Link Beschreibung
Die Studie "Zur Entwicklung der Gewalt in Deutschland: Jugendliche und Flüchtlinge als Täter und Opfer" von Christian Pfeiffer, Dirk Baier und Sören Kliem (2018, KFN/ZHAW) wurde als Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erstellt. Sie untersucht auf Basis niedersächsischer Daten, wie sich Gewaltkriminalität entwickelt und wie das Anzeigeverhalten der Bevölkerung die offizielle Statistik prägt.
Kernbefund (Anzeigeverhalten)
Anhand einer niedersachsenweit repräsentativen Schülerbefragung zeigt die Studie, dass ethnisch fremde Täter etwa doppelt so häufig angezeigt werden wie ethnisch gleiche Täter. Die Anzeigeraten je Konstellation:
- Deutsches Opfer und deutscher Täter: 13,0 %
- Deutsches Opfer und nichtdeutscher Täter: 27,2 %
- Opfer und Täter gleicher nichtdeutscher Herkunft: 10,2 %
Entscheidend für die Einordnung ist, dass dieser Effekt an der wahrgenommenen Fremdheit zwischen Opfer und Täter hängt, nicht am "Ausländer-Sein" an sich. Ein Täter aus der eigenen nichtdeutschen Gruppe wird mit 10,2 % sogar seltener angezeigt als ein deutscher Täter bei einem deutschen Opfer (13,0 %). Sobald aber eine empfundene Distanz zwischen Opfer und Täter besteht, steigt die Anzeigebereitschaft deutlich.
Daraus folgt: Von Geflüchteten oder Nichtdeutschen begangene Gewalttaten werden überproportional oft polizeilich registriert und damit im Hellfeld sichtbar. Das unterschiedliche Anzeigeverhalten verzerrt die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) systematisch zuungunsten von Geflüchteten und Nichtdeutschen, ohne dass dahinter zwangsläufig eine höhere tatsächliche Tatbelastung stehen muss.
Der Befund ist in der Journalfassung der Studie ausführlich dokumentiert: Volltext "Die Polizei" 2018 (PDF, Uni Tübingen).
