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Begriffserklärung: Kontextentzug

Was Kontextentzug ist: ein echtes Zitat oder eine echte Zahl wird aus dem Zusammenhang gelöst und bekommt dadurch eine andere Bedeutung.

Kontextentzug liegt vor, wenn ein echtes Zitat, ein echtes Video oder eine echte Zahl aus dem Zusammenhang gelöst wird, in dem sie standen, und dadurch eine andere Bedeutung bekommen. Nichts daran ist gefälscht. Das macht diese Technik so wirksam und so schwer zu widerlegen: Jede einzelne Angabe hält der Überprüfung stand, nur das Bild insgesamt stimmt nicht.

Die verwandte Variante bei Daten heißt Cherrypicking: Aus einer Datenreihe werden genau die Punkte ausgewählt, die zur gewünschten Aussage passen, während der Rest weggelassen wird.

Merkmale

  • Die Belege sind echt. Wer nachprüft, findet das Zitat tatsächlich.
  • Der Ausschnitt beginnt oder endet an einer auffälligen Stelle, oft mitten im Satz oder direkt vor einer Einschränkung.
  • Es fehlt, worauf sich die Aussage bezog: die Frage, auf die geantwortet wurde, der Nebensatz, der relativiert, das Jahr, mit dem verglichen wurde.
  • Bei Zahlen: ein auffällig gewählter Startpunkt, ein ungewöhnlicher Vergleichszeitraum, eine fehlende Bezugsgröße.

Beispiele

Ein Politiker sagt: "Man könnte natürlich fordern, alle Grenzen zu schließen. Das wäre rechtlich unmöglich und wirtschaftlich verheerend." Zitiert wird: "Man könnte alle Grenzen schließen."

Bei Zahlen sieht es so aus: Eine Kriminalitätsstatistik wird ab dem Jahr mit dem niedrigsten Wert gezeigt, damit der Anstieg maximal wirkt. Der langfristige Rückgang davor verschwindet einfach aus dem Bild.

Ein häufiger Fall bei Temperaturdaten ist die Wahl eines besonders warmen Ausgangsjahres, damit die folgende Reihe flach aussieht. Der Trend über mehrere Jahrzehnte bleibt unverändert, aber der gezeigte Ausschnitt sagt das Gegenteil.

Wozu es eingesetzt wird

  • Um eine Aussage in Umlauf zu bringen, die nachprüfbar "echt" ist, und damit einen Faktencheck ins Leere laufen zu lassen.
  • Um jemandem eine Position zuzuschreiben, die er nie vertreten hat, ohne ihn erkennbar falsch zu zitieren.
  • Weil verkürzte Zitate sich besser verbreiten als die vollständige Fassung. Der Zusammenhang ist immer länger als der Ausschnitt.

Bei Cherrypicking kommt hinzu, dass es oft unabsichtlich geschieht. Wer eine Überzeugung hat, findet die passenden Datenpunkte schneller als die unpassenden.

Was dagegen hilft

Den Zusammenhang nachliefern, statt die Echtheit zu bestreiten: "Das hat er gesagt. Der nächste Satz lautet …" Wer stattdessen behauptet, das Zitat sei falsch, verliert, sobald jemand die Quelle nachschlägt.

Bei Zahlen ist die entscheidende Frage nicht, ob der Wert stimmt, sondern warum genau dieser Ausschnitt gewählt wurde: "Warum beginnt die Grafik in diesem Jahr?"

Vor einem Publikum ist die vollständige Fassung meist überzeugender als jede Empörung über die Verkürzung. Sie lässt sich nachprüfen.

Verwandte Begriffe

Scheinkorrelation Strohmann-Argument