Potsdamer Treffen teil, das im Januar 2024 als "Geheimplan gegen Deutschland" enthüllte. Seither betreibt er intensiv rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung und ist einer der prominentesten juristischen Mitstreiter rechtsextremer Kreise in Deutschland.

Bildquelle: ©Ulrich Vosgerau
Bildquelle: ©Ulrich Vosgerau

Ulrich Vosgerau (geb. 1974 in Pinneberg) ist ein deutscher Jurist und Staatsrechtler. Er war bis Oktober 2024 Privatdozent an der Universität zu Köln und ist als Rechtsanwalt tätig, unter anderem als Verteidiger in aufsehenerregenden Verfahren rund um die AfD und ihr Umfeld. Vosgerau nahm am 25. November 2023 am sogenannten Potsdamer Treffen teil, das CORRECTIV im Januar 2024 als "Geheimplan gegen Deutschland" enthüllte. Seither betreibt er intensiv rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung und ist einer der prominentesten juristischen Mitstreiter rechtsextremer Kreise in Deutschland.

Über die Quelle

Akademische Laufbahn

Vosgerau studierte Rechtswissenschaften in Passau und Freiburg, bestand die Zweite Juristische Staatsprüfung 2003 in Berlin und habilitierte sich 2012 an der Universität zu Köln in Öffentlichem Recht, Völker- und Europarecht. Von 2006 bis Oktober 2024 war er dort Privatdozent. Parallel dazu vertrat er Lehrstühle an der LMU München, in Hannover, Passau und Halle-Wittenberg. Seit dem Herbst 2024, als die Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer sich mit 132 zu 73 Stimmen von ihm distanzierte, hat er seine Kölner Privatdozentur aufgegeben.

Politische Netzwerke und AfD-Nähe

Vosgerau ist CDU-Mitglied und war Mitglied der Werteunion. Zugleich fungierte er als stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Desiderius-Erasmus-Stiftung, der AfD-nahen Parteistiftung. Er vertrat die AfD-Bundestagsfraktion wiederholt vor dem Bundesverfassungsgericht und wurde 2024 als Verteidiger von Björn Höcke im Prozess wegen Verwendung von NS-Kennzeichen vor dem Landgericht Halle tätig. Daneben schreibt er regelmäßig für Junge Freiheit, Tichys Einblick und Cicero.

Prägend für sein öffentliches Profil wurde der Satz "Herrschaft des Unrechts", den er im Dezember 2015 im Cicero prägte, um Merkels Flüchtlingspolitik zu kritisieren. Der Begriff findet seitdem im rechten Lager breite Verwendung.

Das Potsdamer Treffen (November 2023)

Am 25. November 2023 nahm Vosgerau an einem Treffen in einem Potsdamer Hotel teil, an dem auch Martin Sellner, Vertreter der AfD und der Werteunion sowie Unternehmer teilnahmen. Vosgerau referierte dort nach eigenen Angaben über Probleme mit der Briefwahl. Correctiv berichtete im Januar 2024, beim Treffen sei unter anderem über Pläne zur millionenfachen Vertreibung von Menschen mit Migrationshintergrund, einschließlich solcher mit deutschem Pass, diskutiert worden.

Rechtsstreitigkeiten gegen Correctiv

Vosgerau ist einer der aktivsten Kläger gegen die Berichterstattung von CORRECTIV, vertreten durch die Kanzlei Höcker.

Eilverfahren Hamburg (Februar 2024): Das Landgericht Hamburg entschied im Eilverfahren (Az. 324 O 61/24) am 26. Februar 2024 in Teilen für Vosgerau, ließ Correctiv aber im Kern der Berichterstattung unberührt. Das Oberlandesgericht Hamburg wies Vosgeraus Beschwerden im März 2024 ab.

Hauptverfahren Hamburg (Dezember 2025): Am 19. Dezember 2025 wies das LG Hamburg (Az. 324 O 6/25) Vosgeraus Klage vollständig ab. Das Gericht befand, Leser könnten aufgrund der detaillierten Darstellung und der direkten Zitate im Correctiv-Artikel zwischen Wiedergabe und bewertender Umschreibung differenzieren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Verfahren Berlin (September 2025): Das Landgericht Berlin II verpflichtete Correctiv im September 2025 (Az. 27 O 135/25) zu Anpassungen in zwei Formulierungen bezüglich Vosgeraus angeblicher Aussagen über junge Wählerinnen türkischer Herkunft. Correctiv legte Berufung ein; der Kern der Recherche blieb unangetastet.

Distanzierung der Staatsrechtler-Vereinigung

Auf der Mitgliederversammlung der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer am 9. Oktober 2024 in Luzern stimmten 132 Mitglieder für eine förmliche Distanzierung von Vosgerau, 73 stimmten dagegen, 23 enthielten sich. Es war das erste Mal in der Geschichte der Vereinigung, dass sie sich von einem Mitglied distanzierte. Die Distanzierungserklärung hielt fest, die Vereinigung distanziere sich davon, dass ein Mitglied "seine Expertise jenen Kräften zur Verfügung stellt, die dieses Wissen dazu nutzen, die freiheitlich-demokratische Verfassungsordnung im rechtsextremen Sinne zu unterminieren." Vosgerau bezeichnete die Antragsteller daraufhin als "Idioten" und kündigte rechtliche Schritte an.

Faktenfackel Bewertung

Vosgerau ist kein neutraler Rechtsexperte, sondern ein engagierter juristischer Akteur im Umfeld der extremen Rechten. Er nutzt juristische Mittel systematisch, um Berichterstattung über rechtsextreme Vernetzungen zu erschweren und zu verzögern, auch wenn seine Klagen im Hauptverfahren bislang scheiterten. Sein Rückhalt in seriösen Fachkreisen ist seit dem Votum der Staatsrechtslehrervereinigung stark geschwunden. Aussagen, die er in seiner Eigenschaft als AfD-Anwalt oder Kommentator für Junge Freiheit tätigt, sind mit entsprechender Vorsicht zu gewichten.

Fazit

Vosgerau agiert an der Schnittstelle von juristischem Aktivismus und rechtsextremem Netzwerk; seine akademischen Qualifikationen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass er politisch klar positioniert ist und als Werkzeug zur Einschüchterung kritischer Presse eingesetzt wird.