Faschismus ist kein Synonym für "besonders weit rechts". Er bezeichnet ein eigenes ideologisches Paket mit erkennbaren Merkmalen. Man kann rechtsextrem sein, ohne Faschist zu sein, denn Faschismus verlangt zusätzliche, spezifische Elemente.
Der Kern: nationale Wiedergeburt
Der Historiker Roger Griffin hat die knappste Definition geprägt: Faschismus ist im Kern ein palingenetischer Ultranationalismus. "Palingenese" bedeutet Wiedergeburt. Gemeint ist der Mythos, die eigene Nation sei durch Dekadenz und Feinde in den Verfall geraten und müsse durch einen radikalen Neuanfang wiedergeboren werden.
Entscheidend ist dieser nach vorn gerichtete, revolutionäre Zug. Faschismus will nicht bewahren wie der Konservatismus, sondern einen "neuen Menschen" und eine gereinigte Nation schaffen.
Wiederkehrende Merkmale
Robert Paxton und Umberto Eco haben Merkmale beschrieben, die immer wieder auftauchen:
- Kult der Einheit, Energie und Reinheit,
- Obsession mit nationalem Niedergang und erlittener Demütigung,
- Verherrlichung von Gewalt als reinigender Kraft,
- ein Führerkult und das Führerprinzip,
- die Konstruktion eines Feindes, der zugleich übermächtig und verächtlich schwach erscheint,
- die Aufgabe demokratischer Freiheiten.
Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt für faschistische Herrschaft eine charismatische Führerfigur, das Führerprinzip, einen streng hierarchischen Aufbau und offen rassistisches Denken.
Und die "linken" Elemente?
Der historische Faschismus, besonders der frühe italienische, enthielt auch antikapitalistische und stark staatslenkende Züge, die man gemeinhin eher links verortet. Das macht ihn aber nicht "links": Seine antikapitalistische Stoßrichtung war völkisch-national, nicht klassenbasiert-universalistisch. Er blieb anti-egalitär und anti-marxistisch und steht damit nach dem Standardkriterium (Ablehnung der Gleichheit) klar rechtsaußen. Der Kampfbegriff "Linksfaschismus" gilt in der Forschung überwiegend als inhaltsleeres Schimpfwort ohne analytischen Wert.
Wer das Etikett "faschistisch" vergibt, sollte diese Merkmale zeigen können, nicht nur besondere Empörung. Mehr zur Abgrenzung von rechts, rechtsradikal und rechtsextrem im Artikel Rechts, rechtsextrem, faschistisch.