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Waldbrände 2026: Rekordtief, kein Trend, oder ist Brüssel schuld?

Drei Erzählungen, die den Klimabezug der europäischen Brandsaison bestreiten, im Faktencheck

Komplex
Inhalt

Während im Juli 2026 in Spanien und Frankreich Zehntausende Menschen vor Waldbränden evakuiert werden, erscheinen innerhalb von drei Tagen drei Texte, die dasselbe Ziel verfolgen: den Klimawandel als Ursache auszuschließen. Sie widersprechen sich dabei in der Begründung, ergänzen sich aber in der Wirkung.

Was wurde behauptet?

  1. Rekordtief. Europäisches Institut für Klima und Energie (EIKE) veröffentlichte am 27. Juli 2026 eine Übersetzung eines Textes von Anthony Watts, wonach 2026 alle bewohnten Kontinente unter ihrem jüngsten Durchschnitt der verbrannten Fläche lägen, mit Rekordtiefs in Afrika, Amerika und Europa vollständige Einordnung im Quellenlink.
  2. Kein Trend. tkp.at folgte am 28. Juli 2026 mit einem Beitrag von Peter F. Mayer, der aus der European-Fire-Datenbank ableitet, die Waldbrände im Mittelmeerraum nähmen seit 1980 nicht signifikant zu vollständige Einordnung im Quellenlink.
  3. Brüssel ist schuld. report24.news erklärte am 29. Juli 2026 in einem Beitrag von Heinz Steiner die von der EU vorgeschriebenen Totholzmengen zur eigentlichen Ursache, nicht den Klimawandel vollständige Einordnung im Quellenlink.

Die Fakten

Was 2026 tatsächlich gebrannt hat

Die Europäische Union betreibt mit dem European Forest Fire Information System (EFFIS) eine eigene Waldbrandüberwachung. Deren Zahlen sind öffentlich abrufbar und widersprechen der Rekordtief-Behauptung deutlich. Zum Abrufzeitpunkt am 3. August 2026 weist EFFIS für die EU rund 496.500 Hektar verbrannter Fläche im laufenden Jahr aus. Das Jahresmittel der Jahre 2006 bis 2025 liegt bei rund 388.800 Hektar. 2026 liegt also bereits rund 28 Prozent über dem Mittel eines vollständigen Jahres, obwohl die gefährlichsten Wochen der Saison zu diesem Zeitpunkt noch bevorstehen.

Das Bild ist dabei nicht einheitlich, und genau das gehört dazu: In Spanien brannte bis Anfang August das 2,3-Fache des Jahresmittels, in Frankreich das 6,3-Fache, in Italien lag die Fläche leicht darüber. In Portugal und Griechenland dagegen, zwei traditionell stark betroffenen Ländern, lag sie zu diesem Zeitpunkt deutlich unter dem Mittel. Wer eine einzelne dieser Zahlen herausgreift, kann fast jede Geschichte erzählen. Die Summe über die EU ergibt trotzdem kein Rekordtief, sondern ein überdurchschnittliches Jahr.

Zur Methode gehört eine Einschränkung, die EFFIS selbst nennt: Erfasst werden nur Brände ab etwa 30 Hektar, kleinere Feuer fehlen. Außerdem können darin auch absichtlich gelegte Feuer zur Vegetationspflege enthalten sein. Die Zahlen taugen daher für Vergleiche zwischen Jahren, nicht als exakte Gesamtbilanz.

Behauptung 1: Rekordtief bei der verbrannten Fläche

Für Europa ist die Behauptung durch die oben genannten EFFIS-Zahlen widerlegt. Für Amerika hält sie ebenfalls nicht: Allein in Kanada stieg die verbrannte Fläche binnen zehn Tagen sprunghaft an und lag am 17. Juli 2026 bei rund 2,78 Millionen Hektar, etwa 300.000 Hektar über dem Zehnjahresschnitt der Regierungsstatistik National Wildland Fire Summary (Wildfire Today).

Einen wahren Kern gibt es dennoch, und er ist wichtig. Der weltweite Rückgang der insgesamt verbrannten Fläche, auf den sich der Text beruft, ist real. Die 2017 in "Science" erschienene Arbeit von Niels Andela und Kollegen weist für die Jahre 1998 bis 2015 einen globalen Rückgang um 24,3 Prozent nach (Andela et al., Science 2017). Dieser Rückgang findet allerdings fast vollständig in den Savannen und Graslandschaften Afrikas, Südamerikas und der eurasischen Steppe statt, wo Ackerbau und Beweidung die Feuerregime verändert haben. In geschlossenen Wäldern nahm die Brandfläche im selben Zeitraum eher zu. Ein Rückgang bei Savannenbränden sagt nichts über Waldbrände in Südwesteuropa aus.

