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Begriffserklärung: Kein echter Schotte

Was hinter "Kein echter Schotte" steckt: Ein Gegenbeispiel wird nicht widerlegt, sondern per nachträglicher Definition aus der Gruppe ausgeschlossen.

Kein echter Schotte (englisch no true Scotsman) bezeichnet die nachträgliche Änderung einer Definition, um ein unbequemes Gegenbeispiel loszuwerden. Statt die eigene Aussage zu korrigieren, wird der störende Fall kurzerhand aus der Gruppe herausdefiniert. Die Behauptung bleibt dadurch immer wahr, aber sie sagt auch nichts mehr aus.

Woher der Name kommt

Das Beispiel geht auf den Philosophen Antony Flew zurück. Ein Schotte liest, dass ein Mann in Brighton ein Verbrechen begangen hat, und sagt: "Kein Schotte würde so etwas tun." Als man ihm einen schottischen Täter zeigt, antwortet er: "Kein echter Schotte würde so etwas tun." Das Wort "echt" rettet die Aussage und entwertet sie gleichzeitig.

Merkmale

  • Ein Adjektiv taucht erst nach dem Gegenbeispiel auf: echt, wahr, richtig, wirklich.
  • Die neue Definition ist zirkulär. Wer sich falsch verhält, gehört per Definition nicht dazu, also verhalten sich alle richtig.
  • Die Behauptung wird unwiderlegbar. Es gibt keinen denkbaren Fall mehr, der sie widerlegen könnte.
  • Sie wird dadurch inhaltsleer. Was durch nichts widerlegt werden kann, sagt auch nichts über die Welt.

Beispiele

A: "Christen tun so etwas nicht."

B: "Der Täter war Mitglied einer Gemeinde."

A: "Dann war er eben kein wahrer Christ."

Politisch begegnet einem dasselbe Muster nach Gewalttaten aus dem eigenen Lager: Der Täter sei "kein echter Konservativer", ein "Einzelner", der "mit uns nichts zu tun" habe. Das kann im Einzelfall stimmen und muss dann belegt werden. Als Reflex auf jeden Fall angewandt, ist es eine Definition, die sich der Wirklichkeit anpasst.

Auch in Debatten über Parteien taucht es auf: "Das sind keine echten Demokraten." Solange offen bleibt, wodurch sich echte von unechten unterscheiden, ist der Satz nicht überprüfbar.

Wozu es eingesetzt wird

  • Um eine Gruppe rein zu halten, der man sich zugehörig fühlt, ohne sich mit unbequemen Mitgliedern auseinandersetzen zu müssen.
  • Um Verallgemeinerungen gegen jede Widerlegung zu immunisieren.
  • Um eine Zuschreibung ohne Beleg vorzunehmen, weil die neue Definition nirgends festgeschrieben ist.

Häufig geschieht es unbeabsichtigt, aus einem echten Bedürfnis heraus: Niemand sieht seine eigene Gruppe gern durch ihre schlimmsten Mitglieder repräsentiert.

Was dagegen hilft

Nach dem Maßstab fragen, und zwar bevor der Fall auf dem Tisch liegt: "Woran erkenne ich einen echten? Nenn mir bitte ein Kriterium, das nicht das Verhalten selbst ist."

Wenn die Definition erst nachträglich geliefert wird, hilft der Hinweis auf die Reihenfolge: "Das stand vorhin noch nicht in deiner Aussage."

Sinnvoll ist auch, den berechtigten Kern anzuerkennen. Nicht jedes Mitglied prägt eine Gruppe gleich stark. Der Unterschied liegt darin, ob jemand über Häufigkeiten und Einfluss spricht oder über Zugehörigkeit per Definition.

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