Zur Quelle "Katherina Reiche" springen
Stand: 08.10.2026

Reiches 12 Milliarden: Gebäudeförderung, nicht Wärmepumpen

Irreführend

Link Beschreibung

Im Interview der Süddeutschen Zeitung ("Wir müssen wieder gewinnen wollen", 6. Oktober 2026) sagt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche: "Im Wärmebereich fördern wir Wärmepumpen mit zwölf Milliarden Euro im Jahr". Das Gespräch führten Michael Bauchmüller und Claus Hulverscheidt.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Das vollständige Interview ist derzeit nicht frei einsehbar. Der Wortlaut ist durch eine Bildschirmaufnahme des Textes belegt, die der Journalist Malte Kreutzfeldt am 7. Oktober 2026 auf Bluesky veröffentlicht hat. Sie zeigt die Passage: "Im Wärmebereich fördern wir Wärmepumpen mit zwölf Milliarden Euro im Jahr, und auch die Elektromobilität, die wir fördern, nimmt Fahrt auf." Der Satz davor ist auf dem Ausschnitt abgeschnitten.

Die Zahl gibt es, sie gehört aber zu etwas anderem als zu Wärmepumpen. Zwölf Milliarden Euro ist der Ansatz für die gesamte Gebäudeförderung des Bundes. Im Wirtschaftsplan des Klima- und Transformationsfonds steht dafür der Titel 893 10, "Förderung von Maßnahmen der Energieeffizienz und erneuerbarer Energien im Gebäudebereich". Im Regierungsentwurf zum Haushalt 2026 (Drucksache 21/600, Seite 114 des Wirtschaftsplans) sind dafür 12,06 Milliarden Euro vorgesehen. Der Entwurf für 2027 (Drucksache 21/7300, Seite 119 des Wirtschaftsplans) nennt als Soll für 2026 noch 11,96 Milliarden Euro. Der Titel setzt sich im Entwurf für 2026 so zusammen:

  • Bundesförderung für effiziente Gebäude, Einzelmaßnahmen (BEG EM): 7,70 Milliarden Euro
  • BEG Wohngebäude (BEG WG): 2,04 Milliarden Euro
  • BEG Nichtwohngebäude (BEG NWG): 1,85 Milliarden Euro
  • Ausfinanzierung des ausgelaufenen CO2-Gebäudesanierungsprogramms: 0,26 Milliarden Euro
  • Projektträgerkosten: 0,20 Milliarden Euro
  • Begleitprojekte, Evaluationen, Sonstiges: 0,02 Milliarden Euro

Die eigens für den Heizungstausch gedachte Förderung liegt im ersten Posten, den Einzelmaßnahmen, und der ist nur ein Teil des Ganzen. Bei geförderten Komplettsanierungen zum Effizienzhaus (BEG WG und BEG NWG) können Heizungen mitfinanziert sein. Die KfW fördert im Wohngebäude-Kredit nach eigenen Angaben "alle energetischen Maßnahmen", die zu einer Effizienzhaus-Stufe führen, und führt in ihrem Rechenbeispiel eine neue Heizung auf. Wie groß dieser Anteil ist, weist der Haushalt nicht aus. Nach einem Papier des Bundeswirtschaftsministeriums zur Reform der Gebäudeförderung umfassen die Einzelmaßnahmen Heizung und weitere Effizienzmaßnahmen wie die Gebäudehülle. Die Wohn- und Nichtwohngebäude-Programme sind die systemische Förderung, die dort über die Kreditfinanzierung läuft. Selbst der gesamte Posten Einzelmaßnahmen kommt nur auf 7,7 Milliarden Euro. Zwölf Milliarden kämen erst zusammen, wenn man alle übrigen Posten mitzählt. Auch innerhalb der Einzelmaßnahmen geht nicht jeder Euro an Wärmepumpen: Zu den geförderten Heizungen zählen auch Biomasseanlagen, Solarthermie und Wärmenetzanschlüsse.

