Link Beschreibung
CORRECTIV-Faktencheck widerlegt die Falschbehauptung, Ungarn sei den BRICS-Staaten beigetreten. Die Behauptung verbreitete sich kurz vor der ungarischen Parlamentswahl am 12. April 2026 über Facebook und YouTube.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Zwei Tage vor der ungarischen Parlamentswahl am 12. April 2026 verbreiteten Facebook-Posts mit über 6.000 Likes und YouTube-Videos die Behauptung, Ungarn sei den BRICS-Staaten beigetreten. CORRECTIV-Autor Steffen Kutzner zeigt, dass keine der Veröffentlichungen Quellen für diese Behauptung nennt. Ein Artikel, der den angeblichen Beitritt stützen soll, kündigte "in den nächsten Stunden weitere Informationen von Regierungsvertretern" an, die nie kamen. Die Website gehört laut CORRECTIV zu einem bekannten Desinformationsnetzwerk und hat kein Impressum.
Die offizielle BRICS-Website listet Ungarn weder als Mitglied noch als Partnerland. BRICS umfasst derzeit elf Vollmitglieder (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika, Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Indonesien) und zehn Partnerländer. Ungarn ist in keiner dieser Kategorien vertreten.
Ungarns Außenminister Péter Szijjártó erklärte bereits im September 2024 gegenüber RIA Novosti, Ungarn wolle "eng mit allen BRICS-Staaten kooperieren", eine Mitgliedschaft stehe aber nicht auf der Tagesordnung. Diese Haltung hat sich seitdem nicht geändert.
Die Behauptung ist kein Einzelfall. Bereits im November 2024 widerlegte Lead Stories ein TikTok-Video, das behauptete, Ungarn habe den EU-Austritt zugunsten eines BRICS-Beitritts angekündigt. Das Portal Remix News dokumentierte, dass diese Falschbehauptung "alle paar Monate wie ein Uhrwerk" wiederkehrt, unter anderem in deutschsprachigen Kampagnen. Laut einer KAS-Analyse nutzt die ungarische Regierung ihre BRICS-Annäherung zwar strategisch, um in Verhandlungen mit der EU auf Alternativen verweisen zu können, ein tatsächlicher Beitritt wäre aber ökonomisch desaströs: 85 Prozent der ungarischen Exporte gehen in EU-Märkte.
Das Timing der aktuellen Kampagne, zwei Tage vor der Wahl, in der Orbán erstmals einen ernsthaften Herausforderer in Péter Magyar (Tisza-Partei) hat, deutet auf eine gezielte Destabilisierung hin. Ob die Falschmeldung Orbán stärken sollte (als vermeintlicher Beleg für seine Unabhängigkeit vom Westen) oder die Debatte vor der Wahl vergiften, lässt sich nicht abschließend klären.
Fazit
Die Behauptung ist eindeutig falsch. Ungarn ist weder BRICS-Mitglied noch Partnerland, und die ungarische Regierung hat einen Beitritt nie angekündigt. Die Falschmeldung folgt einem wiederkehrenden Desinformationsmuster und wurde gezielt vor der ungarischen Parlamentswahl platziert.
