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Stand: 08.10.2026

Siegmund-Foto vor Preußen-Fahne: echt, kein KI-Fake

Falsch

Link Beschreibung

Mimikama prüft die Behauptung, ein Foto von Ulrich Siegmund beim "Preußenfest" in Schnellroda am 3. Oktober 2026 sei KI-generiert und er habe nicht vor der gezeigten Fahne gesprochen. Verbreitet wurde sie laut Mimikama in einem Instagram-Reel. Ergebnis: Das Foto ist echt. Die Fahne zeigt eine abgewandelte Fassung des preußischen Staatswappens von 1933.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Das Bild stammt aus einer Fotostrecke, die der Deutschland-Kurier am 5. Oktober 2026 auf Facebook veröffentlicht hat. Mimikama beschreibt, dass darauf mehrere Redner am selben Pult zu sehen sind und Fahne, Kerzenständer und Banner auf allen Aufnahmen gleich bleiben. Das Einzelbild von Siegmund liegt zusätzlich als Archivkopie bei Perma.cc vor. Sie zeigt einen Mann im hellen Sakko am Rednerpult vor einer weißen Fahne mit schwarzem Adler und dem Wasserzeichen des Deutschland-Kurier, dazu den Facebook-Beitrag mit der Ortsangabe Schnellroda.

Dass Siegmund bei dem Fest war, ist auch außerhalb von Mimikama belegt. Der Deutschland-Kurier hat am 4. Oktober 2026 auf YouTube einen Beitrag zum sechsten Preußenfest am 3. Oktober in Schnellroda veröffentlicht, in dessen Titel Siegmund neben Chefredakteur David Bendels genannt wird. Das Portal gilt als AfD-nah, als Beleg für die Anwesenheit reicht das, weil es die Aufnahmen selbst verbreitet. Vorab angekündigt war Siegmund ebenfalls: HalleSpektrum nannte ihn am 29. September 2026 unter den Eingeladenen, neben dem sächsischen AfD-Chef Jörg Urban und dem Landesvorsitzenden Martin Reichardt. Diese Angaben stammen dort aus einer Mitteilung des Protestkollektivs "IfS dichtmachen". Als Veranstalter nennt das Kollektiv den Kreisverband Saalekreis der AfD unter Leitung von Hans-Thomas Tillschneider. Siegmund war Spitzenkandidat der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und wurde laut ZDF heute am 10. September 2026 einstimmig erneut zum Vorsitzenden der AfD-Landtagsfraktion gewählt.

Mimikama hat das Bild außerdem durch KI-Detektoren laufen lassen, und die Ergebnisse widersprechen sich. Hive sah nur 0,1 Prozent als vollständig KI-generiert, meldete beim Gesicht aber 69,3 Prozent "Deepfake". AI or Not kam auf 9 Prozent KI und 13 Prozent Deepfake und stufte das Bild als wahrscheinlich echt ein. Solche Werte sind Konfidenzangaben, keine Urteile, und ein Detektor ersetzt keine Quellenprüfung. Eine kleinere Bearbeitung der konkreten Bilddatei lässt sich laut Mimikama ohne Originaldatei nie ganz ausschließen. Für eine künstlich erzeugte Szene oder eine per KI eingesetzte Fahne gibt es aber keinen Anhaltspunkt.

Die Fahne selbst geht auf das Wappen Preußens aus der NS-Zeit zurück. Laut Wikipedia zeigt es seit dem 2. Oktober 1933 einen auffliegenden Adler mit dem Spruchband "Gott mit uns", auf der Brust ein silbernes Hakenkreuz, dazu Schwert und zwei goldene Blitze in den Fängen. Die Änderung belegt Wikipedia mit dem Brockhaus von 1935. Die Beschreibung der Grafik bei Wikimedia Commons nennt als Grundlage eine Bekanntmachung über das neue preußische Landeswappen vom 2. Oktober 1933. Dasselbe Motiv zeigt ein Emailleschild eines preußischen Standesamts aus den Jahren 1933 bis 1945 im Museum Wolmirstedt: Adler mit Hakenkreuz auf der Brust, Schwert, zwei Blitze und das Band "Gott mit uns!". Auf der archivierten Aufnahme sind Adler, Schwert, Blitze und Spruchband zu erkennen, ein Hakenkreuz auf der Brust des Adlers nicht. Mimikama spricht daher von einer modifizierten Variante des Wappens und hält die Bezeichnung "Naziflagge" für ungenau, weil es sich nicht um den Parteiadler der NSDAP handelt.

Geprüft wurde, ob das Bild echt ist, nicht, wie die Fahne politisch einzuordnen ist. Belegt ist, dass sie bei dem Fest auf der Bühne hing und dass ihr Motiv dem preußischen Staatswappen von 1933 nachempfunden ist, nur ohne Hakenkreuz.

Fazit

Die Behauptung ist falsch. Das Foto ist echt: Archivkopie, Vorbericht von HalleSpektrum und der eigene Beitrag des Deutschland-Kurier passen zusammen, und die widersprüchlichen Detektorwerte ändern daran nichts. Der Fall zeigt, warum bei Verdacht auf KI-Bilder zuerst Herkunft und Parallelaufnahmen zählen: Ein Prozentwert kann in beide Richtungen danebenliegen.