Link Beschreibung
DIW Wochenbericht 10/2018 von Karl Brenke und Jan Pfannkuche, veröffentlicht am 7. März 2018. Datenbasis ist die amtliche Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2013 der Statistisches Bundesamt mit Daten zu rund 43.000 Haushalten.
Die zentrale Tabelle 3 der Studie zeigt: Das unterste Einkommenszehntel hat eine durchschnittliche Sparquote von −23,8 %, gleichbedeutend mit monatlicher Neuverschuldung von 201 €; 59 % dieser Haushalte haben eine negative Ersparnis. Das neunte Zehntel spart im Mittel 23,6 % (1.069 €/Monat), das oberste Zehntel 37,5 % (2.687 €/Monat). Im Durchschnitt aller Haushalte liegt die Sparquote 2013 laut dieser EVS-Auswertung bei 17,5 %.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die Studie belegt empirisch die sinkende marginale Konsumneigung mit steigendem Einkommen: Haushalte im untersten Zehntel konsumieren mehr als ihr verfügbares Einkommen und verschulden sich, Hochverdienerhaushalte sparen hingegen gut ein Drittel. Der Abstand zwischen unterstem und oberstem Zehntel beträgt rund 61 Prozentpunkte bei der Sparquote.
Die Autoren weisen explizit auf eine methodische Einschränkung hin: Die EVS unterzeichnet sowohl hochvermögende als auch Selbständigen-Einkommen systematisch. Für die unteren und mittleren Einkommensgruppen gilt die Datenbasis als zuverlässig; bei Vermögensangaben ist systematische Vorsicht geboten. Zudem fällt die EVS-basierte Gesamtsparquote (17,5 %) deutlich höher aus als die volkswirtschaftlich üblichen Werte, da freiwillige Altersvorsorgebeiträge und Hypothekentilgungen als Ersparnis gezählt werden.
Das Ergebnis ist konsistent mit einer langen Forschungstradition zur Konsumtheorie: Haushalte mit geringem Einkommen geben ihr verfügbares Einkommen nahezu vollständig für Grundbedürfnisse aus (Wohnen, Nahrung, Energie), während einkommensstärkere Haushalte zunehmend in Freizeit, Reisen, Vermögensbildung und Altersvorsorge investieren können. Die aktuelle Sparquote der privaten Haushalte insgesamt lag laut Statistisches Bundesamt im ersten Halbjahr 2025 bei 10,3 % und bestätigt den grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Einkommen und Sparverhalten.
Für die politische Debatte um Verteilungswirkung von Steuern und Transfers ist der Befund zentral: Einkommenstransfers an die unteren Einkommenszehntel fließen nahezu eins zu eins in den Konsum und wirken damit konjunkturstützend (hohe Konsumneigung). Steuersenkungen für die oberen Zehntel erhöhen dagegen überwiegend die Ersparnis. Das Argument entkräftet vereinfachende Aussagen, nach denen breite Steuersenkungen oder eine Entlastung bei Kapitaleinkommen die Binnennachfrage entscheidend beleben könnten.
Fazit
Der DIW Wochenbericht liefert die genaueste öffentlich verfügbare Aufschlüsselung des deutschen Sparverhaltens nach Einkommenszehnteln auf Basis amtlicher EVS-Daten. Die Befunde sind methodisch solide, werden von DIW Berlin herausgegeben und gelten als wissenschaftliche Standardreferenz für die Debatte über Konsumneigung, Verteilungswirkung und Binnennachfrage.
