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Stand: 12.09.2026

Hakenkreuz-Foto aus Lwiw ist alt und bearbeitet

Falsch

Link Beschreibung

Faktencheck von Mimikama vom 12. September 2026, Urteil falsch. Am 5. September 2026 verbreitete der X-Account @Alina_Lipp_X, den Mimikama der prorussischen Bloggerin Alina Lipp zuordnet, ein Straßenfoto, auf dem eine ältere Frau ein rotes T-Shirt mit großem schwarzen Hakenkreuz trägt, dazu der Satz "Aktuelles Foto aus Lwow. Noch Fragen?". Der Ort stimmt und lässt sich über Street View dem Prospekt Swobody 23 in Lwiw zuordnen. Alles andere hält der Prüfung nicht stand: Das Bild kursierte zunächst in russischen Telegram-Kanälen und erschien am 10. April 2024 auf der russischsprachigen Seite lvov-news.ru. Einen Tag später lag dieselbe Aufnahme ohne Symbol vor. StopFake stufte das Foto im April 2024 als Fälschung ein und verwies auf fehlende Stofffalten unter dem Symbol, VoxCheck zusätzlich auf eine Fehlerlevel-Analyse.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Nachvollziehen lässt sich der geprüfte Beitrag über eine archivierte Fassung: Der Beitrag auf X, archiviert am 7. September 2026 (Perma.cc). Abgesetzt wurde er am 5. September 2026 um 12:47 Uhr, bis zur Archivierung kam er auf mehr als 70.000 Aufrufe. In den Antworten darunter wiesen Nutzer schon vor dieser Prüfung auf die frühere Einstufung des Fotos als Fälschung hin.

Wer den Account betreibt, ist von außen nicht abschließend zu belegen. Er trägt Namen und Profilbild von Alina Lipp, verweist im Profil auf ihren Telegram-Kanal "Neues aus Russland" und gibt dessen Beiträge wortgleich wieder; Mimikama ordnet ihn ihr zu, und t-online berichtete im Mai 2025, Lipp habe sich auf X zu den EU-Sanktionen gegen sie geäußert. Auf ihrer eigenen Website führt Lipp allerdings eine Liste ihrer offiziellen Kanäle, in der X nicht vorkommt, versehen mit dem Satz: "Ist einer nicht angeführt, dann ist er nicht von mir." Für die Bewertung des Fotos ändert das nichts.

Der Ort ist unstrittig: Auf dem Foto sind die Ladenschilder "welfare" und "Alchimik" sowie die Hausnummer 23 zu erkennen, die sich per Google Street View dem Prospekt Swobody in Lwiw zuordnen lassen. Auch die ukrainische Faktencheck-Organisation VoxCheck: Fotofake: Bewohner von Lwiw tragen Kleidung mit Hakenkreuz (russisch, 11. Juni 2024) kam über einen Kartenabgleich zum selben Ort.

Am Datum und am Hakenkreuz selbst scheitert die Behauptung. Die ukrainische Faktencheck-Organisation StopFake: Fake: In Lwiw laufen Menschen mit Hakenkreuz-T-Shirts durch die Straßen (17. April 2024) dokumentierte, dass das Foto zunächst über russische Telegram-Kanäle und ab dem 10. April 2024 auf der Seite lvov-news.ru verbreitet wurde, begleitet vom Kommentar eines Kreml-nahen Kanals, in der Ukraine gebe es angeblich "keine Nazis, sogar der Präsident ist Jude". Hinter lvov-news.ru steht laut Media Bias/Fact Check das "Pravda"-Netzwerk, ein von Moskau aus betriebener Verbund von mindestens 193 Seiten, die seriöse Nachrichtenangebote nachahmen. Dazu gehört auch der deutschsprachige Ableger Pravda Deutschland.

Einen Tag nach der Veröffentlichung auf lvov-news.ru stellte ein Nutzer auf X beide Fassungen nebeneinander, wie Mimikama anhand einer Archivfassung dieses Beitrags vom 11. April 2024 belegt: die verbreitete Version mit Hakenkreuz und die Originalaufnahme mit einem schlichten roten T-Shirt ohne Symbol. StopFake beschreibt, dass auf der Version ohne Symbol im Brustbereich natürliche Stofffalten zu sehen sind, die auf der Hakenkreuz-Version fehlen. VoxCheck ließ beide Bilder zusätzlich durch das Werkzeug FotoForensics laufen, das Bildbereiche mit unterschiedlicher Kompression farblich hervorhebt, und fand die Abweichung genau an der Stelle des Symbols. VoxCheck fasst den Befund so zusammen: "Однако это – фотофейк. Фотографию отредактировали, на оригинальном снимке свастика на футболке у женщины отсутствует." (Übersetzung: "Das ist ein Fotofake. Das Foto wurde bearbeitet, auf der Originalaufnahme fehlt das Hakenkreuz auf dem T-Shirt der Frau.") Mimikama ordnet die Fehlerlevel-Analyse dabei selbst als Hinweis ein, nicht als Beweis: Sie kann auch bei mehrfach komprimierten Bildern ausschlagen. Eindeutig wird der Fall erst zusammen mit der älteren Version ohne Symbol und den fehlenden Stofffalten.

Alina Lipp lebt nach Berichten von t-online: Putins Infokriegerin Alina Lipp: EU belegt erstmals Deutsche mit Sanktionen (21. Mai 2025) seit November 2021 im von Russland besetzten Teil der Ukraine und betreibt von dort aus den deutschsprachigen Telegram-Kanal "Neues aus Russland". Am 20. Mai 2025 nahm die EU sie mit der 17. Sanktionsrunde gegen Russland namentlich in die Durchführungsverordnung (EU) 2025/965 auf, erstmals wurden damit deutsche Staatsbürger wegen prorussischer Desinformationsarbeit sanktioniert. Die Begründung wirft ihr vor, systematisch Fehlinformationen über den russischen Angriffskrieg zu verbreiten und die ukrainische Regierung zu delegitimieren.

Seit 2024 taucht das Motiv frei sichtbarer Hakenkreuze in der Ukraine wiederholt in prorussischen Kanälen auf. Im selben Zeitraum widerlegte StopFake auch eine angebliche Hakenkreuz-Mahd auf einem Feld in Deutschland, ein Hakenkreuz-Armband des früheren ukrainischen Armeechefs Walerij Saluschnyj und ein Tattoostudio mit angeblichem "Hakenkreuz zum halben Preis". Im Mai 2026 zeigte sich dasselbe Muster bei einem gefälschten Foto zu einer angeblichen Luxusyacht des ukrainischen Verteidigungsministers: Auch dort diente ein bearbeitetes Bild als vermeintlicher Beleg für eine Kreml-Erzählung zur Ukraine.

Fazit

Die Behauptung ist falsch. Zu sehen ist zwar eine reale Straße in Lwiw, aktuell und unbearbeitet ist die Aufnahme aber nicht: Sie kursiert seit April 2024, eine Version ohne Hakenkreuz existiert seit demselben Monat, und sowohl StopFake als auch VoxCheck stufen das Symbol anhand fehlender Stofffalten und einer Fehlerlevel-Analyse als nachträglich eingefügt ein. Zwischen der ersten Verbreitung und dem Beitrag vom 5. September 2026 liegen mehr als zwei Jahre. Alina Lipp, der Mimikama den Account zuordnet, steht als Betreiberin des Kanals "Neues aus Russland" inzwischen selbst auf der EU-Sanktionsliste für prorussische Desinformation.