Link Beschreibung
Correctiv dokumentiert, wie Jens Spahn als Gesundheitsminister im Frühjahr 2021 rund 400 Millionen Euro Steuergelder für das Covid-Antikörperpräparat Bamlanivimab ausgab, ohne Zulassungsantrag, ohne klinische Datenbasis. Gleichzeitig war Christian Angermayer, der zuvor der CDU sechsstellige Beträge gespendet hatte, mit rund 2 Prozent an Abcellera beteiligt, dem Unternehmen, das an Bamlanivimab verdiente. Die FDA entzog dem Mittel später die Notfallzulassung. Correctiv zeichnet nach, wie ein Netzwerk aus Investoren, Medienunternehmern und Politikern die öffentliche Beschaffungspolitik beeinflusst haben könnte, ohne einen direkten Kausalnachweis zu behaupten.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Die Recherche ist Teil einer CORRECTIV-Serie zum "Spahn-Netzwerk", die in mehreren Teilen Spahns Verbindungen zu Investoren, Medienunternehmern und rechts-libertären Netzwerken nachzeichnet. Der Artikel arbeitet mit öffentlichen Dokumenten (Parteispenden, Bundestags-Drucksachen, Konzern-Pressemitteilungen), Stellungnahmen des Bundesgesundheitsministeriums und Aussagen anonymer CDU-Politiker.
Die zentralen Fakten sind gut belegt:
- Die 400-Mio-Euro-Bestellung ist durch Ministeriumsangaben bestätigt
- Die Spendenhöhen sind aus Partei-Rechenschaftsberichten nachvollziehbar
- Die Geschäftsbeziehung Eli Lilly/Abcellera ist durch offizielle Konzern-Mitteilungen belegt
- Die FDA-Rücknahme der Notfallzulassung ist öffentlich dokumentiert
Spahn wies die Vorwürfe als "Unterstellungen" zurück, ließ aber den Großteil der Fragen unbeantwortet. Angermayers Anwalt betonte, sein Mandant sei nicht Vertragspartner der Regierung gewesen und habe einen "minimalen Anteil" (ca. 2%) an Abcellera gehalten.
Gegenquellen
- Pharmazeutische Zeitung: "Einsame Entscheidung", Fachblatt kritisierte bereits 2021 die Bestellung als Alleingang ohne klinische Datenbasis oder Zulassungsanträge
- Stern: Christian Angermayer, Die politischen Kontakte des Investors, bestätigt das Netzwerk bis in Bundesministerien, 17 Kontakte mit Minister Altmaier
- Manager Magazin: Trump und Angermayer, bestätigt enge Trump-Nähe und Kursgewinne von ~100 Mio Dollar durch Abcellera
- CORRECTIV Folgebericht: Regierung verweigert Auskunft zu Spahn-Kontakten, Bundesregierung verweigert Auskunft zu Kontakten zwischen Spahn und Angermayer
- CORRECTIV: Wie Jens Spahn hunderte Millionen Euro verbrannte, Vertiefung der Medikamenten-Recherche
Fazit
Gut recherchierter investigativer Artikel mit solider Quellenlage. Die Kernfakten (Spenden, Medikamenten-Deal, Abcellera-Beteiligung, Dosenverschwendung) sind durch mehrere unabhängige Quellen bestätigt. Die Darstellung des Netzwerks zwischen Politik, Investoren und Medien ist nachvollziehbar dokumentiert. Ein direkter Kausalzusammenhang zwischen Angermayers Spenden und Spahns Medikamenten-Bestellung wird nahegelegt, aber von CORRECTIV selbst korrekt als offene Frage behandelt.
