Michael Kretschmer
CDU-Politiker, Ministerpräsident des Freistaats Sachsen seit Dezember 2017, stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender. Bekannt für seine Haltung zu Russland-Sanktionen und eine kritische Position zur AfD-Brandmauer.

Über die Quelle
Michael Kretschmer, geboren am 7. Mai 1975 in Görlitz, saß von 2002 bis 2017 als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Görlitz im Deutschen Bundestag und war von 2005 bis 2017 Generalsekretär der sächsischen CDU. Seit dem 13. Dezember 2017 ist er Ministerpräsident des Freistaats Sachsen, im Amt bestätigt nach den Landtagswahlen 2019 und 2024. Seit 2022 gehört er als einer von vier stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU-Bundesspitze an. Nach der Landtagswahl 2024 bildete seine CDU mit der SPD eine Minderheitsregierung, die im Landtag nur über 51 der für eine Mehrheit nötigen 61 Sitze verfügt (ZDF: Minderheitsregierung in Sachsen - CDU und SPD einig).
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Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Als amtierender Ministerpräsident und stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender ist Kretschmer eine relevante Primärquelle für Aussagen zur sächsischen Landespolitik und zu CDU-Positionen auf Bundesebene. In mehreren für Faktenfackel relevanten Themenfeldern vertritt er Positionen, die von der Linie der Bundes-CDU abweichen und wiederholt parteiintern für Kritik sorgten.
Russland und Ukraine: Kretschmer spricht sich seit Jahren für eine Wiederaufnahme russischer Energieimporte nach einem Kriegsende aus und lehnt die Formel "nie wieder Russland" ab. In einem im November 2025 veröffentlichten Interview mit Zeitungen der Funke-Mediengruppe argumentierte er, Sanktionen müssten "auch aus unserem eigenen wirtschaftlichen Interesse" betrachtet werden, wirtschaftliche Beziehungen würden "auch unsere Sicherheit" erhöhen (web.de: Ministerpräsident Kretschmer: Die Parole "nie wieder Russland" ist falsch). Diese Position bringt ihn wiederholt in Konflikt mit der Bundes-CDU um Kanzler Friedrich Merz.
Umgang mit der AfD: Eine Koalition oder Zusammenarbeit mit der AfD schließt Kretschmer kategorisch aus: "Es wird und kann mit der AfD als gesichert rechtsextremer Partei keine Koalition oder Zusammenarbeit geben", sagte er im Juli 2026 (ad-hoc-news: Kretschmer stellt Haltung zur AfD klar, 31. Juli 2026). Zugleich hält er das Konzept der "Brandmauer" für ungeeignet, weil es angesichts der parlamentarischen Realität im sächsischen Landtag, wo AfD-Abgeordnete Ausschussvorsitze innehaben, auf Dauer nicht durchzuhalten sei: "Wer noch über Brandmauern redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt", sagte er im Juli 2026 im Handelsblatt (ZDFheute: Kretschmer zu Brandmauer: Müssen mit jedem reden, der reden will). Seine Minderheitsregierung hat dafür einen "Konsultationsmechanismus" eingerichtet, der alle Landtagsfraktionen einbindet - nur die AfD beteiligt sich nicht daran.
Migration: Kretschmer betont wiederholt "objektive Probleme" bei der Integration und hat sich für eine zahlenmäßige Obergrenze bei der Aufnahme von Geflüchteten ausgesprochen.
Faktencheck-Historie: Kretschmer war selbst wiederholt Ziel von Desinformation, etwa einer gefälschten "Spiegel"-Meldung über angebliche Gewaltaufrufe gegen "Coronaleugner" (CORRECTIV: Angeblicher Artikel über Michael Kretschmer und Gewalt gegen "Coronaleugner" ist frei erfunden). Am 11. August 2026 widerlegte CORRECTIV zudem den Vorwurf, ein dpa-Pressefoto von ihm, Mario Voigt und Sven Schulze vom Geiseltalsee sei KI-generiert (CORRECTIV: Foto von Voigt, Kretschmer und Schulze ist nicht manipuliert).
Fazit
Kretschmer ist als Ministerpräsident und stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender eine belastbare Primärquelle für Aussagen zur sächsischen Landespolitik, vertritt aber gerade bei Russland/Ukraine und im Umgang mit der AfD Positionen, die von der Bundes-CDU-Linie abweichen und im Einzelfall eingeordnet werden sollten.