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Miguel Klauß

AfD-Landtagsabgeordneter (Baden-Württemberg), Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion, reichweitenstarker TikTok-Kanal

Bildquelle: ©Miguel Klauß
Bildquelle: ©Miguel Klauß

Miguel Klauß (geboren 1986 in Nagold) ist AfD-Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Calw im Landtag von Baden-Württemberg. Er zog erstmals am 13. April 2021 ins Parlament ein und wurde bei der Landtagswahl 2026 über die AfD-Landesliste (Platz 6) sowie mit 25,3 Prozent der Stimmen im Wahlkreis erneut bestätigt. Seit April 2026 ist er Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, zuvor war er verkehrs- und wohnungspolitischer Sprecher der Fraktion. Parteimitglied ist er seit 2013.

Über die Quelle

Klauß gilt als einer der reichweitenstärksten AfD-Politiker in den sozialen Medien und wird in der Presse als "Tiktok-Star" beschrieben, dessen Beiträge auf der Plattform sowohl Reichweite als auch Aufmerksamkeit erzielen Tiktok-Star im Fokus: Ermittlungen gegen AfD-Abgeordneten aus dem Südwesten. Seine Beiträge werden laut Presseberichten auch zur Dokumentation der rechtsextremen Ausrichtung der AfD durch den Verfassungsschutz herangezogen.

Gegen Klauß ermittelte die Staatsanwaltschaft Tübingen wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung im Netz und der Billigung von Straftaten im Zusammenhang mit drei Social-Media-Beiträgen aus den Jahren 2023 und 2024 Volksverhetzung? Prozess gegen AfD-Abgeordneten Klauß. Die Staatsanwaltschaft hatte im Juni 2025 zunächst einen Strafbefehl über 120 Tagessätze beantragt, den das Amtsgericht Nagold wegen abweichender Rechtsauffassung jedoch nicht erließ. Der Landtag hob daraufhin im Mai 2026 auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Immunität von Klauß auf, damit die Anklage zugelassen werden konnte. Die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Nagold war für den 28. April 2026 angesetzt Vorstrafe für AfD-Abgeordneten? Warum das Amtsgericht Nagold im Fall Miguel Klauß noch nicht entschieden hat. Klauß wies die Vorwürfe zurück und erklärte, Kritik an der Migrationspolitik müsse in einer Demokratie möglich sein, ohne dass der Tatbestand der Volksverhetzung missbraucht werde, um Oppositionsarbeit zu behindern. Zu einer möglichen Verurteilung sagte er, er werde eine Strafe akzeptieren, sehe aber keinen Anlass zum Rücktritt von seinem Fraktionsamt Neuer Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD muss sich vor Gericht verantworten. Ein Ergebnis der Hauptverhandlung war zum Zeitpunkt dieser Recherche nicht öffentlich bekannt.

Im Juni 2026 verbreitete Klauß über seinen TikTok-Kanal einen Clip, der ein Kind zeigt, das eine Regenbogenflagge in eine Mülltonne wirft. Das Video ist KI-generiert, erkennbar unter anderem an der falschen Proportion der Tonne und einem unphysikalischen Wechsel der Flagge zwischen den Händen. Allein auf dem Kanal von Klauß wurde der Clip rund 3.000-mal geteilt. Auf Anfrage von CORRECTIV, ob er das Video für echt halte und warum er das Wegwerfen eines Symbols für Gleichberechtigung und Toleranz als Zeichen "richtiger Erziehung" darstelle, reagierte er bis zur Veröffentlichung nicht. Details siehe CORRECTIV-Faktencheck vom 29. Juni 2026.

Faktenfackel Bewertung

Klauß nutzt seine hohe Reichweite auf TikTok gezielt für zugespitzte, migrations- und identitätspolitische Inhalte. Die Verbreitung des KI-generierten Regenbogenflaggen-Videos zeigt ein wiederkehrendes Muster: Inhalte werden ungeprüft oder bewusst ohne Einordnung an ein großes Publikum weitergegeben, wenn sie zur eigenen politischen Erzählung passen, unabhängig davon, ob sie echt sind. Dass er auf journalistische Nachfragen dazu nicht reagierte, spricht gegen eine nachträgliche Korrektur oder Distanzierung. Auch bei Sachthemen fällt Klauß mit falschen Zahlen auf: Im Streit um das deutsch-türkische Sozialabkommen behauptete er einen "dreistelligen Millionenbetrag" an Kosten für die Mitversicherung türkischer Familienangehöriger, tatsächlich liegt die Belastung laut CORRECTIV-Faktencheck bei rund 13,4 Millionen Euro im Jahr und damit im Promillebereich der GKV-Gesamtausgaben.

Die strafrechtlichen Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung und der Billigung von Straftaten betreffen mehrere Social-Media-Beiträge aus den Jahren 2023 und 2024. Da zum Zeitpunkt dieser Recherche kein rechtskräftiges Urteil bekannt ist, gilt für Klauß die Unschuldsvermutung, die Vorwürfe sind als Ermittlungsverfahren und nicht als erwiesene Tatsachen zu behandeln. Als Quelle ist er entsprechend mit Vorsicht zu behandeln: Aussagen und geteilte Inhalte sollten grundsätzlich auf Belastbarkeit geprüft werden, bevor sie unkommentiert übernommen werden.

Fazit

Miguel Klauß ist als reichweitenstarker AfD-Politiker auf TikTok ein relevanter Verbreitungskanal für migrations- und identitätspolitische Falschinhalte, wie der Fall des KI-generierten Regenbogenflaggen-Videos zeigt. Gegen ihn laufen zudem strafrechtliche Ermittlungen wegen mutmaßlicher Volksverhetzung, deren Ausgang zum Zeitpunkt dieser Recherche offen ist.