Link Beschreibung
Grundlegende ökonometrische Studie von Stefano DellaVigna und Ethan Kaplan, erschienen 2007 im Quarterly Journal of Economics (Band 122, Heft 3, S. 1187-1234). Die Forscher analysierten den stufenweisen Markteintritt von Fox News in US-Kabelnetze zwischen 1996 und 2000 als natürliches Experiment, um den kausalen Einfluss von Medienberichterstattung auf Wahlergebnisse zu messen. Das Studiendesign erlaubt echte Kausalschlüsse statt bloßer Korrelationen: Regionen, die Fox News früher erhielten, zeigten messbar veränderte Abstimmungsmuster zugunsten republikanischer Kandidaten.
Die Studie liefert einen der robustesten empirischen Belege dafür, dass Medienberichterstattung nicht nur abbildet, was Menschen denken, sondern aktiv beeinflusst, wie sie wählen.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Artikel ist hinter einer Paywall beim Oxford University Press-Verlag zugänglich. Das NBER Working Paper (frei verfügbar) enthält denselben Inhalt in der Vorveröffentlichungsversion.
Studiendesign: Zwischen Oktober 1996 und November 2000 trat Fox News schrittweise in die Kabelnetze von rund 20 Prozent der US-amerikanischen Städte ein. Entscheidend für das Forschungsdesign: Dieser Markteintritt war geografisch weitgehend zufällig verteilt, bedingt durch die dezentrale Struktur der US-Kabelwirtschaft und unterschiedliche Vertragsgeschwindigkeiten mit lokalen Kabelanbietern. Diese Zufälligkeit ermöglicht es, Fox News-Verfügbarkeit als Quasi-Experiment zu nutzen: Orte mit und ohne Fox News unterscheiden sich nicht systematisch nach politischer Voreinstellung, sondern nach einem externen, infrastrukturellen Faktor.
Datenbasis: Die Studie analysierte Wahldaten aus 9.256 US-Städten für die Präsidentschaftswahlen 1996 und 2000. Verglichen wird die Veränderung des republikanischen Stimmenanteils zwischen beiden Wahlen in Städten, die Fox News erhielten, gegenüber Städten, die es nicht erhielten.
Kernbefunde:
- Republikanische Kandidaten gewannen in Städten mit Fox News-Verfügbarkeit zwischen 0,4 und 0,7 Prozentpunkte Stimmanteil hinzu.
- Fox News zeigte auch signifikante Effekte auf die Senatswahlbeteiligung und die republikanischen Anteile bei Senatswahlen.
- Die Schätzungen legen nahe, dass Fox News zwischen 3 und 8 Prozent seiner Zuschauer davon überzeugte, republikanisch zu wählen (Persuasionseffekt).
- In Städten mit mehr Kabelkanälen war der Effekt kleiner, konsistent mit einer abschwächenden Wirkung von Medienvielfalt.
Theoretische Interpretation: Die Autoren diskutieren zwei mögliche Erklärungen: Einen temporären Lerneffekt rationaler Wähler (die durch Fox News Informationen über Kandidaten gewinnen) und einen dauerhaften Effekt durch nicht-rationale Überzeugung (Persuasion Bias). Das Design der Studie erlaubt keine abschließende Unterscheidung zwischen diesen Erklärungen.
Rezeption und Replizierbarkeit: Die Studie gilt als methodischer Grundstein der Medieneinflussforschung und wurde breit rezipiert. Martin und Yurukoglu (2017) dokumentierten in ihrer Studie "Bias in Cable News: Persuasion and Polarization" (American Economic Review, Bd. 107, Nr. 9), dass Fox News-Verfügbarkeit in den Originaldaten mit Messfehlern behaftet war, rund 40 Prozent der Kontrollgruppe hatte tatsächlich Zugang zu Fox News. Dennoch bestätigten sie einen statistisch signifikanten und quantitativ vergleichbaren Fox-News-Effekt. Clinton und Enamorado (2014) zeigten in "The National News Media's Effect on Congress: How Fox News Affected Elites in Congress" (Journal of Politics, Bd. 76, Nr. 4) zudem, dass der demokratische Score von US-Kongressmitgliedern in Distrikten mit Fox-News-Zugang signifikant sank, Fox News beeinflusste also nicht nur Wähler, sondern auch das Verhalten von Parlamentariern.
Fazit
Methodisch wegweisende Studie mit robustem natürlichem Experiment-Design. Die Kernbefunde, ein messbarer kausaler Effekt von Fox News auf das Wahlverhalten, wurden durch Folgestudien bestätigt. Als empirischer Beleg für das Überzeugungspotenzial parteiischer Medienberichterstattung zählt die Studie zu den meistzitierten Arbeiten der politischen Ökonomie.
