Link Beschreibung
Bundesbank-Bericht zur fünften Welle der Panel on Household Finances (PHF), Erhebungszeitraum Mai 2023 bis Februar 2024, rund 4.000 Haushalte. Das Median-Nettovermögen lag bei 103.200 €. Der Gini-Koeffizient für Nettovermögen betrug 0,724. 17 % der Haushalte sparen nicht regelmäßig.
Die Top 10 % der Haushalte halten 54 % des Nettovermögens (unkorrigiert). Nach Korrektur für die Untererfassung sehr großer Vermögen über Distributional Wealth Accounts (DWA) steigt der Anteil der Top 10 % auf rund 61 %. Die PHF-Daten sind die wichtigste nationale Grundlage für Verteilungsanalysen auf Haushaltsebene.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der am 10. April 2025 veröffentlichte Monatsbericht der Deutschen Bundesbank dokumentiert die Ergebnisse der fünften Welle des Panel on Household Finances (PHF). Die Erhebung fand zwischen Mai 2023 und Februar 2024 statt und umfasst 3.985 Haushalte mit 6.621 Personen. Der Bericht ist Teil der europaweiten Erhebung "Household Finance and Consumption Survey" (HFCS), die in allen Euro-Ländern nach einheitlicher Methodik durchgeführt wird.
Die Kernbefunde sind durch die Pressemitteilung der Bundesbank bestätigt: Das durchschnittliche Nettovermögen stieg nominal auf 324.800 €, real ging es aufgrund der Inflation jedoch auf 239.200 € zurück. Der Median von 103.200 € (real 76.000 €) zeigt die typische Vermögensposition deutscher Haushalte. Der Gini-Koeffizient von 0,724 ist im Vergleich zu 0,728 in der Welle 2021 praktisch unverändert.
Besonders aufschlussreich ist die Gegenüberstellung der PHF-Werte mit den Distributional Wealth Accounts (DWA) der Bundesbank: Während die reine Umfrage einen Top-10-%-Anteil von 54 % ausweist, liegt dieser Anteil nach DWA-Korrektur im Durchschnitt seit 2011 über 60 %. Die DWA kombinieren die PHF-Umfragedaten mit der Vermögensreichenliste des Manager Magazins und den gesamtwirtschaftlichen Vermögensbilanzen, um sehr große Vermögen besser abzubilden, die Umfragen systematisch unterschätzen.
Die Größenordnung passt zu den Ergebnissen des DIW Berlin, das über die Zusatzstichprobe SOEP-P sogar einen Top-10-%-Anteil von rund zwei Dritteln und einen Top-1-%-Anteil von etwa 35 % ermittelt. Auch die Hans-Böckler-Stiftung kommt in einer Auswertung des Böckler-Impuls zu ähnlichen Befunden, wonach das reichste Prozent rund ein Drittel des Vermögens hält. Der Sachverständigenrat stützt sich in seinem Jahresgutachten 2025/26 auf PHF- und DWA-Daten für seine Analyse der Vermögensverteilung. Die Bundesbank-Zahlen sind damit eher die konservative Untergrenze der tatsächlichen Konzentration.
Methodisch ist die PHF die etablierte Primärquelle für Haushalts-Vermögensdaten in Deutschland. Die Stichprobe wird über eine komplexe Schichtung gezogen, die reichere Haushalte überrepräsentiert, um sie statistisch belastbar erfassen zu können. Dennoch bleibt die Erfassung sehr hoher Vermögen (ab ca. 3 Mio. €) schwierig, weshalb die DWA-Erweiterung methodisch bedeutsam ist.
Fazit
Die PHF-Studie 2023 ist eine methodisch sorgfältige Primärerhebung der Deutschen Bundesbank und die wichtigste nationale Grundlage für Vermögensverteilungsanalysen auf Haushaltsebene. Die im Body genannten Kernwerte (Median 103.200 €, Gini 0,724, Top 10 % 54 % unkorrigiert bzw. rund 61 % nach DWA-Korrektur) sind durch den Monatsbericht und die Pressemitteilung der Bundesbank direkt belegt und konsistent mit den Befunden von DIW und Hans-Böckler-Stiftung.
