Die Behauptung
Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, erschienen am 6. Oktober 2026 unter dem Titel "Wir müssen wieder gewinnen wollen", sagt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) über das Heizen: "Im Wärmebereich fördern wir Wärmepumpen mit zwölf Milliarden Euro im Jahr".
Das Interview ist derzeit nicht frei einsehbar. Der Wortlaut ist durch eine Bildschirmaufnahme der Passage belegt, die der Journalist Malte Kreutzfeldt am 7. Oktober 2026 auf Bluesky veröffentlicht hat. Der Satz davor ist auf dem Ausschnitt abgeschnitten. Unsere Einordnung des Interviews geht auf alle Belege im Einzelnen ein.
Was die zwölf Milliarden sind
Die Zahl steht im Bundeshaushalt, nur an anderer Stelle. Zwölf Milliarden Euro plant der Bund für die Förderung effizienter Gebäude insgesamt ein. Im Wirtschaftsplan des Klima- und Transformationsfonds gibt es dafür einen eigenen Titel, er heißt "Förderung von Maßnahmen der Energieeffizienz und erneuerbarer Energien im Gebäudebereich". Der Regierungsentwurf zum Haushalt 2026 (Drucksache 21/600, Seite 113 des Wirtschaftsplans) sieht dafür 12,06 Milliarden Euro vor. Der Entwurf für 2027 (Drucksache 21/7300, Seite 118 des Wirtschaftsplans) nennt als Soll für 2026 noch 11,96 Milliarden Euro.
Der Entwurf für 2026 schlüsselt auf, wofür das Geld gedacht ist. Die ersten drei Posten bilden die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG):
| Posten | Milliarden Euro |
|---|---|
| BEG Einzelmaßnahmen, darunter der Heizungstausch | 7,70 |
| BEG Wohngebäude | 2,04 |
| BEG Nichtwohngebäude | 1,85 |
| Ausfinanzierung des ausgelaufenen CO2-Gebäudesanierungsprogramms | 0,26 |
| Projektträgerkosten | 0,20 |
| Begleitprojekte, Evaluationen, Sonstiges | 0,02 |
| Zusammen | 12,06 |
Die Einzelwerte sind gerundet, ihre Summe weicht deshalb um 0,01 von der Gesamtzahl ab.
Wo die Wärmepumpe darin steckt
Die Förderung, die eigens für den Heizungstausch gedacht ist, liegt im ersten Posten. Er ist der größte, aber er ist nicht das Ganze. Und er enthält mehr als Heizungen: Nach einem Papier des Bundeswirtschaftsministeriums zur Reform der Gebäudeförderung umfassen die Einzelmaßnahmen "Heizung und Effizienzmaßnahmen", also auch Arbeiten an der Gebäudehülle. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle nennt als Fördergegenstand unter anderem die Dämmung der Gebäudehülle und den Einbau von Fenstern. Unter den geförderten Heizungen sind außerdem nicht nur Wärmepumpen. Nach Daten des Ministeriums, die das Fachportal TGA+E Fachplaner ausgewertet hat, gehören dazu auch Biomasseanlagen, Solarthermie und Anschlüsse an ein Wärmenetz.
Umgekehrt können auch außerhalb der Einzelmaßnahmen Heizungen gefördert werden. Die KfW fördert im Wohngebäude-Kredit nach eigenen Angaben "alle energetischen Maßnahmen", die ein Haus auf eine Effizienzhaus-Stufe bringen, und führt in ihrem Rechenbeispiel eine neue Heizung auf. Wie groß dieser Anteil ist, weist der Haushalt nicht aus.
Für die Rechnung ändert das wenig. Selbst der gesamte Posten Einzelmaßnahmen kommt auf 7,7 Milliarden Euro. Zwölf Milliarden werden es erst, wenn man alle übrigen Posten mitzählt.
Wie viel auf Wärmepumpen entfällt
Eine amtliche Zahl dafür gibt es nicht. Der Haushalt trennt nicht nach Heizungsart.
Bekannt ist, wie oft Wärmepumpen gefördert werden. Laut TGA+E Fachplaner entfielen 2025 85,8 Prozent der Heizungszusagen auf Wärmepumpen. In absoluten Zahlen nennt das Portal 288.223 Zusagen für Wärmepumpen bei 330.021 Zusagen insgesamt (ohne Zusatzanträge). Weil eine Zusage mehrere Wärmeerzeuger umfassen kann, lässt sich der Anteil nicht einfach aus diesen beiden Zahlen errechnen. Die Wärmepumpe ist also mit Abstand die häufigste geförderte Heizung. Das ist ein Anteil an der Zahl der Zusagen und sagt nichts darüber, wie sich das Geld verteilt.
