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Begriffserklärung: Falsche Äquivalenz

Was falsche Äquivalenz ist: Zwei sehr ungleiche Dinge werden als gleichwertig behandelt, weil sie eine Eigenschaft teilen.

Falsche Äquivalenz liegt vor, wenn zwei Dinge als gleichwertig behandelt werden, obwohl sie sich in Ausmaß, Häufigkeit oder Schwere deutlich unterscheiden. Grundlage ist meist eine echte Gemeinsamkeit, die dann für den ganzen Vergleich einsteht. Aus "beides ist Gewalt" wird "beides ist gleich schlimm", obwohl der zweite Satz aus dem ersten nicht folgt.

Im Journalismus heißt die eingebaute Variante False Balance: Zwei Seiten bekommen gleich viel Raum, obwohl die Belege völlig ungleich verteilt sind.

Merkmale

  • Die Gemeinsamkeit stimmt, die Gleichsetzung nicht. Der Vergleich hält nur, solange niemand nach Zahlen fragt.
  • Größenordnungen fehlen. Es wird von "auch" und "genauso" gesprochen, nie von "wie oft" und "wie viele".
  • Formulierungen wie "beide Seiten", "auf allen Seiten", "die einen wie die anderen".
  • In Medien: ein Fachverband gegen einen einzelnen Kritiker, gleichberechtigt im Studio, als stünde Meinung gegen Meinung.

Beispiele

Der bekannteste Fall in Deutschland ist die Gleichsetzung von rechter und linker Gewalt. Beides existiert, und beides ist zu verurteilen. Gleichwertig ist es nicht: Seit 1990 stehen über 200 Todesopfer rechter Gewalt vier Todesopfern linksextrem motivierter Gewalt gegenüber. Wer "beide Seiten" sagt, beschreibt damit ein Verhältnis von etwa 50 zu 1 als Gleichstand.

Ein zweites Muster aus dem Wissenschaftsjournalismus: In einer Sendung über den Klimawandel sitzen ein Klimaforscher und ein Zweifler nebeneinander, jeder mit derselben Redezeit. Das Publikum sieht eine offene Kontroverse, obwohl in der Fachliteratur keine besteht.

Wozu es eingesetzt wird

  • Um Verantwortung zu verdünnen. Wenn alle beteiligt sind, ist niemand besonders verantwortlich.
  • Um eine Randposition aufzuwerten. Neben einer anerkannten Position zu sitzen verleiht Gewicht, unabhängig vom Inhalt.
  • Um Kritik abzuwehren, ohne sie zu bestreiten. "Das gibt es doch überall" beendet die Debatte, ohne etwas zu widerlegen.

Bei Redaktionen entsteht False Balance oft ohne Absicht, aus dem Bemühen um Ausgewogenheit und aus Angst vor dem Vorwurf der Parteilichkeit.

Was dagegen hilft

Zahlen nennen. Falsche Äquivalenz lebt davon, dass Größenordnungen unausgesprochen bleiben, und sie zerfällt, sobald sie ausgesprochen werden.

Dabei hilft es, die Gemeinsamkeit ausdrücklich einzuräumen: "Stimmt, es gibt beides. Die Frage ist, in welchem Verhältnis." Wer den wahren Kern bestreitet, verliert unnötig, und wer ihn zugibt, kann danach umso deutlicher unterscheiden.

Verwandte Begriffe

Whataboutism Scheinkorrelation