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Stand: 07.06.2026

Höcke: Holocaust sei "nicht im deutschen Namen" geschehen

Ich möchte aber feststellen, es ist nicht im deutschen Namen passiert. Es ist unter den Bedingungen einer Diktatur passiert, und es wurde ein Riesen-Geheimnis darum gemacht.

Am 7. Juni 2026 äußerte sich Björn Höcke in einem über zweistündigen Video-Interview mit Roger Köppel (Chefredakteur der Schweizer Weltwoche) zum Holocaust. Höcke sagte laut einem Bericht der Jüdischen Allgemeinen:

Ich möchte aber feststellen, es ist nicht im deutschen Namen passiert. Es ist unter den Bedingungen einer Diktatur passiert, und es wurde ein Riesen-Geheimnis darum gemacht.

An anderer Stelle im Interview präzisierte Höcke: "dieses Verbrechen ist nicht im Namen des deutschen Volkes passiert."

Das Interview erschien auf dem YouTube-Kanal der Weltwoche. Es reiht sich in Höckes jahrzehntelanges Muster der Verharmlosung des NS-Regimes ein, das 2017 mit der Dresdner Rede ("Denkmal der Schande") und dem Versuch eines Parteiausschlussverfahrens durch Frauke Petry begann.

Faktenfackel Bewertung

Die Aussage ist geschichtsrevisionistisch und historisch falsch. Der Holocaust war kein Geheimnis, das an der deutschen Bevölkerung vorbeiging: Deportationen fanden öffentlich auf deutschen Bahnhöfen statt, deutsche Behörden organisierten die Transporte bürokratisch (unter Federführung von Adolf Eichmanns Referat IV B 4 im Reichssicherheitshauptamt). Das Deutsche Historische Museum dokumentiert: "Kaum eine Institution des NS-Regimes blieb am Völkermord unbeteiligt." Auch die Holocaustforschung des USHMM hält die breite Beteiligung deutscher Institutionen und Einzelpersonen fest. Einsatzgruppen, Wehrmacht, SS, Gestapo, Reichsbahn und zivile Bürokratie wirkten zusammen.

Höckes Formel "unter den Bedingungen einer Diktatur / Riesen-Geheimnis" reproduziert ein altes apologetisches Muster: Wenn der Holocaust nicht "im Namen des deutschen Volkes" geschah, entfällt die kollektive Verantwortung, die Basis des deutschen Gedenkens seit 1945. Das ist der politische Kern der Aussage, wie Michael Thaidigsmann in der Jüdischen Allgemeinen festhält: Höcke, selbst ausgebildeter Geschichtslehrer, spreche hier nicht aus Unkenntnis, sondern strategisch.