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Stand: 03.10.2026

RKI-Hitzetote: Keine Pauschalzählung ab 19 Grad

Falsch

Link Beschreibung

Mimikama prüft zwei Behauptungen zu den Hitzetoten 2026. Auf Facebook heißt es, das Robert Koch-Institut zähle alle Verstorbenen ab 19 oder 20 Grad als Hitzetote. Dazu kursiert, unter anderem über WhatsApp, eine Grafik, die 16.000 Hitzetote in Deutschland null Hitzetoten in Mali und Kuwait gegenüberstellt.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Die 19-Grad-Behauptung beschreibt das Verfahren falsch. Das RKI zählt keine Totenscheine aus, sondern schätzt die hitzebedingten Sterbefälle mit einem statistischen Modell. Laut dem RKI-Wochenbericht vom 24. September 2026 wird Hitze auf dem Totenschein "normalerweise nicht als die zugrunde liegende Todesursache angegeben", weil sie meist zusammen mit Vorerkrankungen zum Tod führt. Deshalb müssten "statistische Methoden angewendet werden". In der Todesursachenstatistik tauchen unmittelbare Hitzefolgen wie ein Hitzeschlag nur vereinzelt auf: Das RKI nennt in seinen FAQ 28 Fälle für 2018 und 12 für 2021.

Das Modell vergleicht die Sterbefälle bei den tatsächlich gemessenen Temperaturen mit der Zahl, die ohne Hitze zu erwarten wäre. Die Differenz ergibt die geschätzten hitzebedingten Sterbefälle. Maßgeblich ist dabei keine Tagestemperatur, sondern die Wochenmitteltemperatur, also der Durchschnitt aus Tages- und Nachtwerten einer ganzen Woche. Laut RKI-Bericht wird typischerweise ab etwa 20 Grad im Wochenmittel ein Anstieg der Sterblichkeit sichtbar. Das ist die Schwelle, oberhalb derer das Modell Hitzeeffekte rechnet, und keine Grenze, ab der jeder Todesfall als Hitzetod gilt. In der letzten Berichtswoche, Kalenderwoche 37, lag das bundesweite Wochenmittel bei 17,1 Grad, in keinem Bundesland über 20 Grad. Auch die dpa stuft die Behauptung des Facebook-Beitrags in ihrem Faktencheck vom 29. September 2026 als falsch ein. Das RKI betont in seinen FAQ sogar das Gegenteil einer Aufblähung: Mit der 20-Grad-Schwelle und der Wochenauflösung falle die Schätzung eher vorsichtig aus und unterschätze das Ausmaß der hitzebedingten Sterblichkeit eher.

Die 16.000 sind also eine Schätzung mit Unsicherheitsbereich. Der RKI-Bericht nennt für Kalenderwoche 15 bis 37/2026 rund 16.000 hitzebedingte Sterbefälle, bei einem 95-Prozent-Intervall von 14.400 bis 17.600. Rund 9.600 davon entfallen auf die heiße Kalenderwoche 26 Ende Juni, rund 4.200 auf die Wochen 31 bis 33 von Ende Juli bis Mitte August.

Zur Grafik: Die 16.000 für Deutschland gehören nach dem RKI-Bericht zum Sommer 2026. Wie Mimikama schreibt, trägt die Grafik dagegen die Überschrift "Hitzetote 2025". Für 2025 schätzte das RKI im Bericht vom 2. Oktober 2025 rund 2.500 hitzebedingte Sterbefälle (Intervall 1.200 bis 3.700). Die deutsche Zahl ist also dem falschen Jahr zugeordnet.

Die Nullwerte für Mali und Kuwait nennen laut Mimikama nur pauschal die WHO als Quelle. In der Länderliste der WHO-Sterblichkeitsdatenbank ist Kuwait aufgeführt, Mali dagegen nicht. Zu Kuwait verweist Mimikama darauf, dass dort 2024 das jüngste dargestellte Datenjahr sei, sodass sich für 2025 kein Wert ablesen lässt. Fehlende Daten in dieser Datenbank bedeuten aber nicht, dass es in einem Land keine hitzebedingten Todesfälle gab. Nach Mimikama melden manche Staaten nichts oder zu unvollständig. Ob in Mali oder Kuwait tatsächlich niemand an Hitze starb, lässt sich aus der Grafik und ihrer Quelle nicht ableiten. Hinzu kommt: Die WHO-Datenbank enthält die von den Ländern gemeldeten Todesursachen, nicht die statistisch geschätzte Hitze-Übersterblichkeit, um die es beim RKI geht. Beide Zahlen sind deshalb nicht ohne Weiteres vergleichbar.

Die Methode lässt sich kritisieren, etwa die Wahl der Schwelle oder die Wochenauflösung, und das RKI räumt in seinen FAQ selbst Modellgrenzen ein. Das ist eine andere Debatte als die Behauptung, jeder Tote an einem warmen Tag werde pauschal zum Hitzetoten erklärt. Eine ausführliche Einordnung der Hitzetoten-Zahlen und der Versuche, sie kleinzureden, steht in unserem Artikel Die unsichtbaren Toten der Hitzewelle.

Fazit

Die Behauptung ist falsch. Das RKI zählt Hitzetote nicht an einer Temperaturmarke ab, sondern schätzt sie aus dem Vergleich von Sterbefällen mit und ohne Hitze. Die Grafik mit Mali und Kuwait ordnet die 16.000 außerdem dem falschen Jahr zu und stützt ihre Nullwerte auf Daten, die sie nicht hergeben.