Zur Quelle "KEK, Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich" springen
Stand: 07.04.2026

KEK: Achter Konzentrationsbericht 2025, Social Media, KI & Co.: Neue Gefährdungslagen für die Meinungsvielfalt

Link Beschreibung

Der achte Konzentrationsbericht der KEK analysiert Konzentrationsentwicklungen und Maßnahmen zur Sicherung der Meinungsvielfalt im privaten Rundfunk in Deutschland. Unter dem Titel "Social Media, KI & Co., Neue Gefährdungslagen für die Meinungsvielfalt" weitet der Bericht seinen Blick über das lineare Fernsehen aus und beleuchtet erstmals systematisch neue Gefährdungslagen durch Social Media und Künstliche Intelligenz. Der KEK-Vorsitzende Prof. Dr. Georgios Gounalakis bezeichnete dies als notwendige Neufokussierung.

Das vollständige PDF ist zum Download verfügbar: 8. Konzentrationsbericht

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der Bericht wurde am 8. Juli 2025 vorgestellt und umfasst 311 Seiten. Er erfüllt den gesetzlichen Auftrag aus § 60 Absatz 6 MStV, geht aber strukturell über frühere Berichte hinaus: Erstmals haben sich Kommissionsmitglieder in Teams einzelnen Schwerpunktthemen gewidmet, um neue Vielfaltsgefährdungen jenseits des klassischen Rundfunks tiefergehend zu beleuchten.

Zu den Kernergebnissen im Bereich klassischer Medien gehört, dass sich gegenüber dem siebten Konzentrationsbericht keine gravierenden Veränderungen ergeben haben: RTL hält weiterhin 21,5 Prozent und ProSiebenSat.1 14,2 Prozent der Zuschaueranteile im bundesweiten Privatfernsehen (Jahresdurchschnitt 2024). Der öffentlich-rechtliche Rundfunk vereint über die Hälfte der Zuschaueranteile. Im Printbereich setzt sich der bekannte Abwärtstrend bei Auflagen und Werbeeinnahmen fort.

Der eigentliche Schwerpunkt liegt auf einem alarmierenden Strukturwandel: Das Internet hat das lineare Fernsehen als wichtigsten Nachrichtenzugang für die erwachsene Bevölkerung in Deutschland überholt und verfügt über das größte Meinungsbildungsgewicht. Besonders jüngere Altersgruppen wenden sich von klassischen Medienangeboten ab. Von diesem Wandel profitieren vor allem globale Plattformanbieter wie Google, Meta und TikTok, deren Einfluss auf die Meinungsbildung die KEK als hoch einschätzt.

Künstliche Intelligenz bezeichnet der Bericht als "Konzentrationsbeschleuniger": Große Plattformunternehmen verfügen über die riesigen Datensätze, die als Trainingsgrundlage für KI-Systeme benötigt werden, ein struktureller Vorteil, der ihre Marktmacht weiter verfestigen kann. Die KEK warnt, die Folgen für klassische Medienhäuser und den Journalismus könnten in naher Zukunft dramatisch sein.

Als Ausweg sieht die KEK dringenden Reformbedarf im deutschen Medienkonzentrationsrecht. Der European Media Freedom Act (EMFA), der eine gattungsunabhängige Bewertung von Medienzusammenschlüssen vorsieht, biete nach Ansicht der KEK den nötigen politischen Impuls, auch wenn Sanktionsmechanismen noch fehlen. Gounalakis formulierte dies als Hoffnungsschimmer: "Nach jahrelangem Stillstand muss durch das Umsetzungserfordernis des EMFA das bestehende Medienkonzentrationsrecht endlich angepasst werden."

Fazit

Der achte Konzentrationsbericht ist ein sachlich fundiertes und offizielles Referenzdokument zur Medienkonzentration in Deutschland, das den Strukturwandel der Medienlandschaft präzise dokumentiert. Seine zentrale These, dass die bisherige, auf einzelne Mediengattungen beschränkte Regulierung der digitalen Realität nicht mehr gerecht wird, ist durch die im Bericht präsentierten Nutzungsdaten gut belegt.

Verwendungen

Lagerfeuer