Link Beschreibung
Jährliches Bundeslagebild des Bundeskriminalamts (Stand Juli 2026) zu Sexualdelikten an Kindern und Jugendlichen. Für die Debatte um die Chatkontrolle sind zwei Datensätze zentral: die Bearbeitung der Hinweise des US-amerikanischen NCMEC und die Altersstruktur der Tatverdächtigen bei kinder- und jugendpornografischen Inhalten.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Das Lagebild dokumentiert für 2025 einen erneuten Anstieg der über das NCMEC beim BKA eingehenden Hinweise auf 220.141 Meldungen. Nur etwas weniger als die Hälfte davon (106.652 Hinweise) war nach deutschem Recht strafrechtlich relevant; die übrigen 113.489 (52 Prozent) stufte das BKA als strafrechtlich nicht relevant ein (Diagramm 16). Bemerkenswert ist die Stagnation der relevanten Fälle: Sie liegen mit 106.652 praktisch auf Vorjahresniveau (2024: 106.353), während die nicht relevanten Hinweise von rund 99.375 auf 113.489 stiegen (+14 Prozent). Der gesamte Zuwachs des Meldungsaufkommens entfällt also auf den Bereich ohne strafrechtliche Relevanz.
Aufschlussreich ist zudem die Altersstruktur der Tatverdächtigen. Bei der Herstellung, Verbreitung, dem Erwerb und Besitz kinderpornografischer Inhalte (§ 184b StGB) waren von 34.819 Tatverdächtigen über 40 Prozent minderjährig (7.481 Kinder bis 13 Jahre, 7.680 Jugendliche von 14 bis 17 Jahren), mit einem Schwerpunkt in der Altersspanne 10 bis unter 14 Jahre. Bei jugendpornografischen Inhalten (§ 184c StGB) waren von 9.967 Tatverdächtigen 53 Prozent minderjährig (667 Kinder, 4.617 Jugendliche). Das BKA ordnet diese Fälle ausdrücklich dem Phänomen der "Selbstfilmenden" zu und weist darauf hin, dass Minderjährige entsprechende Inhalte "häufig unbedacht" innerhalb ihrer Altersgruppe weiterleiten.
Als Primärquelle staatlicher Statistik enthält das Lagebild neben den Rohdaten auch kontextualisierende Einschätzungen des BKA. Die Zahlen belegen die hohe Fehlalarmquote des freiwilligen Provider-Scannings und die Betroffenheit Minderjähriger, sie treffen aber selbst keine Aussage darüber, ob die Chatkontrolle ausgeweitet werden sollte.
Fazit
Verlässliche Primärquelle für die Trefferquote der freiwilligen Chatkontrolle (52 Prozent der NCMEC-Hinweise 2025 strafrechtlich nicht relevant) und für die Altersstruktur der Tatverdächtigen (über 40 Prozent bzw. 53 Prozent minderjährig). Die Daten sind direkt im Lagebild belegt.
