Alexander Jungbluth
AfD-Abgeordneter im Europäischen Parlament

Alexander Jungbluth (geboren am 7. Februar 1987 in Würselen) ist ein AfD-Politiker und seit dem 16. Juli 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments. Er gehört der AfD-Delegation in der rechtsextremen Fraktion "Europa der Souveränen Nationen" (ESN) an und ist stellvertretender Bundesschatzmeister der AfD.
Biografie
Jungbluth studierte an der Universität Bonn und schloss mit einem Master in Volks- und Betriebswirtschaftslehre ab. Während des Studiums trat er der schlagenden Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn bei, später zusätzlich der Burschenschaft Germania Halle zu Mainz. Er ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern.
2013 trat Jungbluth in die AfD und deren Jugendorganisation Junge Alternative (JA) ein. 2016 gehörte er zur ersten Führung des neu gegründeten JA-Stadtverbands Mainz. Er stieg zum JA-Landesvorsitzenden in Rheinland-Pfalz auf. Bei der Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2021 kandidierte er auf Listenplatz 10, verpasste jedoch den Einzug ins Parlament.
Netzwerk in Rheinhessen
Jungbluth ist eng mit dem neurechten Milieu um das sogenannte "Zentrum Rheinhessen" verbunden. 2020 übernahm er von Philip Stein den Vorsitz des Vereins "Deutsches Kulturerbe in Rheinhessen". Zu den Mitgründern gehörten neben Jungbluth auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Münzenmaier sowie der Anwalt und Burschenschafter Matthias Brauer. Auf dem Vereinsgelände finden regelmäßig Veranstaltungen der extremen Rechten statt, bei denen AfD-Funktionäre mit Aktivisten der Identitären Bewegung auftreten. Belltower bezeichnet das Zentrum als "Kaderschmiede" der AfD Rheinland-Pfalz.
Europaparlament
Bei der Europawahl 2024 zog Jungbluth auf Listenplatz 5 der AfD ins Europäische Parlament ein. Im Parlament fungiert er als Koordinator seiner Fraktion im Haushaltsausschuss (BUDG) und ist zusätzlich stellvertretendes Mitglied im Haushaltskontrollausschuss (CONT) sowie im Ausschuss für Wirtschaft und Währung (ECON). Er gehört der Delegation für die Beziehungen zu den Maschrik-Ländern (DMAS) an.
Politisch setzt Jungbluth Schwerpunkte in der Finanz-, Wirtschafts- und Familienpolitik. Er hat nach eigenen Angaben den finanzpolitischen Teil des AfD-Wahlprogramms wesentlich mitverfasst und unterstützt den Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union ("Dexit"). Auf dem AfD-Bundesparteitag 2024 wurde er mit 74,15 % zum stellvertretenden Bundesschatzmeister gewählt.
Einladung Stein und Schäfer ins EU-Parlament (März 2026)
Am 25. März 2026 lud Jungbluth gemeinsam mit der AfD-Abgeordneten Mary Khan Philip Stein und Michael Schäfer ins Europäische Parlament ein. Stein ist Geschäftsführer der neurechten Kampagnenplattform "Ein Prozent", Schäfer ein früherer Bundesvorsitzender der Jungen Nationalisten (JN) und Akteur der "Wertegemeinschaft Aktiver Familien" (WAF) mit langer Vergangenheit in gewaltbereiten Neonazi-Strukturen.
In ihrer Präsentation behaupteten die Eingeladenen, ein "sehr komplexes Kartell" linker NGOs versuche die AfD "klein zu halten", und griffen Campact sowie den Philanthropen George Soros mit antisemitisch konnotierten Verschwörungserzählungen an. Beobachter wie die Global Project Against Hate and Extremism kritisierten, dass die AfD damit Akteure aus dem Neonazi- und Identitären-Spektrum in die zentralen Räume europäischer Institutionen trägt. Die Einladung fügt sich in Jungbluths seit Jahren gewachsenes Netzwerk zu Stein ein, dessen Vereinsvorsitz er 2020 in Mainz übernommen hatte.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Alexander Jungbluth steht exemplarisch für die engen personellen Verflechtungen zwischen AfD-Mandatsträgern, völkisch-nationalistischen Burschenschaften und dem Netzwerk der Neuen Rechten um "Ein Prozent" und das "Zentrum Rheinhessen". Seine Karriere vom JA-Landeschef über den Vereinsvorsitz nach Philip Stein bis zur Einladung desselben ins Europäische Parlament zeigt eine kontinuierliche Kooperation mit Akteuren, die Verfassungsschutzbehörden und Rechercheportale wie Belltower dem rechtsextremen Spektrum zuordnen.
Fazit
Jungbluth ist kein bloßer Haushaltspolitiker, sondern ein Scharnier zwischen AfD-Europafraktion und organisierter Neuer Rechter. Seine Aussagen und parlamentarischen Initiativen sind vor diesem Hintergrund einzuordnen; Aussagen zu NGOs, "Altparteien" oder angeblicher Wahlbeeinflussung entstammen oft dem Deutungsrahmen von "Ein Prozent" und vergleichbaren Kampagnenstrukturen. Für Faktenchecks gilt: Quellen und Framing seiner Beiträge verdienen besondere Prüfung.