Alina Lipp
Deutsche Bloggerin, die aus russisch besetzten Gebieten der Ukraine prorussische Kriegspropaganda verbreitet. Seit Mai 2025 auf der EU-Sanktionsliste.

Über die Quelle
Alina Lipp wurde laut EU-Sanktionsverordnung am 17. September 1993 in Hamburg geboren und ist deutsche Staatsbürgerin; ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Russe. Ihr Vater zog nach Lipps eigenen, in der Jahreszahl schwankenden Angaben 2017 oder 2018 auf die von Russland besetzte Krim, wo Lipp 2016 bereits für ihre Bachelorarbeit geforscht hatte; 2019 startete sie den YouTube-Kanal "Glücklich auf der Krim", zunächst als Reisebloggerin. 2020 kam das Format "DruschbaFM" hinzu, das sie gemeinsam mit dem Journalisten Sergej Filbert betrieb. Von 2015 bis zum 31. Dezember 2020 war Lipp Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen; das Austrittsdatum bestätigte die Parteipressestelle gegenüber Correctiv. Ihre eigene Erzählung, sie habe sich nach einem Krim-Aufenthalt 2016 von der Partei abgewandt, hält Correctivs Recherche für unstimmig, weil sie erst nach 2014 eintrat. Im Frühjahr 2021 zog sie nach Russland und im November desselben Jahres nach Donezk, in das von Russland besetzte Gebiet der Ostukraine. Nach eigenen Angaben besitzt sie neben der deutschen auch die Staatsangehörigkeit der nicht anerkannten "Volksrepublik Donezk".
Ihr Telegram-Kanal "Neues aus Russland" zählte am 12. September 2026 rund 163.000 Abonnenten, nachdem die Zahl im April 2024 noch bei etwa 187.000 gelegen hatte. Über den Kanal übersetzt Lipp russische Kriegspropaganda ins Deutsche; laut einer Netzwerkanalyse von Correctiv diente er im untersuchten Zeitraum als Quelle für mindestens 169 weitere deutschsprachige Verbreiter.
Seit 2022 ermittelt die Staatsanwaltschaft Göttingen gegen sie wegen Billigung von Straftaten in mehreren Fällen (§ 140 Nr. 2 StGB). Laut einem dpa-Faktencheck vom 3. August 2022 wirft ihr die Behörde vor, sich "über ihre öffentlichen Social-Media-Accounts immer wieder mit dem am 24. Februar 2022 begonnenen russischen Angriffskrieg auf die Ukraine solidarisiert und diesen gutgeheißen" zu haben. Ein Urteil gibt es nicht, es gilt die Unschuldsvermutung. Am 20. Mai 2025 setzte die Europäische Union sie gemeinsam mit dem Blogger Thomas Röper auf ihre Russland-Sanktionsliste, laut t-online die ersten deutschen Staatsbürger überhaupt; die Maßnahmen umfassen Einreisebeschränkungen und ein Verbot, ihr Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen bereitzustellen. Zur Begründung heißt es in der Durchführungsverordnung (EU) 2025/965 wörtlich: "Alina Lipp betreibt den Blog 'Neues aus Russland', in dem sie systematisch Fehlinformationen über den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine verbreitet und der ukrainischen Regierung die Legitimierung abspricht, insbesondere im Hinblick auf die Manipulation der öffentlichen Meinung in Deutschland in Bezug auf Unterstützung für die Ukraine. Darüber hinaus nutzt sie ihre Rolle als Kriegskorrespondentin mit den russischen Streitkräften im Osten der Ukraine, um russische Kriegspropaganda zu verbreiten. Sie tritt regelmäßig in Truppenunterhaltungs- und Propagandasendungen im russischen militärischen Fernsehsender Zvezda auf."
Im September 2023 widmete das ZDF ihr einen dreiteiligen Dokumentarfilm unter dem Titel "The Princess of Disinformation", für den Lipp erstmals einem öffentlich-rechtlichen Sender ein ausführliches Interview gab.
Links
- Telegram (offizieller Kanal laut eigener Website): https://t.me/neuesausrussland
- Eigene Website: https://neuesausrussland.com/
- Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Alina_Lipp
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Lipp zählt zu den reichweitenstärksten deutschsprachigen Verbreiterinnen russischer Kriegspropaganda. Laut einer Analyse von Volksverpetzer war ihr Kanal nach dem Verbot staatlicher russischer Propagandasender wie RT in Deutschland zeitweise der größte deutschsprachige Telegram-Kanal für pro-russische Falschmeldungen. Dokumentiert sind unter anderem die Leugnung eines Angriffs auf einen Kindergarten kurz vor Kriegsbeginn, eine frei erfundene Geschichte über angeblichen Organhandel in der Ukraine, die auch Correctiv als beleglos zurückwies, sowie die Falschmeldung, ein kanadischer Scharfschütze sei getötet worden, obwohl er wohlauf war.
Am 5. September 2026 verbreitete der X-Account @Alina_Lipp_X ein Straßenfoto aus Lwiw mit einem nachträglich eingefügten Hakenkreuz als angeblich aktuellen Beleg; unsere Prüfung dazu zeigt, dass die Aufnahme schon seit April 2024 im Netz kursiert. Der Fall folgt einem Muster, das für ihren Kanal wiederholt dokumentiert ist: alte oder bearbeitete Aufnahmen werden als aktuelles Ereignis präsentiert. Der Account trägt Namen und Profilbild von Lipp, verweist im Profil auf ihren Telegram-Kanal und gibt dessen Beiträge wortgleich wieder; Mimikama ordnet ihn ihr zu. In der Liste ihrer offiziellen Kanäle auf ihrer eigenen Website taucht X dagegen nicht auf, dort heißt es: "Ist einer nicht angeführt, dann ist er nicht von mir." Wer den Account betreibt, ist von außen nicht abschließend zu belegen.
Fazit
Wegen ihrer Reichweite steht Alina Lipp seit Mai 2025 auf der EU-Sanktionsliste. Ihre Falschmeldungen sind seit Kriegsbeginn 2022 wiederholt und unabhängig voneinander von Faktencheckern widerlegt worden; als Quelle taugt sie höchstens für die Innenansicht der russischen Kriegserzählung, nie für Tatsachenbehauptungen.