Link Beschreibung
Faktencheck von Mimikama zu einem Zeitungsausschnitt über ein Haus in Germersheim mit 120 Namen an drei Briefkästen, der im September 2026 auf Facebook als angeblicher Beleg für Sozialbetrug durch Ukrainer geteilt wird. Der Ausschnitt stammt von 2023, gemeldet waren dort wechselnde Speditionsfahrer.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Das Foto ist echt, aber der Zusammenhang stimmt nicht. Die Bild-Schlagzeile "1 Haus, 3 Briefkästen, 120 Namen" erschien im August 2023 und betraf ein ehemaliges Hotel in Germersheim. Damals verbreitete sich der Ausschnitt schon einmal als angeblicher Sozialbetrug, unter anderem mit Verweis auf Roma aus Rumänien. Von Ukrainern war 2023 nicht die Rede: Die neue Zuschreibung stammt allein aus dem aktuellen Facebook-Beitrag, der laut Mimikama selbst keine Quelle, keine Zahl und keinen konkreten Fall nennt.
Zum Haus selbst liegen mehrere übereinstimmende Angaben vor. Der Germersheimer Bürgermeister Marcus Schaile sagte dem Pfalz-Express am 25. August 2023, dort wohnten rund 77 Fahrer einer Spedition, alle seien angemeldet und angestellt, keiner beziehe Sozialleistungen. Der Bürgermeister nannte das Haus ein "Massenschlaflager", das vor allem wegen nächtlichen Lärms ein Problem für die Nachbarn sei, nicht wegen Betrugs. Die Kreisverwaltung bestätigte dem CORRECTIV-Faktencheck vom 27. September 2023, dass sie an die Personen im Haus keine Sozialleistungen wie Bürgergeld auszahlt. Die Geschäftsführung der Spedition erklärte gegenüber CORRECTIV, die Fahrer seien dort gemeldet, damit Behördenpost nicht an ihre ausländischen Wohnanschriften geht. Auch die Bild fragte zwar nach "Sozialbetrug", zitierte in ihrem Artikel laut CORRECTIV aber den Bürgermeister mit der Klarstellung, dass eine Spedition das Gebäude für ihre LKW-Fahrer angemietet habe.
Dass so viele Namen an den Briefkästen standen, erklärt sich durch den Schichtbetrieb: Wenn ein Fahrer tagelang unterwegs ist, nutzt ein Kollege sein Zimmer, wie Schaile im Pfalz-Express schilderte. Zwei Tage später hatte der Eigentümer laut Pfalz-Express zwei der drei Briefkästen entfernt und eine Liste mit 75 gemeldeten Personen angebracht. Ob Fahrer aus der Ukraine unter den Gemeldeten waren, geben die Berichte nicht her. Für den Vorwurf des Sozialbetrugs spielt das auch keine Rolle, denn die Fahrer waren angestellt.
Zu den Ukrainern selbst: Dass einzelne Menschen Sozialleistungen missbrauchen, kann niemand ausschließen. Das Foto belegt es für dieses Haus aber nicht, und über die Gesamtzahl der Ukrainer, die Leistungen beziehen, sagt es nichts. Die Regeln zur Erreichbarkeit und zur Abwesenheit von Leistungsbeziehern erläutert Mimikama ausführlicher.
Fazit
Die Behauptung ist irreführend. Das Foto ist echt, stammt aber von 2023 und zeigt Speditionsfahrer in einem Haus in Germersheim. Kreisverwaltung und Bürgermeister verneinten damals Sozialbetrug, und die Ukraine-Zuschreibung im neuen Beitrag hat keinen Beleg.