Eine Schätzung in Euro hat der Bundesverband Wärmepumpe vorgelegt. In einer Hochrechnung vom November 2025 kommt der Verband für das Jahr 2025 auf rund 3,5 Milliarden Euro für Wärmepumpen, bei 16,3 Milliarden Euro, die er als Volumen der Gebäudeförderung zugrunde legt. Das ist die Prognose einer Interessenvertretung für ein früheres Jahr und keine amtliche Angabe. Die Haushaltsdokumente nennen für die Gebäudeförderung 2025 andere Größen: ein Soll von 15,32 Milliarden Euro und tatsächliche Ausgaben von 12,86 Milliarden Euro. Woher die Abweichung zur Zahl des Verbands kommt, ist nicht belegt.
Kreutzfeldt, der auf Reiches Satz aufmerksam gemacht hat, nennt für Wärmepumpen 5 bis 6 Milliarden Euro. Einen Beleg für diese Spanne zeigt sein Beitrag nicht. Beide Schätzungen liegen weit unter zwölf Milliarden.
Was für Reiche spricht
Die Größenordnung hat sie nicht erfunden. Der Bund plant für die Förderung effizienter Gebäude tatsächlich rund zwölf Milliarden Euro im Jahr ein, und in der Heizungsförderung ist die Wärmepumpe mit Abstand am häufigsten vertreten. Denkbar ist, dass Reiche "Wärmepumpen" als Kurzform für das ganze Programm benutzt hat. Wer den Satz so liest, trifft die Summe.
Gesagt hat sie aber, der Bund fördere Wärmepumpen mit diesem Betrag, und das ist ein bestimmtes Gerät. In der Sache ist das ein Unterschied. Wer wissen will, was die Förderung der Wärmepumpe den Haushalt kostet, bekommt mit zwölf Milliarden eine Zahl, in der auch Dämmung, Fenster und Effizienzhäuser stecken.
Eine Einschränkung gilt für die Haushaltszahlen selbst. Der Ansatz ist die geplante Ausgabe eines Jahres und nicht das Volumen neuer Zusagen. Weil eine Förderung nach dem Papier des Ministeriums erst ausgezahlt wird, wenn die Maßnahme umgesetzt ist, stecken in jedem Jahr auch Auszahlungen für Zusagen aus früheren Jahren.
Die Zahl kehrt wieder
Einen Tag nach dem Interview nennt Reiche die Summe erneut, diesmal in der Regierungsbefragung des Bundestags. Nach dem Bericht des Bundestags vom 7. Oktober 2026 sagte sie, die Förderung von Wärmepumpen werde von zwölf auf 13 Milliarden Euro angehoben. Das ist die Zusammenfassung des Bundestags und kein wörtliches Zitat.
Auch diese Zahlen passen zum ganzen Fördertitel und nicht zur Wärmepumpe. Der Entwurf für 2027 sieht für den ganzen Titel 12,56 Milliarden Euro vor, davon 8,24 Milliarden Euro für Einzelmaßnahmen.
Einen ähnlich gelagerten Fall haben wir im April 2026 geprüft. Auch dort stand eine Gesamtsumme für einen ihrer Teilposten: Strom für drei Milliarden Euro weggeworfen?
Fazit
Die Aussage ist irreführend. Zwölf Milliarden Euro stehen im Haushalt, sie beziffern aber die gesamte Förderung effizienter Gebäude mit Dämmung, Fenstern, Sanierungen und allen geförderten Heizungsarten. Der Posten, in dem die Heizungsförderung liegt, kommt auf 7,7 Milliarden Euro, und Wärmepumpen sind davon nur ein Teil. Wer Reiches Satz hört, schätzt die Förderung von Wärmepumpen gut anderthalbmal so hoch ein, wie selbst dieser ganze Posten ausfällt.
Möglich ist, dass sie die Wärmepumpe stellvertretend für das Programm genannt hat. Gesagt hat sie es so nicht, und sie hat die Summe einen Tag später im Bundestag laut dessen Bericht wieder den Wärmepumpen zugeordnet.