Link Beschreibung
Auf Social Media kursiert die Behauptung, die Frau des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow habe mit EU-Geld eine 26-Millionen-Euro-Luxusyacht ("Tankoa S501 Vertige") gekauft. CORRECTIV belegt, dass Foto und Registrierungsdokument gefälscht sind: Die Registriernummer ist in der französischen Schiffsdatenbank ungültig, das Originalfoto von 2024 zeigt das Paar vor einer Graffiti-Wand. Verbreitet wurde der Fake von Kreml-Medien, russischen Staatsmedien und dem AfD-Politiker Maximilian Krah.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der Ursprung der Falschbehauptung liegt laut CORRECTIV bei dem Telegram-Kanal "Ordkriminal", der am 29. April 2026 das gefälschte Dokument und die manipulierten Bilder erstmals veröffentlichte. Von dort übernahmen russische Staatsmedien wie TASS und Ria Novosti die Geschichte und beriefen sich auf angebliche anonyme Quellen aus dem russischen Sicherheitsapparat. Maximilian Krah verbreitete die Behauptung am 1. Mai 2026 in einem X-Beitrag mit mehr als 300.000 Aufrufen.
CORRECTIV hat drei voneinander unabhängige Fälschungsbeweise dokumentiert: Erstens steht die Yacht "Tankoa S501 Vertige" laut Angeboten auf mehreren Yachtmarktplätzen weiterhin zum Kauf, eine Maklerfirma bestätigte das gegenüber dem ZDF. Die Schiffsdatenbank Equasis verzeichnet die Yacht seit 2017 im Besitz des Unternehmens Centralease, die Eigentümerdaten wurden zuletzt am 12. Mai 2026 bestätigt. Zweitens ergibt die Überprüfung der Registrierungsnummern aus dem angeblichen Besitzdokument auf der Website des französischen Meeresministeriums eine Fehlermeldung: Die Nummer ist ungültig. Drittens ist das Foto, das das Ehepaar Fedorow vor der Yacht zeigen soll, eine Montage: Das Original von 2024 zeigt die beiden vor einer Graffiti-Wand. Zudem unterscheidet sich das Schiff im Hintergrund des manipulierten Bildes deutlich von der echten Vertige. Das ZDF-Faktencheck-Team hat zusätzlich festgestellt, dass das KI-Erkennungstool "Hive" die Yacht im Bild als KI-generiert einstuft.
Auch die angebliche Finanzierung durch EU-Mittel ist sachlich unmöglich: Der EU-Rat hat das 90-Milliarden-Euro-Darlehen für die Ukraine erst im April 2026 finalisiert. Eine Sprecherin der EU-Kommission teilte CORRECTIV mit, dass die Auszahlungen des Kredits bis zum 20. Mai 2026 noch nicht begonnen hatten.
Fazit
Foto, Registrierungsdokument und die Behauptung selbst sind erfunden: Die Yacht gehört weiterhin einer französischen Firma und steht zum Verkauf, der EU-Kredit war zum Zeitpunkt des angeblichen Kaufs noch nicht ausgezahlt. Das Narrativ, ukrainische Eliten würden westliche Hilfsgelder veruntreuen, ist ein wiederkehrendes Muster russischer Desinformation, das Krah hier als Multiplikator weitertrug.
