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Radiant Energy Group

US-amerikanischer pro-nuklearer Thinktank und Beratungsdienstleister, Autor des vielzitierten Berichts "Restarting Germany's Reactors".

Bildquelle: ©Radiant Energy Group
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Über die Quelle

Radiant Energy Group ist ein Beratungsunternehmen mit Sitz in Chicago, USA, das sich auf Nuklearenergie spezialisiert hat. Das bestätigt auch ein Bericht des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit des Deutschen Bundestages, der die Organisation als "Radiant Energy Group mit Sitz in Chicago, USA" bezeichnet (Bundestags-Drucksache 21/6126, 22. Mai 2026).

Gegründet wurde die Organisation von Mark Nelson, einem Nuklearingenieur mit einem M.Phil in Nuclear Engineering der University of Cambridge. Nelson war zuvor Senior Analyst bei Environmental Progress, einer von Michael Shellenberger gegründeten pro-nuklearen Advocacy-Organisation, sowie Fellow am ebenfalls dezidiert pro-nuklearen Breakthrough Institute. Auf der Team-Seite von Radiant Energy Group wird als weitere Verantwortliche Madison "Madi" Hilly als Managing Director genannt, ihr beruflicher Schwerpunkt liegt laut eigenen Angaben im Aufbau politischer und öffentlicher Unterstützung für einen groß angelegten Ausbau der Kernenergie.

Radiant Energy Group beschreibt sich selbst als Beratungs- und Publikationsorganisation, die datengestützte Einordnungen für Regierungen, Investoren und Unternehmen im Nuklearsektor bereitstellt und dabei eigene Studien erstellt. Zur konkreten Rechtsform und zur Finanzierung, also wer die Berichte in Auftrag gibt oder bezahlt, macht die Organisation auf ihrer Website keine Angaben, auch in unabhängiger Berichterstattung ließ sich dazu nichts Belastbares finden. Diese fehlende Transparenz ist bei der Einordnung der Zahlen der Organisation zu berücksichtigen.

In der deutschen Bundestagsdebatte wird Radiant Energy Group bislang ausschließlich von der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag als Beleg angeführt. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bezeichnete die "immer wieder genannte Studie der Radiant Energy Group" im Ausschussbericht zum AfD-Antrag "Wieder in die Kernkraft einsteigen und strategische Fehler korrigieren" als "pseudowissenschaftlich", da sie "auf Zeitungsartikeln und anonymen Aussagen" beruhe und "nicht eine wissenschaftliche Quelle" enthalte (Bundestags-Drucksache 21/5892, 11. Mai 2026). In einem weiteren Ausschussbericht ordnete dieselbe Fraktion Radiant Energy Group neben dem deutschen Branchenverband KernD explizit als "Lobbyverbände" ein, deren Kostenschätzungen nicht von den Kraftwerksbetreibern selbst stammten (Bundestags-Drucksache 21/6126, 22. Mai 2026). Beide AfD-Anträge wurden mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken abgelehnt.

Faktenfackel Bewertung

Der im Dezember 2024 veröffentlichte und im Mai 2025 aktualisierte Bericht "Restarting Germany's Reactors: Feasibility and Schedule" ist die mit Abstand einflussreichste Veröffentlichung der Radiant Energy Group für die deutsche Debatte. Er kommt zu dem Schluss, eine Wiederinbetriebnahme der zuletzt abgeschalteten Reaktoren sei technisch unproblematisch, "no insurmountable obstacles have been identified" (Übersetzung: "es wurden keine unüberwindbaren Hindernisse identifiziert"), veranschlagt für "Restart-Klasse 1"-Reaktoren Kosten unter einer Milliarde Euro und für "Restart-Klasse 2"-Reaktoren bis zu drei Milliarden Euro je Anlage, insgesamt rund 20 Milliarden Euro für neun Blöcke. Als frühesten Termin nennt der Bericht eine Wiederinbetriebnahme von Brokdorf "as early as the end of 2025" (Übersetzung: "frühestens Ende 2025"). Dieser Termin ist inzwischen verstrichen, ohne dass sich am Rückbaustatus der Anlage etwas geändert hätte.

