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Stand: 07.06.2026

Putzvideo aus Gelsenkirchen-Ückendorf: 'Wir haben für Ordnung gesorgt'

Irreführend

Link Beschreibung

Am 12. April 2026 stellte die AfD-Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias dieses Video auf Instagram. Sie zieht darin mit rund zehn weiteren AfD-Politikern, darunter der stellvertretende Bürgermeister Norbert Emmerich, mit Besen und Kehrblech durch den Gelsenkirchener Stadtteil Ückendorf und fordert Anwohnerinnen und Anwohner mit Migrationshintergrund, vor allem Sinti und Roma, zum Straßenfegen auf. Im Begleittext schreibt sie unter anderem, man habe "für Ordnung gesorgt", die "Roma-Dörfer" müssten "weg, und zwar schnell", die Bewohner seien "Blutsauger unseres Sozialstaates", und: "Bis dahin aber müssen die Roma ihren Dreck selber wegmachen. Dafür habe ich persönlich gesorgt."

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die Darstellung, hier sei "für Ordnung" gesorgt worden, verdreht den tatsächlichen Ablauf. Der WDR sprach mit mehreren Betroffenen und Augenzeugen. Ein Mädchen, das selbst im Video zu sehen ist, sagte: "Ich wollte das nicht machen. Aber die haben gesagt: 'Du musst putzen.'" Adrian Ion, der für die Sinti und Roma in Ückendorf spricht, widersprach klar: "Sie sind zu uns gekommen und haben uns gezwungen, sauber zu machen." Anwohner berichteten, die Betroffenen seien eingeschüchtert gewesen und hätten "aus Angst zum Besen gegriffen". Seli-Zacharias' eigener Begleittext bestätigt das: Wer schreibt, sie habe "persönlich" dafür gesorgt, dass die Roma "ihren Dreck selber wegmachen", beschreibt erzwungenes Handeln, keine wiederhergestellte Ordnung.

Die realen Probleme in Ückendorf, Beschwerden über Lärm, Müll und Kriminalität, bestreitet niemand. Anders als im Video behauptet, ist die Stadt dort längst aktiv: Sie hat eine Anlaufstelle von Polizei, Ordnungsamt und Sozialarbeit eingerichtet, die Seli-Zacharias pauschal als "Schwachsinn" und "Steuergeldverschwendung" abtut. Der katholische Pfarrer Markus Pottbäcker nennt das Vorgehen eine "neue Dimension" und "gefährlich"; der Rassismusforscher Karim Fereidooni (Ruhr-Universität Bochum) verweist auf die historische Praxis erzwungener öffentlicher Demütigung. Die dehumanisierende Sprache des Posts ("Blutsauger", "Roma-Dörfer … weg") macht deutlich, dass es nicht um Sauberkeit geht, sondern um die Markierung einer ganzen Gruppe als unerwünscht.

Fazit

Es wurde keine Ordnung hergestellt, sondern eine erzwungene Demütigung inszeniert und gefilmt. Mehrere Betroffene schildern Druck und Angst, Seli-Zacharias selbst schreibt, sie habe "persönlich" dafür gesorgt. Die Aussage, man habe "für Ordnung gesorgt", verkauft eine antiziganistische Vorführung als Ordnungspolitik und ist deshalb irreführend.

Verwendungen

Lagerfeuer