Wie viel Geld auf Wärmepumpen entfällt, weist der Haushalt nicht aus. Nach BMWE-Daten, die das Fachportal TGA+E Fachplaner ausgewertet hat, entfielen 2025 85,8 Prozent der Heizungszusagen auf Wärmepumpen. In absoluten Zahlen waren es 288.223 Zusagen für Wärmepumpen bei 330.021 Zusagen insgesamt (ohne Zusatzanträge), wobei eine Zusage mehrere Wärmeerzeuger umfassen kann. Das ist ein Anteil an der Zahl der Zusagen, nicht am Geld. Eine Schätzung in Euro hat der Bundesverband Wärmepumpe vorgelegt: In seiner Hochrechnung vom November 2025 fließen laut dem Verband rund 3,5 der 16,3 Milliarden Euro, die er als Fördervolumen der Gebäudeförderung 2025 zugrunde legt, in Wärmepumpen. Das ist eine Prognose der Branchenvertretung für das Jahr 2025 und keine amtliche Zahl, und sie bezieht sich nicht auf die laufende Förderung, die Reiches Satz meint. Die Haushaltsdokumente nennen für den Titel 893 10 andere Größen: ein Soll 2025 von 15,32 Milliarden Euro (Drucksache 21/600) und ein Ist 2025 von 12,86 Milliarden Euro (Drucksache 21/7300). Woher die Abweichung zur Verbandszahl kommt, ist nicht belegt. Kreutzfeldt nennt für Wärmepumpen 5 bis 6 Milliarden Euro, für diese Spanne zeigt sein Beitrag keinen Beleg. Beide Schätzungen für Wärmepumpen liegen weit unter zwölf Milliarden.

Zwei Einschränkungen gelten für die Haushaltszahlen. Der Ansatz ist die geplante Ausgabe eines Jahres, nicht das Volumen neuer Zusagen. Im Titel stecken auch Auszahlungen für frühere Zusagen, denn nach dem Papier des Ministeriums wird eine Förderung erst nach Umsetzung der Maßnahme ausgezahlt. Wie viel der Einzelmaßnahmen auf Zusagen aus früheren Jahren zurückgeht, weist der Haushalt nicht aus. Abgeflossen sind 2025 nach dem Entwurf für 2027 12,86 Milliarden Euro, ebenfalls für den gesamten Titel.

Ob Reiche "Wärmepumpen" als Kurzform für die ganze Gebäudeförderung meinte, geht aus dem Satz nicht hervor. Wer ihn so liest, trifft die Summe: Die Gebäudeförderung insgesamt liegt tatsächlich bei rund zwölf Milliarden Euro im Jahr. Gesagt hat sie aber, der Bund fördere "Wärmepumpen" mit diesem Betrag, und das ist ein bestimmtes Gerät. In der Sache macht das einen Unterschied, denn mit dem Geld werden auch Dämmung, Fenster, Effizienzhäuser und andere Heizungen gefördert. Wer wissen will, was die Wärmepumpenförderung kostet, braucht die Zahl für Wärmepumpen und nicht die für das Gesamtprogramm.

Einen Tag später nennt Reiche in der Regierungsbefragung des Bundestags wieder eine Summe. Nach dem Bericht des Bundestags sagte sie, die Förderung von Wärmepumpen werde von zwölf auf 13 Milliarden Euro angehoben. Das ist die Zusammenfassung des Bundestags und kein wörtliches Zitat. Auch hier passen die Zahlen eher zum Gesamttitel als zu Wärmepumpen allein: Der Entwurf für 2027 sieht für den ganzen Titel 12,56 Milliarden Euro vor, davon 8,24 Milliarden Euro für Einzelmaßnahmen.

Fazit

Die Aussage ist irreführend. Die Zahl gibt es: Zwölf Milliarden Euro stehen im Haushalt, sie beziffern aber die gesamte Bundesförderung für effiziente Gebäude mit Dämmung, Fenstern, Effizienzhäusern und allen geförderten Heizungsarten und nicht die Förderung von Wärmepumpen. Für die Einzelmaßnahmen einschließlich Heizungstausch sind es 7,7 Milliarden Euro, und Wärmepumpen sind davon nur ein Teil. Wer den Satz hört, schätzt die Förderung von Wärmepumpen gut anderthalbmal so hoch ein, wie selbst der gesamte Posten Einzelmaßnahmen ausfällt. Denkbar ist, dass Reiche "Wärmepumpen" als Kurzform für die ganze Gebäudeförderung benutzt hat. Gesagt hat sie es so nicht, und sie hat die Zuordnung zu Wärmepumpen am 7. Oktober 2026 in der Regierungsbefragung laut Zusammenfassung des Bundestags wiederholt.