Claus Cremer
NRW-Landesvorsitzender von Die Heimat (ehem. NPD) und langjähriger Neonazi-Aktivist aus Wattenscheid, 2005 wegen Volksverhetzung verurteilt, baut das Ruhrgebiet als rechtsextremen Schwerpunkt aus.

Über die Quelle
Claus Cremer, geboren am 9. Januar 1979 in Bochum, aufgewachsen in Wattenscheid, ist gelernter Industriekaufmann und seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Schlüsselfigur der rechtsextremen Szene in Nordrhein-Westfalen.
Karriere in NPD und Die Heimat
Cremer wurde im Jahr 2000 zunächst kommissarischer Landesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten (JN) in NRW. Anschließend bekleidete er in der NRW-NPD die Ämter des stellvertretenden Landesvorsitzenden, des Landesgeschäftsführers und des Pressesprechers. Am 15. Juni 2008 wurde er auf dem NRW-Landesparteitag zum Landesvorsitzenden gewählt und führt den Landesverband seither. Bei der Umbenennung der NPD in Die Heimat im Juni 2023 blieb Cremer im Amt; heute ist er zugleich Mitglied des Bundesvorstands und dort Beauftragter für internationale Beziehungen.
Vor seiner Wahl in den Wattenscheider Bezirksvertretung (2004) und in den Bochumer Stadtrat, dem er als Einzelkandidat bis März 2018 angehörte, war Cremer über die NPD hinaus als Koordinator zwischen Partei und Neonazi-Kameradschaften tätig. Im NPD-NRW-Landesvorstand war er offiziell zuständig für die sogenannte "außerparteiliche Koordinierung" - faktisch die Schnittstelle zwischen dem formellen Parteiapparat und den informellen "freien Kameradschaften".
Kameradschaft "Freier Widerstand Wattenscheid"
Cremer ist Anführer der Neonazi-Kameradschaft "Freier Widerstand Wattenscheid", die er als Bindeglied zwischen NPD und der militanteren freien Kameradschaftsszene nutzte. In dieser Funktion vernetzt er seit den frühen 2000er Jahren ältere Parteistrukturen mit jüngeren, parteifernen Neonazis.
Verurteilung wegen Volksverhetzung (2005)
Am 26. Juni 2004 sprach Cremer auf einer NPD-Demonstration in Bochum, die sich gegen den geplanten Neubau einer Synagoge richtete. Vor rund 200 Anhängern machte er antisemitische Äußerungen, in denen er eine Talmud-Passage falsch wiedergab und behauptete, in Synagogen werde gelehrt, dass "Mädchen ab drei Jahren zum Geschlechtsverkehr geeignet seien". Ein Extremismusexperte bewertete die Rede als "neue Qualität in der antisemitischen Propaganda", die sich bewusst an die Tradition des NS-Hetzblatts "Stürmer" anlehne.
Das Landgericht Bochum verurteilte Cremer am 18. Februar 2005 wegen Volksverhetzung zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Das Gericht stellte fest, die entsprechende Talmud-Passage sei "nicht korrekt wiedergegeben" worden, und Cremers Absicht sei es gewesen, Juden "auszugrenzen und zu erniedrigen" - unter Einsatz von "NS-Sprache und -Ideologie". Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil im Dezember 2005 als rechtskräftig.
Strategie: Ruhrgebiet als rechtsextremer Schwerpunkt
Als NRW-Landesvorsitzender betreibt Cremer gezielt den Ausbau des Ruhrgebiets als rechtsextremen Aktivitätsschwerpunkt. Die NRW-Parteizentrale der Heimat hat ihren Sitz in einer ehemaligen Tischlerei in der Marienstraße 66a im Essener Stadtteil Kray - von der Partei selbst als "Nationale Zone" bezeichnet. Im Dezember 2024 fand dort der Gründungskongress der Jungen Nationalisten (JN) in ihrer neu aufgestellten Form statt. Monatliche "Heimatabende" in Essen-Kray und Dortmund-Dorstfeld sollen laut NRW-Verfassungsschutzbericht 2023 junge Menschen, die bisher in freien Kameradschaften organisiert waren, an die Parteistruktur binden.
Internationale Vernetzung
In seiner Funktion als Beauftragter für internationale Beziehungen pflegt Cremer Kontakte zu anderen europäischen Rechtsaußen-Organisationen. Er nahm im Juli 2023 am APF-Europe-Kongress in Belgrad teil, dem Zusammenschluss rechtsextremer Parteien auf europäischer Ebene, dem die Heimat angehört. Am 11. April 2026 sprach Cremer auf einem Gedenkmarsch der neofaschistischen ungarischen Organisation Légió Hungária in Győr (Raab), der alliierter Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg gedenkt. Er legte dabei im Namen der Heimat einen Gedenkkranz nieder und beschwor die deutsch-ungarische "Waffenbrüderschaft" als Grundlage heutiger politischer Zusammenarbeit.
Links
- Wikipedia: Claus Cremer
- Belltower.News: Lexikon Cremer, Claus
- Die Heimat: Claus Cremer (offizielles Profil)
- taz, 18. Februar 2005: Bewährungsstrafe für Volksverhetzer
- taz, 2004: Ideologisch gefestigter Funktionär angeklagt
- NRW-Verfassungsschutzbericht 2023: Die Heimat (PDF)
- Die Heimat: Gedenkmarsch Győr, 11. April 2026
Faktenfackel Bewertung
Claus Cremer ist kein Informant für Tatsachenbehauptungen, sondern Protagonist einer vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei mit persönlicher Verurteilung wegen antisemitischer Volksverhetzung. Seine Aussagen und die seiner Partei sind als Propaganda einzuordnen.
Als NRW-Landesvorsitzender der Heimat ist Cremer eine wichtige Figur, wenn es um die Frage geht, wie rechtsextreme Strukturen im Ruhrgebiet organisiert und personell vernetzt sind. Er fungiert als Bindeglied zwischen formalem Parteiapparat, informeller Kameradschaftsszene und dem internationalen Rechtsaußen-Netzwerk. Behauptungen, die er oder seine Partei über politische Gegner, Migration, Geschichte oder Minderheiten aufstellen, sind grundsätzlich als ideologisch motiviert und nicht als belastbare Quelle zu behandeln.
Fazit
Cremer ist eine der prägenden Figuren des organisierten Rechtsextremismus in NRW. Seine Karriere verbindet Neonazi-Kameradschaften, Parteiarbeit und internationale Vernetzung - bei gleichzeitig rechtskräftiger Verurteilung wegen antisemitischer Volksverhetzung.