Link Beschreibung
Deutschland-Kapitel des jährlichen Digital News Report 2024 des Reuters Institute for the Study of Journalism (Oxford). Verfasst von Julia Behre, Judith Möller und Sascha Hölig vom Leibniz-Institut für Medienforschung / Hans-Bredow-Institut Hamburg. Stichprobe: n=2.030 Befragte in Deutschland.
Zentrale Befunde für Deutschland 2024: 43 Prozent der Befragten vertrauen Nachrichten insgesamt (Platz 15 von 47 Ländern). Regionale Tageszeitungen und öffentlich-rechtliche Sender erzielen die höchsten Vertrauenswerte; die Bild-Zeitung erzielt die niedrigsten Vertrauenswerte aller untersuchten Marken. Die Printauflage der Bild fiel Ende 2023 erstmals unter eine Million Exemplare, während BILDplus über 700.000 Digitalabonnenten verzeichnet. Nur 13 Prozent zahlen für Online-Nachrichten. Öffentliche Bekanntheit von KI bleibt begrenzt; 14 Prozent sind bereit, KI-generierten Nachrichten zu vertrauen. Deutschland belegt im RSF World Press Freedom Index 2024 Platz 10 von 180 (Score: 83,84).
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Digital News Report ist die umfangreichste regelmäßige Vergleichsstudie zur Mediennutzung und zum Nachrichtenvertrauen weltweit. Die Methodik basiert auf einer Online-Umfrage durch YouGov, die auf Bevölkerungsrepräsentativität bezüglich Alter, Geschlecht und Region gewichtet wird. Die Stichprobe von n=2.030 für Deutschland ist für eine nationale Umfrage solide. Die Daten werden transparent dokumentiert und sind international vergleichbar.
Das Deutschland-Kapitel wurde vom Leibniz-Institut für Medienforschung / Hans-Bredow-Institut Hamburg verfasst, das selbst zu den Förderern des Reuters Institute gehört. Dieser institutionelle Zusammenhang ist für die Einordnung relevant, schränkt aber den wissenschaftlichen Wert der Daten nicht grundsätzlich ein, da die Umfragedaten unabhängig durch YouGov erhoben werden.
Der Befund zum strukturell niedrigen Vertrauen in die Bild-Zeitung ist besonders gut belegt: Bild erzielt trotz der größten nationalen Reichweite die niedrigsten Vertrauenswerte aller im Bericht untersuchten deutschen Marken. Das ist ein Dauerbefund, der sich in mehreren aufeinanderfolgenden Ausgaben des Reports zeigt.
Zur Methodik ist anzumerken, dass Online-Umfragen Personen ohne Internetzugang systematisch ausschließen, bei einer Internetpenetration von 94 Prozent in Deutschland ist das aber ein kleines Segment. Die Ergebnisse sind daher als Abbild der nachrichtenaktiven, online-erreichbaren Bevölkerung zu verstehen.
Fazit
Der Digital News Report 2024 ist eine methodisch belastbare Primärquelle für Aussagen über Medienvertrauen und Nachrichtennutzung in Deutschland. Die Befunde zum niedrigen Vertrauen in Boulevardmedien und zur starken Position von öffentlich-rechtlichen und regionalen Angeboten sind gut dokumentiert und für die Arbeit von Faktenfackel zentral nutzbar.
