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Stand: 20.04.2026

Global Tax Evasion Report 2024

Link Beschreibung

Der Global Tax Evasion Report 2024 des EU Tax Observatory (Autor:innen: Alstadsæter, Godar, Nicolaides, Gabriel Zucman u.a.) quantifiziert das weltweite Ausmaß von Gewinnverlagerung und Steuervermeidung. Kernzahlen: Rund 1 Billion US-Dollar an Unternehmensgewinnen werden jährlich in Steueroasen verbucht (Stand 2022), was etwa 35 % aller ausländischen Unternehmensgewinne entspricht. EU-Länder gehören zu den größten Verlierern; das Körperschaftsteueraufkommen der EU wird durch Profit Shifting um rund 20 % gemindert.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der Bericht fasst Befunde zu Steuerflucht und Gewinnverlagerung auf Basis makroökonomischer Methoden zusammen. Methodisch nutzt das EU Tax Observatory vor allem Zahlungsbilanzen und bilaterale FDI-Statistiken (sogenannte Tørsløv-Wier-Zucman-Methode), während das Tax Justice Network im State of Tax Justice 2024 auf die OECD-Mikrodaten des Country-by-Country-Reporting (CbCR) setzt. Beide Ansätze kommen zu ähnlichen Größenordnungen, die länderspezifischen Schätzungen weichen aber ab: Das EU Tax Observatory beziffert den Gesamtverlust der EU an Körperschaftsteueraufkommen auf rund 20 %, das TJN schätzt den jährlichen deutschen Steuerverlust auf 43,9 Mrd. US-Dollar (davon 37,7 Mrd. Corporate Profit Shifting, 6,2 Mrd. Offshore Wealth Evasion).

Das Foundational Paper von Tørsløv, Wier und Zucman ("The Missing Profits of Nations", Review of Economic Studies 2023) schätzt, dass rund 40 % aller multinationalen Unternehmensgewinne in Steueroasen verschoben werden (Datenbasis 2015). Der Bericht dokumentiert zudem, dass die 2021 beschlossene globale Mindestbesteuerung (Pillar 2) durch zahlreiche Ausnahmen wie die Substance-based Income Exclusion und Safe-Harbour-Regelungen deutlich aufgeweicht wurde. Für Deutschland schätzt das ifo Institut die Mehreinnahmen durch Pillar 2 auf 1,5 bis 1,7 Mrd. Euro pro Jahr, also weniger als ein Zehntel der TJN-Schätzung zu den Gesamtverlusten.

Der Bericht ist eine Schlüsselreferenz für die Debatte über die Wirksamkeit von Pillar 2 und fortbestehende Schlupflöcher im internationalen Steuerrecht. Die zugrunde liegenden Daten und Methoden sind transparent dokumentiert und wissenschaftlich etabliert.

Fazit

Die quantitativen Befunde des Reports sind methodisch solide, peer-reviewed und mit unabhängigen Schätzungen des Tax Justice Network kompatibel. Der Bericht ist eine belastbare Primärquelle für das Ausmaß von Gewinnverlagerung und die Wirkung internationaler Steuerreformen.