Link Beschreibung
Wissenschaftlicher Beitrag von Joop Adema und Jean-Victor Alipour (ifo Institut, ifo Schnelldienst digital 3/2025, 18. Februar 2025) zum empirischen Zusammenhang zwischen Migration und Kriminalität in Deutschland, basierend auf Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nach Kreisen für den Zeitraum 2018–2023.
Kernbefund
Ausländer sind in der PKS überrepräsentiert, 57 Tatverdächtige je 1.000 ausländische Einwohner (2023) gegenüber 19 bei Deutschen. Die entscheidende Frage der Studie: Erklärt ein höherer Ausländeranteil tatsächlich höhere Kriminalitätsraten?
Querschnittsanalyse ohne Kontrollen: Scheinbar positiver Zusammenhang. Ist der Ausländeranteil 1 % höher, liegt die Kriminalitätsrate im Schnitt 0,41 % höher (Steigung 0,41, signifikant). Naiv betrachtet würde das die politische These stützen.
Querschnittsanalyse mit Kontrollvariablen (Altersschnitt, Männeranteil, Inländer-Tatverdächtigenrate, Arbeitslosenquote): Die Steigung sinkt auf -0,06 und ist statistisch nicht mehr von null verschieden. Der scheinbare Zusammenhang verschwindet vollständig, sobald strukturelle Faktoren berücksichtigt werden.
Längsschnitt mit fixen Effekten für Jahr und Kreis (2018-2023): Steigung -0,03, nicht signifikant. Veränderungen im lokalen Ausländeranteil stehen in keinem Zusammenhang mit Veränderungen der Kriminalitätsrate.
Deliktgruppenanalyse (17 Straftatbestände)
Mit fixen Effekten sind fast alle Schätzer nicht signifikant. 6 von 17 Straftatbeständen zeigen sogar einen signifikant negativen Zusammenhang - darunter:
- Diebstahl: -0,21 % pro 1 % Anstieg des Ausländeranteils
- Gewaltkriminalität: -0,13 %
Lediglich Sachbeschädigungen (+0,17 %) und Erschleichen von Leistungen zeigen positive, statistisch signifikante Effekte - bei geringer Effektgröße.
Erklärung der Überrepräsentation
Die Studie zeigt, dass die Überrepräsentation von Ausländern in der PKS überwiegend durch Wohnortskonzentration erklärt wird: Ausländer leben überproportional häufig in Ballungsräumen mit strukturell höherer Kriminalität - auch unter Deutschen. Knapp 90 % der regionalen Kriminalitätsunterschiede werden durch ortsspezifische Faktoren erklärt, demografische Faktoren spielen eine geringere Rolle.
Einordnung
Die Ergebnisse decken sich mit der internationalen Forschungslage. Marie & Pinotti (2024) sowie Bianchi et al. (2012) kommen für andere Länder zu denselben Schlüssen: (Flucht-)Migration hat keinen systematischen Einfluss auf die Kriminalität im Aufnahmeland.
Relevant als Gegenevidenz zu politischen Kausalbehauptungen wie der von Markus Söder (Kein Link gefunden! markus-soeder ) auf der CSU-Winterklausur 2025 ("Migration begrenzen und damit die innere Sicherheit verbessern") oder von Friedrich Merz (Kein Link gefunden! friedrich-merz ) , der behauptete, man hole sich mit Migration "Probleme ins Land". Die Studie zitiert diese Äußerungen explizit als Ausgangspunkt ihrer Untersuchung.
