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Stand: 06.05.2026

Andreas Mayer (AfD) knüpft Tötungsdelikt in Memmingen an Asyl- und Islamismus-Debatte

Komplex

Link Beschreibung

In dem Facebook-Post vom 6. Mai 2026 verknüpft der AfD-Bundestagsabgeordnete Andreas Mayer ein Tötungsdelikt in Memmingen mit einem gescheiterten Abschiebeversuch, mutmaßlichem Islamismus und einem Palästina-Bezug. Mayer nennt den Fall "Politikversagen mit Ansage" und fordert, abgelehnte Asylbewerber mit "islamistischem Hintergrund" nicht ins Land zu lassen. Der Post verweist auf angebliche Videos des Tatverdächtigen mit dem sogenannten Tauhid-Gruß, Nasheeds und "Free Palestine"-Inhalten.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der zugrundeliegende Kriminalfall ist real: Der 14-jährige Jermaine B. aus Memmingen wurde seit dem Abend des 2. Mai 2026 vermisst und in der Nacht auf den 5. Mai 2026 tot in einem leerstehenden Gebäude in Bahnhofsnähe gefunden. Die Obduktion ergab massive Gewalteinwirkung am Hals. Der 37-jährige Tatverdächtige wurde bei einem Polizeieinsatz nach einem Messerangriff auf Beamte erschossen und starb später in der Klinik. Das bestätigen sowohl die Jüdische Allgemeine als auch t-online unter Berufung auf Polizei und Staatsanwaltschaft Memmingen.

Bei der Herkunft ist Mayers Formulierung "palästinensischer Asylbewerber" verkürzt. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft war seine Nationalität ungeklärt: Er ist laut eigenen Angaben in Abu Qash im Westjordanland geboren, einen Pass hatte er nicht. Auch die "gescheiterte Abschiebung" trifft so nicht zu: Es gab keinen erkennbaren Abschiebeversuch, der gescheitert wäre. Er war wegen ungeklärter Identität und fehlender Papiere geduldet und faktisch nicht abschiebbar. In Deutschland war er zweimal vorbestraft, jeweils zu Geldstrafen: 2021 wegen Sachbeschädigung, 2026 wegen unerlaubten Aufenthalts ohne Pass.

Zum Islamismus-Vorwurf: In sozialen Netzwerken kursieren Videos, in denen ein Mann mit ausgestrecktem Zeigefinger (dem sogenannten Tauhid-Gruß) posiert, im Hintergrund sind Nasheeds zu hören, ein Video trägt die Aufschrift "Free Palestine". Berichte darüber liefern u. a. Junge Freiheit und Nius. Entscheidend ist aber: Die Staatsanwaltschaft Memmingen konnte nach eigenen Angaben "weder bestätigen noch dementieren", dass der TikTok-Kanal dem Tatverdächtigen gehört. Ein islamistisches oder politisches Tatmotiv ist offiziell nicht festgestellt; die Ermittler suchen laut Jüdischer Allgemeiner weiterhin nach dem Motiv. Mayer präsentiert die Videos in seinem Post als etablierten Fakt, obwohl die Zuordnung zum Tatverdächtigen zum Zeitpunkt des Posts nicht bestätigt war.

Die politische Konsequenz, die Mayer zieht ("abgelehnte Asylbewerber mit islamistischem Hintergrund nicht ins Land lassen"), springt zusätzlich über einen offenen Punkt hinweg: Der Tatverdächtige war zum Zeitpunkt seiner Einreise für die Behörden nicht als Islamist zu erkennen. Die Duldung basierte auf fehlenden Papieren, nicht auf einer wohlwollenden Islamismus-Bewertung.

Fazit

Kernfakten des Posts stimmen: Ein 14-Jähriger wurde in Memmingen getötet, der 37-jährige Tatverdächtige war ein geduldeter, abgelehnter Asylbewerber mit ungeklärter Nationalität und Geburtsort im Westjordanland. Die Zuspitzungen "palästinensischer Asylbewerber", "Abschiebung gescheitert" und der als gesichert präsentierte "islamistische Hintergrund" verkürzen jedoch offene Ermittlungsstände und behördliche Einordnungen. Der Post nutzt einen realen Fall für migrations- und islampolitische Forderungen, ohne die Unsicherheiten der Beweislage kenntlich zu machen.