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Grimbart Studio: '250.000 Tote' bei der Bombardierung Dresdens

Wie eine NS-Propagandazahl über ein KI-Anime-Video der Neuen Rechten an junge Zielgruppen weitergereicht wird

Falsch
Inhalt

Was wird behauptet?

Ein KI-generiertes Anime-Video von Tannwald Media UG zum alliierten Luftangriff auf Dresden nennt eine Opferzahl von "250.000". Dokumentiert hat das eine Belltower.News-Recherche von Felix Michaelis (9. Juli 2026). Damit wird die Behauptung transportiert, bei den Angriffen am 13./14. Februar 1945 seien rund 250.000 Menschen gestorben.

Die Fakten

Die wissenschaftlich belegte Zahl liegt bei maximal rund 25.000

Die Opferzahl der Dresdner Angriffe ist historisch gründlich untersucht. Die Landeshauptstadt Dresden setzte dafür eine Historikerkommission ein, die zwischen 2004 und 2010 unter Leitung des Militärhistorikers Rolf-Dieter Müller arbeitete. Ihr Abschlussbericht wertete über 54.000 Einzelinformationen aus Friedhofs-, Standesamts- und Gerichtsunterlagen aus, dokumentierte rund 24.900 namentlich bekannte Tote und kommt zu dem Ergebnis, dass bei den Angriffen zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 maximal etwa 25.000 Menschen ums Leben kamen.

Die Zahl 250.000 überschreitet diesen wissenschaftlich belegten Höchstwert um das Zehnfache.

250.000 ist eine NS-Propagandazahl

Die überhöhte Zahl ist kein Rechenfehler, sondern hat eine klare Herkunft. Bereits die zuständigen Dresdner Lokalbehörden gingen 1945 von rund 25.000 Toten aus. Erst NS-Propagandastellen in Berlin überzeichneten diese Zahl anschließend um ein Vielfaches, um die alliierten Angriffe propagandistisch als beispiellosen "Bombenterror" auszuschlachten. Seither kursiert die Zahl 250.000 in geschichtsrevisionistischen Erzählungen und wird regelmäßig bei rechtsextremen Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag der Bombardierung wiederholt. Ihre Funktion ist bis heute dieselbe: die deutschen Kriegsopfer zu vervielfachen, um die NS-Verbrechen relativieren zu können.

Wer verbreitet die Zahl, und in welchem Rahmen

Das Video stammt von Tannwald Media UG, einem KI-gestützten Comic- und Animationsprojekt des früheren prominenten Identitären-Aktivisten Alexander Kleine. Über die Tannwald Media UG produziert Kleine Anime-Kurzvideos für TikTok und Instagram, Comics und Malbücher mit nationalistischen und geschichtsrevisionistischen Inhalten, gezielt für junge Zielgruppen. Die Die "Alternative für Deutschland" beauftragte Kleine zur letzten Bundestagswahl mit KI-Wahlkampfinhalten; AfD-Abgeordnete wie der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sebastian Münzenmaier bewarben die Inhalte, Comics des Studios wurden laut Belltower teils an Grundschulen verteilt. Wie diese KI-Propaganda aus dem AfD-Umfeld funktioniert, haben wir im Dossier Wut auf Knopfdruck eingeordnet.

Gibt es einen wahren Kern?

Nein. Anders als bei vielen irreführenden Behauptungen gibt es hier keinen tragfähigen Kern, der nur überzeichnet würde. Die Angriffe auf Dresden waren real und forderten Tausende Todesopfer, das steht außer Frage und wird von niemandem bestritten. Aber die konkrete Zahl 250.000 ist nicht eine strittige Schätzung unter mehreren, sondern eine gezielt gestreute Propagandazahl, deren wissenschaftliche Grundlage seit dem Abschlussbericht von 2010 abschließend widerlegt ist.

Fazit

Die Behauptung ist falsch. Bei den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 starben nach dem Abschlussbericht der Dresdner Historikerkommission maximal rund 25.000 Menschen, nicht 250.000. Die zehnfach überhöhte Zahl stammt aus der NS-Propaganda und dient bis heute der Relativierung deutscher Kriegsschuld. Dass sie über ein KI-Anime-Format an junge Menschen weitergereicht und aus dem AfD-Umfeld beworben wird, macht sie nicht richtiger, sondern zeigt, wie geschichtsrevisionistische Zahlen in neue, jugendaffine Kanäle übersetzt werden.