Behauptung 2: Seit 1980 kein Trend im Mittelmeerraum

Der Einwand stützt sich auf einen statistischen Befund, der für sich genommen diskutabel ist. Die Datenlage für die Zeit ab 1980 ist dünn, und der IPCC ordnet die bereits beobachtete Zunahme brandbegünstigender Wetterlagen im Mittelmeerraum deshalb nur mit geringer Sicherheit ein. Für die projizierte künftige Entwicklung stellt derselbe Bericht die Zunahme dagegen mit hoher Sicherheit fest (IPCC AR6 WG1, Kapitel 12).

Entscheidend ist, was aus dieser Unsicherheit gefolgert wird. Aus "in einer verrauschten Zeitreihe ist kein signifikanter Trend nachweisbar" folgt nicht "es gibt keinen Zusammenhang". Genau diese Lücke schließt die Attributionsforschung, die nicht nach Trends in der Vergangenheit sucht, sondern die Wahrscheinlichkeit eines konkreten Ereignisses mit und ohne menschengemachte Erwärmung vergleicht. Für die Brände, um die es hier geht, liegt eine solche Untersuchung vor.

Behauptung 3: Nicht das Klima, sondern die EU-Totholzpolitik

Am 30. Juli 2026, also einen Tag nach dem report24-Beitrag, veröffentlichte World Weather Attribution eine Analyse der Feuerwetterlage in Frankreich und Spanien. Ergebnis: Die extremen Bedingungen der gefährlichsten Sieben-Tage-Periode waren in Zentralspanien mindestens 20-mal wahrscheinlicher als in einem vorindustriellen Klima, in Südwestfrankreich mindestens doppelt so wahrscheinlich. Als Mechanismus beschreibt die Studie eine Abfolge, die durch den Klimawandel häufiger wird: ein nasser Winter, der den Pflanzenwuchs fördert, gefolgt von einem ungewöhnlich trockenen und heißen Frühjahr, das dieses Material zu feinem Brennstoff trocknet (World Weather Attribution).

Bemerkenswert daran ist, dass die Studie den Punkt, auf den report24 hinauswill, nicht bestreitet, sondern einordnet. Brennstoff spielt eine Rolle. Waldbau und Landnutzung spielen eine Rolle. Auch dass die allermeisten Brände von Menschen ausgelöst werden, ist unstrittig. Nur ist die Frage, wie leicht sich vorhandener Brennstoff entzündet und wie schnell ein Feuer außer Kontrolle gerät, eine Frage von Temperatur, Trockenheit und Wind. Genau dort greift die Erwärmung ein. Brennstoff und Zündquelle gegen das Klima auszuspielen, behandelt Faktoren als Alternativen, die tatsächlich zusammenwirken.

Einordnung

Die drei Texte widersprechen einander. Wenn 2026 ein Rekordtief bei der verbrannten Fläche wäre, bräuchte es keine Erklärung durch Totholzmengen. Wenn die EU-Totholzpolitik die Brände verursacht, dann gibt es sehr wohl einen Trend, nur mit anderer Ursache. Diese Widersprüche fallen nicht auf, weil die Texte nicht zusammen gelesen werden und weil sie nicht dasselbe behaupten müssen, um dasselbe zu bewirken. Es genügt, dass jeder für sich einen Zweifel setzt.

Auffällig ist außerdem das Muster bei den Belegen. Alle drei Texte greifen auf reale Daten und teils auf begutachtete Studien zurück. Der Fehler liegt nicht in den Zahlen, sondern im Schritt danach: Ein globaler Savannentrend wird auf europäische Wälder übertragen, eine statistische Nichtsignifikanz wird zur Abwesenheit eines Zusammenhangs umgedeutet, ein mitwirkender Faktor wird zum Alleinverantwortlichen erklärt. Wer die Belege einzeln prüft, findet sie bestätigt; wer die Schlussfolgerung prüft, findet sie unbelegt.

Fazit

Die Behauptung ist in Teilen richtig und in der Schlussfolgerung falsch. Zutreffend ist, dass die weltweit verbrannte Fläche langfristig zurückgegangen ist, dass die Datenlage für Mittelmeer-Trends seit 1980 dünn ist und dass Brennstoffmenge und menschliche Zündung eine erhebliche Rolle spielen. Nicht zutreffend ist die zentrale, unmittelbar prüfbare Aussage: Europa verzeichnete 2026 kein Rekordtief, sondern lag Anfang August bereits über dem Jahresmittel der vergangenen zwanzig Jahre, angetrieben von Spanien und Frankreich. Und der Schluss, der Klimawandel spiele keine Rolle, ist durch die Attributionsanalyse für genau diese Brände widerlegt: Die Wetterlage, die sie möglich machte, war in Zentralspanien mindestens 20-mal wahrscheinlicher als in einer Welt ohne menschengemachte Erwärmung.