Von allen Schritten in dieser Serie ist der Wechsel des Betriebssystems der aufwändigste. Gleichzeitig ist es der Schritt, den man am wenigsten braucht, wenn man die anderen schon gemacht hat. Wer auf Windows oder macOS bereits Firefox, Signal, Bitwarden und Organic Maps nutzt, hat den größten Teil der Arbeit erledigt. Linux ist der optionale Bonus obendrauf.
Trotzdem lohnt sich ein Blick darauf, was sich in den letzten Jahren getan hat. Denn die Antwort ist: überraschend viel.
Linux in 2026
Das Bild von Linux als Kommandozeilen-Hölle, in der man Treiber von Hand kompiliert, ist veraltet. Moderne Linux-Distributionen wie Linux Mint sehen aus wie Windows, installieren sich in zwanzig Minuten und funktionieren danach. Drucker, WLAN, Bluetooth, USB-Geräte: Das meiste klappt auf Anhieb. Linux Mint bringt einen Büro-Desktop mit, der so vertraut wirkt, dass viele Leute den Unterschied zu Windows gar nicht sofort bemerken.
Linux Mint ist die Empfehlung für Einsteiger. Die Oberfläche orientiert sich an Windows, die Paketverwaltung funktioniert wie ein App Store, und die Community ist eine der hilfsbereitesten im ganzen Open-Source-Universum. Wer etwas nicht versteht, findet im Linux-Mint-Forum fast immer eine freundliche Antwort.
Ubuntu ist der bekanntere Name, aber in den letzten Jahren etwas umstritten in der Community. Canonical, die Firma dahinter, hat mit dem Snap-Paketformat eine umstrittene Entscheidung getroffen. Für Einsteiger spielt das kaum eine Rolle, aber wer sich informiert, wird auf diese Debatte stoßen.
Fedora richtet sich an Nutzer, die etwas aktuellere Software wollen und bereit sind, gelegentlich Hand anzulegen. Gut für Entwickler, aber für den ersten Kontakt mit Linux nicht zwingend nötig.
Wofür Linux hervorragend funktioniert
Büroarbeit, Internetsurfen, E-Mail, Videokonferenzen, Medienkonsum, Programmierung: All das läuft auf Linux problemlos. LibreOffice öffnet und bearbeitet Word- und Excel-Dateien. Firefox, Thunderbird, Signal Desktop, Spotify, Steam, VLC: alles nativ verfügbar. Wer hauptsächlich im Browser arbeitet, etwa mit Webmail oder Office im Web, merkt ohnehin kaum einen Unterschied.
Für ältere Rechner ist Linux oft ein Segen. Wo Windows 11 auf älterer Hardware an enge Grenzen stößt oder gar nicht mehr unterstützt wird, gibt Linux Mint dem Gerät oft ein zweites Leben. Schnellerer Start, weniger Speicherverbrauch, keine Werbung im Startmenü.
Wo es schwierig wird
Adobe Creative Suite gibt es nicht für Linux. Punkt. Wer beruflich auf Photoshop, Illustrator oder InDesign angewiesen ist, bleibt bei Windows oder macOS. GIMP und Inkscape sind gute freie Alternativen, aber "gut" ist nicht "gleich". Wer Photoshop-Workflows gewohnt ist, wird in GIMP leiden.
Bestimmte Spiele laufen nicht. Valves Proton-Technologie hat die Situation dramatisch verbessert, und Tausende Windows-Spiele funktionieren mittlerweile auf Linux. Aber nicht alle. Besonders Spiele mit Anti-Cheat-Software machen regelmäßig Probleme. Wer viel spielt, sollte vorher auf protondb.com prüfen, ob die eigenen Titel unterstützt werden.
Spezialisierte Berufssoftware ist der andere Knackpunkt. DATEV, AutoCAD, bestimmte medizinische Software, manche Steuerprogramme: vieles davon gibt es nur für Windows. Wer solche Programme braucht, hat bei Linux am Desktop ein echtes Problem.
Microsoft Office läuft nicht nativ auf Linux. LibreOffice ist ein solider Ersatz, aber die Formatierung komplexer Word-Dokumente kann beim Hin- und Herschicken verrutschen. Wer im Berufsalltag ständig Office-Dateien mit Windows-Nutzern austauscht, wird das merken.
Der praktische Einstieg
Der wichtigste Rat: Nicht den eigenen Arbeitsrechner als erstes umstellen. Wer einen alten Laptop oder Desktop-PC herumstehen hat, nimmt den. Linux Mint ISO herunterladen, mit Etcher oder Rufus auf einen USB-Stick schreiben, den Rechner vom Stick starten. Linux Mint lässt sich direkt vom USB-Stick ausprobieren, ohne etwas zu installieren. Wenn es gefällt: installieren. Wenn nicht: Stick rausziehen, alles ist wie vorher.
Kein Dual-Boot am Anfang. Das klingt verlockend ("ich behalte Windows und Linux daneben"), führt aber erfahrungsgemäß dazu, dass man immer wieder in Windows bootet und Linux nie richtig kennenlernt.
Der ehrlichste Rat
Für viele Menschen ist Linux am Desktop nicht notwendig. Wer Windows nutzt und dort bereits Firefox statt Chrome einsetzt, Signal statt WhatsApp schreibt und DuckDuckGo statt Google sucht, hat die wichtigsten Schritte schon getan. Das Betriebssystem ist die Schicht darunter, und Windows 11 sammelt zwar mehr Daten als nötig, aber der Großteil der Datensammlung passiert auf der Ebene der Dienste und Apps.
Linux ist für die Leute, die noch einen Schritt weitergehen wollen. Oder die einen alten Rechner retten wollen. Oder die einfach neugierig sind, wie ein Betriebssystem aussehen kann, das niemandem gehört und das jeder verändern darf.
Wer einen alten Laptop hat und ein verregnetes Wochenende vor sich: Linux Mint draufspielen. Schlimmstenfalls hat man etwas gelernt.