Dr. Alexander Wolf
AfD-Bundestagsabgeordneter für Hamburg, seit 2025 im Bundestag, davor zehn Jahre in der Hamburgischen Bürgerschaft. Jurist und Mitglied der völkisch-nationalistischen Burschenschaft Danubia.

Über die Quelle
Dr. Alexander Wolf (* 19. April 1967 in Leipzig) ist ein deutscher Politiker der AfD und seit Februar 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er vertritt Hamburg über die Landesliste und ist Obmann seiner Fraktion im Unterausschuss für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik sowie ordentliches Mitglied im Auswärtigen Ausschuss.
Wolf wuchs nach der Übersiedlung seiner Familie 1979 in der Bundesrepublik auf. Er studierte Rechtswissenschaften, Philosophie, Geschichte und Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie in Speyer und Oxford (Master of Jurisprudence am Brasenose College, 1998). 1998 promovierte er an der LMU mit einer Arbeit über das Maastricht-Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Als Rechtsanwalt war er zunächst in einer internationalen Großkanzlei tätig; seit 2008 betreibt er in Hamburg eine eigene Kanzlei für Wirtschafts-, Erb- und Verfassungsrecht.
Politisch engagierte er sich bereits in den späten 1980er Jahren: Er war 1989 Mitgründer und erster Vorsitzender des Republikanischen Hochschulverbands (RHV), der Hochschulorganisation der Partei Die Republikaner, verließ ihn aber bereits 1990. In den 1990er Jahren schrieb er für die Wochenzeitung Junge Freiheit, das Hauptorgan der sogenannten Neuen Rechten. Seit 2014 ist er AfD-Mitglied.
Von 2015 bis 2025 saß Wolf in der Hamburgischen Bürgerschaft, zuletzt als stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Im selben Zeitraum war er stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Hamburg und von 2019 bis 2022 Mitglied im AfD-Bundesvorstand.
Verbindungen zur extremen Rechten
Wolf ist seit seiner Studienzeit Mitglied der Burschenschaft Danubia München, die vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird und in der mehrere bekannte AfD-Politiker organisiert sind. Er wechselte nach eigenen Angaben 1994 in den Altherren-Status, übernahm aber später den Vorsitz des Altherrenverbands. Laut taz-Recherche (2020) beteiligte sich Wolf an einer Wohnungsbaugesellschaft, die der Burschenschaft Danubia günstigen Wohnraum bereitstellt, und finanzierte damit nach Einschätzung von AfD-Watch Hamburg eine Liegenschaft der extremen Rechten.
Wolfs Schwiegervater Ralph Schröder war laut AfD-Watch Hamburg ehemaliger Vorsitzender der Burschenschaft Thuringia Braunschweig und erster Vorsitzender des NPD-nahen "Hilfskomitees südliches Afrika", einer Organisation für "Volkstumsarbeit" im südlichen Afrika.
1994 gab Wolf das Liederbuch "Schlachtruf - Nationale Lieder" heraus, das nach Recherchen der taz (2017) Texte aus der Hitlerjugend enthielt, darunter das HJ-Lied "Unsere Fahne flattert uns voran" mit veränderten Textpassagen (u.a. "Hitler" und "Führer" ersetzt durch "Deutschland"). Wolf räumte ein, das Liederbuch heute nicht mehr herausgeben zu wollen.
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Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Alexander Wolf gilt innerhalb der AfD als einer der intellektuell versiertesten Vertreter des völkisch-nationalistischen Flügels. Sein juristisches Hintergrundwissen erlaubt es ihm, Positionen rechtsextremer Provenienz sprachlich so zu verpacken, dass sie auf den ersten Blick moderater klingen als etwa die Reden von Björn Höcke. Inhaltlich bleibt er aber im Kernbestand rechtspopulistischer AfD-Positionen: Migrationspolitik als Hauptthema, Ablehnung von "Multikulti", Kritik an angeblicher "politischer Korrektheit".
Besonders auffällig ist Wolfs Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus und verwandten Themen. Bei der Bundestagsdebatte zum 30. Jahrestag des Völkermords von Srebrenica am 11. Juli 2025 erklärte Wolf laut Bundestag-Protokoll, die UN-Völkermordklassifikation sei "keine historische, sondern eine politische Entscheidung" und "sehr unklug". CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt warf ihm daraufhin direkt Genozidleugnung vor; Außenminister Johann David Wadephul intervenierte ebenfalls. Die Behauptung, die Klassifikation als Völkermord sei primär politisch motiviert, widerspricht dem Urteil des Internationalen Gerichtshofs und dem wissenschaftlichen Konsens.
Wolfs öffentliche Auftritte sind weniger durch überprüfbare Faktenbehauptungen geprägt als durch rhetorische Gewandtheit im Dienst von Geschichtsrevisionismus und völkischem Denken. Als Quelle für Sachfragen, insbesondere in den Bereichen Außenpolitik, Geschichte und Migration, ist er nicht verlässlich.
Fazit
Wolf ist eine politisch relevante, aber inhaltlich unzuverlässige Quelle, die AfD-Positionen mit juristischer Rhetorik unterfüttert. Seine Nähe zu völkisch-nationalistischen Netzwerken und sein öffentliches Relativieren des Völkermords von Srebrenica sind durch Quellen belegt.