Zur Methodik hält das WDR-Wissenschaftsmagazin quarks.de fest, der Bericht sei größtenteils intransparent und stütze sich vor allem auf anonyme Interviews mit Verantwortlichen aus den Kraftwerken, deren Aussagen sich nicht unabhängig überprüfen lassen. Sara Beck von der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), dem zentralen deutschen Sachverständigengremium für nukleare Sicherheit, hält eine Reaktivierung zwar für technisch möglich, spricht aber von "erheblichem Aufwand" statt der im Bericht behaupteten fehlenden großen Hindernisse.

Die Kraftwerksbetreiber selbst widersprechen den Annahmen der Radiant Energy Group deutlich. PreussenElektra bezeichnete die bereits erfolgte Trennung der Hauptkühlmittelleitungen in Brokdorf, ein in Deutschland bislang einmaliger Schritt, laut quarks.de als "Point of no Return": "Eine Rückkehr zum Leistungsbetrieb wäre äußerst aufwendig und komplex." E.ON-Finanzvorständin Nadia Jakobi sieht laut The Energy Mix "no economically sensible way" zurück zum Leistungsbetrieb (Übersetzung: "keinen wirtschaftlich sinnvollen Weg"), RWE-Chef Markus Krebber nannte eine Rückkehr "very, very unlikely" (Übersetzung: "sehr, sehr unwahrscheinlich") und verwies auf fehlende Genehmigungen, Personalmangel und fehlende Wirtschaftlichkeit.

Auch die Zahlen selbst weichen von unabhängigen Einschätzungen deutlich ab. Die LBBW Research beziffert die Gesamtkosten einer Reaktivierung auf 21 bis 42 Milliarden Euro, mehr als das Doppelte der Radiant-Schätzung, und begründet dies unter anderem mit dem bereits fortgeschrittenen Rückbau von Brokdorf und Emsland sowie mit historischen Kostensteigerungen bei Neubauprojekten wie Hinkley Point C (von 19 auf über 50 Milliarden Euro) und Olkiluoto 3 (von 3 auf 11 Milliarden Euro).

Damit ist die Radiant Energy Group eine klar interessengeleitete Quelle: Gründer Mark Nelson kommt aus der pro-nuklearen Advocacy-Szene, die Organisation tritt selbst als Fürsprecherin eines kernkraftgestützten "low-carbon, high-energy future" auf (Übersetzung: einer "kohlenstoffarmen Zukunft mit hoher Energieverfügbarkeit"), und ihre zentralen Zahlen zur deutschen Reaktivierung werden von Betreibern, staatlichen Sachverständigen und Bankanalysten unabhängig voneinander als zu optimistisch eingestuft. Das bedeutet nicht automatisch, dass jede Einzelaussage falsch ist, die technische Grundannahme, eine Wiederinbetriebnahme sei prinzipiell denkbar, wird von keiner Seite bestritten. Konkrete Kosten- und Zeitangaben aus Radiant-Berichten sollten aber nie unkommentiert als belastbare Fakten übernommen werden, sondern stets mit den Einschätzungen der Betreiber und unabhängiger Institutionen wie GRS oder LBBW gegengelesen werden.

Fazit

Radiant Energy Group ist eine US-amerikanische, klar pro-nuklear positionierte Beratungs- und Advocacy-Organisation ohne öffentlich belegte Finanzierung. Ihre Kosten- und Zeitangaben zur Wiederinbetriebnahme deutscher Kernkraftwerke werden von Betreibern, dem GRS-Sachverständigengremium und Bankanalysten unabhängig voneinander als deutlich zu optimistisch bewertet, weshalb Zahlen aus ihren Berichten in Faktenfackel-Artikeln nie ohne Gegenprüfung durch unabhängige Quellen übernommen werden sollten.