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Teil 6· Stand: 12.04.2026

Karten und Navigation

OpenStreetMap ist oft besser als Google Maps. Ernsthaft.

Achtung! Dieser Artikel ist aktuell in Bearbeitung und kann fehlende, falsche und unbelegte Informationen enthalten

Google Maps ist vermutlich die App, bei der die wenigsten an einen Wechsel denken. Sie funktioniert einfach. Adresse eingeben, Route berechnen, losfahren. Dazu Bewertungen, Fotos, Öffnungszeiten, Echtzeit-Verkehr. Was will man mehr?

Nun, vielleicht will man nicht, dass ein Konzern ein möglichst lückenloses Bewegungsprofil erstellt. Google kann, je nach Kontoeinstellungen und aktivierten Standortfunktionen, sehr viele Orts-, Such- und Routendaten sammeln. Über Monate und Jahre ergibt das ein erstaunlich detailliertes Bild: wo man arbeitet, wo man einkauft, welchen Arzt man besucht, bei wem man übernachtet. Solche Funktionen lassen sich einschränken, aber man muss sich aktiv darum kümmern.

Die Alternativen

Die gute Nachricht: Es gibt ausgereifte Karten-Apps, die auf OpenStreetMap-Daten basieren und keine Bewegungsprofile anlegen.

Organic Maps ist die Empfehlung für den Einstieg. Die App ist kostenlos, Open Source, werbefrei und komplett offline nutzbar. Man lädt die Karte seiner Region herunter und navigiert ohne Internetverbindung. Die Oberfläche ist aufgeräumt, die Navigation zuverlässig. Für den Alltag (Autofahrt zum Supermarkt, Fußweg zum Restaurant, Fahrradtour am Wochenende) reicht Organic Maps problemlos.

OsmAnd ist die mächtigere Variante. Die App kann deutlich mehr: Höhenlinien, Wanderrouten, Seekarten, Skigebiete, Offroad-Navigation. Die Oberfläche sieht zugegeben gewöhnungsbedürftig aus, fast ein bisschen wie ein Cockpit. Aber wer regelmäßig wandert, Rad fährt oder abseits befestigter Straßen unterwegs ist, findet in OsmAnd Funktionen, die Google Maps schlicht nicht hat.

Apple Karten ist keine Open-Source-Lösung, aber eine Option für iPhone-Nutzer, die von Google weg wollen. Apple verdient sein Geld mit Hardware, nicht mit Daten. Die Karten sind in den letzten Jahren deutlich besser geworden, und die Datenschutzpraktiken sind transparenter als bei Google. Kein perfekter Ersatz, aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Was OpenStreetMap besonders macht

OpenStreetMap ist ein Gemeinschaftsprojekt. Tausende Freiwillige weltweit kartieren Wege, Gebäude, Briefkästen, Trinkwasserbrunnen, Radwege, Wanderpfade. In vielen Regionen, besonders in Europa, sind die OpenStreetMap-Daten detaillierter als die von Google. Feldwege, die bei Google als weiße Fläche erscheinen, sind auf OpenStreetMap sauber kartiert. Wanderwege mit Schwierigkeitsgrad, Fahrradinfrastruktur mit Oberflächenangabe, Bänke im Park: All das pflegen Freiwillige ein, weil sie es selbst nutzen wollen.

Das ist auch das Besondere daran: Man kann selbst beitragen. Wer feststellt, dass ein neuer Radweg fehlt oder ein Restaurant umgezogen ist, kann das direkt korrigieren. Die Karte gehört allen, die daran mitarbeiten.

Der praktische Umstieg

Am einfachsten geht es so: Organic Maps installieren (kostenlos für Android und iOS), die Karte der eigenen Stadt herunterladen, und eine Woche lang parallel nutzen. Die meisten Alltagsrouten funktionieren sofort. Für die Fälle, in denen es nicht reicht, bleibt Google Maps als Rückfalloption auf dem Telefon. Niemand muss es sofort löschen.

Wer Wandern oder Radfahren als Hobby hat, sollte OsmAnd ausprobieren. Die kostenlose Version reicht zum Testen. Ein Tipp: In den Einstellungen lassen sich verschiedene Kartenprofile anlegen (Auto, Fahrrad, Wandern), die jeweils andere Informationen anzeigen.

Was man aufgibt

Ehrlichkeit gehört dazu: Google Maps hat in einigen Bereichen keinen gleichwertigen Ersatz. Die Echtzeit-Verkehrslage basiert auf den Bewegungsdaten aller Android-Nutzer und ist schlicht präziser als alles, was die Open-Source-Welt bietet. OsmAnd hat eine Verkehrsanzeige, aber sie ist nicht annähernd so gut.

Street View, also die Möglichkeit, sich einen Ort vorher virtuell anzuschauen, gibt es bei den Alternativen nicht. Die Bewertungen und Fotos von Restaurants und Geschäften fehlen ebenfalls. Dafür gibt es zwar Drittanbieter wie Yelp oder TripAdvisor, aber die Kombination "alles in einer App" ist ein Google-Vorteil.

Die ÖPNV-Integration ist ein weiterer Punkt. Google Maps zeigt Bus- und Bahnverbindungen mit Echtzeitdaten an. Bei Organic Maps und OsmAnd fehlt das weitgehend. Wer regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel nutzt, braucht dafür eine separate App, etwa die der lokalen Verkehrsbetriebe oder Öffi (Android, Open Source).

Weniger Daten, mehr Karte

Navigation ist einer der Bereiche, in denen die Alternativen nicht nur "gut genug" sind, sondern in manchen Aspekten besser. Offline-Navigation ohne Datenverbrauch, detailliertere Wander- und Radkarten, kein Tracking. Der Preis dafür ist überschaubar: weniger Echtzeitdaten, keine Bewertungen, eine etwas weniger glatte Oberfläche.

Organic Maps installieren, Heimatkarte laden, eine Woche testen. Mehr braucht es nicht für den Anfang.