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Hans-Thomas Tillschneider

AfD-Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt, Islamwissenschaftler, vom Verfassungsschutz als Flügel-Kader beobachtet, Kontakte zur Identitären Bewegung.

Bildquelle: ©Hans-Thomas Tillschneider
Bildquelle: ©Hans-Thomas Tillschneider

Hans-Thomas Tillschneider (geboren am 5. Februar 1978 in Rumänien) ist ein deutscher Islamwissenschaftler, Publizist und AfD-Politiker. Seit März 2016 ist er Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt und kulturpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion. Innerhalb des AfD-Landesverbands bekleidet er zudem die Position des stellvertretenden Vorsitzenden. Laut Wikipedia und Belltower News gilt er als einer der bundesweit einflussreichsten Vertreter des rechtsextremen Lagers innerhalb der AfD.

Biografie und akademische Laufbahn

Tillschneider studierte von 1998 bis 2004 Islamwissenschaft, Arabistik, Philosophie und Neuere deutsche Literaturgeschichte in Freiburg, Leipzig und Damaskus. Nach dem Magisterabschluss promovierte er ab 2005 an der Universität Jena im Fach Islamwissenschaft und schloss seine Dissertation 2009 ab. Anschließend war er Post-Doc am Institut de recherche et d'histoire des textes (IRHT) des Centre national de la recherche scientifique (CNRS) in Paris. Bis in die frühen 2020er-Jahre führte Tillschneider parallel zum Landtagsmandat eine Privatdozentur an der Universität Bayreuth, was laut Insüdthüringen an der Universität intern wiederholt für Diskussionen sorgte.

Politische Einordnung

Tillschneider trat 2013 in die AfD ein und gehörte früh zum organisierten rechten Rand der Partei. Er war Sprecher der 2015 gegründeten und 2017 formal aufgelösten "Patriotischen Plattform", die als Vorläufer der späteren Sammlungsbewegung "Der Flügel" um Björn Höcke gilt. Laut Tagesspiegel zählte ihn das Bundesamt für Verfassungsschutz bereits Anfang 2020 gemeinsam mit Björn Höcke und Andreas Kalbitz zu den "führenden Köpfen" des als gesichert rechtsextrem eingestuften Flügels und beobachtet ihn seitdem nachrichtendienstlich.

Besondere Aufmerksamkeit erregte seine enge Nähe zur Identitären Bewegung (IB). Entgegen des formalen AfD-Unvereinbarkeitsbeschlusses eröffnete Tillschneider im September 2017 sein Landtags-Wahlkreisbüro in der Adam-Kuckhoff-Straße 16 in Halle, dem späteren Haus der Identitären Bewegung. Er rechtfertigte dies mit einem Untermietverhältnis zur Initiative "Ein Prozent" und erklärte, man brauche gerade in Hochschulnähe "Begegnungsorte einer Gegenkultur zum linksversifften Mainstream". Laut MDR und der Berichterstattung von Dubisthalle blieb das Büro bis in den Herbst 2018 in der Adam-Kuckhoff-Straße, bevor Tillschneider es nach anhaltender öffentlicher Kritik verlegte. Die Identitären selbst räumten das Haus Ende 2019.

Im AfD-Regierungsprogramm Sachsen-Anhalt für die Landtagswahl 2026 ist Tillschneider Hauptautor des außenpolitischen Kapitels. Inhaltlich vertritt er darin eine dezidiert russlandfreundliche Linie, die Abkehr von der westlichen Ukraine-Politik und eine "Rückbesinnung" auf ein bilaterales Verhältnis zu Moskau fordert.

Kontroversen

Verfassungsschutz-Beobachtung

Seit Februar 2020 wird Tillschneider vom Bundesamt für Verfassungsschutz als Einzelperson nachrichtendienstlich beobachtet. Die Einstufung wirkte sich zunächst nicht auf seine innerparteiliche Position aus: Ende September 2020 bestätigte ihn die AfD Sachsen-Anhalt mit 84 Prozent in seinem Amt. Auch der Landesverband Sachsen-Anhalt steht mittlerweile als Gesamtorganisation unter Beobachtung, wie die taz dokumentiert.

Putin-Silbermedaille in der russischen Botschaft (Oktober 2025)

Am 7. Oktober 2025 nahm Tillschneider gemeinsam mit den AfD-Landtagskollegen Florian Schröder und Frank Otto Lizureck an einer Veranstaltung in der russischen Botschaft in Berlin teil. Anlass war der 73. Geburtstag Wladimir Putins, bei dem das rechtsextreme Compact-Magazin eine eigens geprägte Silbermedaille "Patriot Wladimir Putin" an Botschafter Sergej Netschajew zur Weiterleitung an den Kreml übergab. Die Teilnahme der drei AfD-Abgeordneten löste laut Tagesspiegel und Volksstimme scharfe Kritik aller anderen Fraktionen aus. SPD-Fraktionschefin Katja Pähle kommentierte, Tillschneider sitze im Plenum ohnehin "mit einer Kaffeetasse, auf der ein Bild Wladimir Putins zu sehen ist".

Aussagen zu Islam und Migration

Als Islamwissenschaftler verknüpft Tillschneider seine akademische Expertise regelmäßig mit politischen Forderungen. Er plädiert für ein pauschales Verbot von Moscheebauten mit Minarett, ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst sowie für eine "Rückführungspolitik" gegenüber Muslimen in Deutschland. Der Verfassungsschutz bewertet diese Positionen laut Belltower News als Ausdruck eines ethnisch-kulturell verengten Volksbegriffs, der mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unvereinbar sei.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Hans-Thomas Tillschneider ist keine neutrale Informationsquelle, sondern ein politischer Akteur am äußersten rechten Rand der AfD. Seine Einstufung als Flügel-Kader durch den Verfassungsschutz, die nachgewiesene jahrelange räumliche wie programmatische Nähe zur Identitären Bewegung sowie die demonstrative Teilnahme an Propagandaveranstaltungen in der russischen Botschaft machen ihn zu einem klassischen Vertreter der völkisch-nationalistischen Strömung innerhalb der Partei. Aussagen Tillschneiders, insbesondere zu Islam, Migration und russischer Außenpolitik, sind nicht als wissenschaftliche Einschätzungen, sondern als politische Agitation im Sinne dieser Strömung zu lesen, auch wenn er sie regelmäßig mit Verweis auf seine akademische Qualifikation legitimiert.

Fazit

Für die Faktenfackel ist Tillschneider eine relevante Primärquelle, wenn es um dokumentierte Aussagen, Anträge, Parlamentsreden oder Programmbeiträge geht. Als Referenz für Faktenaussagen zu Islam, Migration, Russland oder zur AfD-internen Lage ist er dagegen nicht belastbar: seine Darstellungen folgen erkennbar einer ideologischen Linie und weichen in zentralen Punkten nachweislich von dokumentierten Tatsachen ab. Zitate und Positionen Tillschneiders sollten in Faktenchecks grundsätzlich als politische Äußerung gekennzeichnet und mit unabhängigen Primärquellen gegengeprüft werden.