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Stand: 20.04.2026

Begriffserklärung: Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ)

Die Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ) gibt an, wie viele Tatverdächtige auf 100.000 Einwohner einer bestimmten Bevölkerungsgruppe kommen. Sie ist eine Kennzahl aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamts.

Die Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ) gibt an, wie viele Tatverdächtige auf 100.000 Einwohner einer bestimmten Bevölkerungsgruppe kommen. Sie ist eine Kennzahl aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamts.

Wozu die TVBZ dient

Absolute Zahlen ("Es gab 2025 rund 2 Millionen Tatverdächtige") sagen wenig über die tatsächliche Belastung einer Bevölkerungsgruppe aus, weil Gruppen unterschiedlich groß sind. Wenn die Zahl der Deutschen leicht sinkt, die Zahl der Ausländer aber deutlich steigt, steigen zwangsläufig auch die absoluten Tatverdächtigen-Zahlen bei Ausländern, ohne dass die einzelne Person krimineller wäre.

Die TVBZ rechnet diesen Größeneffekt heraus: Sie setzt die Zahl der Tatverdächtigen ins Verhältnis zur Gruppengröße und ermöglicht so einen fairen Vergleich zwischen Gruppen unterschiedlicher Größe (zum Beispiel Deutsche vs. Ausländer, Männer vs. Frauen, verschiedene Altersgruppen).

Formel

TVBZ = (Anzahl Tatverdächtige einer Gruppe / Größe der Gruppe) × 100.000

Beispiel aus der PKS 2025 (ohne ausländerrechtliche Verstöße):

  • Deutsche: TVBZ = 1.813 (von 100.000 in Deutschland lebenden Deutschen wurden 1.813 als tatverdächtig registriert)
  • Ausländer: TVBZ = 4.788 (von 100.000 in Deutschland lebenden Ausländern wurden 4.788 als tatverdächtig registriert)

Faktor: 4.788 / 1.813 ≈ 2,6. Die TVBZ von Ausländern ist also 2,6-mal höher als bei Deutschen.

Wichtige Einschränkungen

Tatverdächtige sind keine Verurteilten. Rund 60 Prozent aller Ermittlungsverfahren werden eingestellt. Die TVBZ misst polizeiliche Registrierung, nicht tatsächliche Kriminalität.

Ausländerrechtliche Verstöße müssen herausgerechnet werden. Delikte wie die unerlaubte Einreise (§ 95 AufenthG) können fast nur von Nicht-Deutschen begangen werden. Vergleiche ohne diese Korrektur überzeichnen die Überrepräsentation von Ausländern.

Demografische und Wohnort-Effekte bleiben drin. Auch die bereinigte TVBZ zeigt strukturelle Unterschiede: Die ausländische Bevölkerung hat anteilig mehr junge Männer und lebt häufiger in Ballungsräumen mit strukturell höherer Kriminalität. Studien wie das ifo-Paper von Adema und Alipour (2025) zeigen, dass der scheinbare Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und Kriminalität verschwindet, sobald man für diese Faktoren kontrolliert.

Kein Migrationshintergrund. Die TVBZ bezieht sich ausschließlich auf die Staatsangehörigkeit, nicht auf den Migrationshintergrund. Eingebürgerte Personen zählen als Deutsche.

Warum das wichtig ist

Die TVBZ wird regelmäßig zitiert, um einen vermeintlich klaren Zusammenhang zwischen Migration und Kriminalität zu belegen. Ohne methodische Einordnung (Kontrolldelikte, Demografie, Wohnort, Anzeigeverhalten) führen die Zahlen systematisch in die Irre. Der Mediendienst Integration und CORRECTIV haben diese Mechanismen mehrfach ausführlich dokumentiert.