Zur Quelle "Mimikama" springen
Stand: 31.08.2026

Facebook-Werbung für KI-Entkleidungsdienst

Link Beschreibung

Recherche von Mimikama vom 30. August 2026. Ausgangspunkt ist eine bezahlte Anzeige in einem österreichischen Facebook-Feed, die mit "Upload Your Photo" und "REMOVE WITH ONE CLICK" wirbt. Dahinter steht ein KI-Dienst namens "Make Unreal", der einen ausdrücklich als "AI NSFW" gekennzeichneten Bereich betreibt und auf allen vier Preispaketen "NSFW freischalten · Entkleiden, Gesichts-/Outfit-Tausch, Video" als erstes Leistungsmerkmal führt.

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der Kern der Recherche ist die Preisseite, und das ist methodisch die stärkste Stelle. Wer belegen will, dass eine Funktion nicht bloß missbräuchlich möglich, sondern Geschäftszweck ist, braucht keinen Testlauf mit einem fremden Foto, sondern den Blick auf das, was verkauft wird. Dass die Redaktion darauf verzichtet hat, ein Bild einer realen unbeteiligten Person hochzuladen, und stattdessen die vom Anbieter selbst gezeigten Vorher-Nachher-Beispiele dokumentiert, ist die richtige Entscheidung. Ein solcher Test hätte genau die Verletzung erzeugt, um deren Beschreibung es geht.

Der zweite Befund betrifft die Plattform. Dort ist die Beleglage eindeutig: Anzeigen für sogenannte Nudify-Dienste verstoßen gegen Metas eigene Regeln zu nicht einvernehmlich erstellten intimen Darstellungen. Meta hat das nicht nur festgestellt, sondern im Juni 2025 in Hongkong Klage gegen Joy Timeline HK Limited eingereicht, den Betreiber der CrushAI-Apps, nachdem dieser wiederholt versucht hatte, die Anzeigenprüfung zu umgehen. Nach Metas eigenen Angaben hatte allein dieser Anbieter bis Februar 2025 mehr als 87.000 regelwidrige Anzeigen auf Meta-Plattformen geschaltet. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen neue Erkennungstechnik an, die solche Anzeigen auch dann finden soll, wenn sie selbst keine Nacktheit zeigen.

Genau daran misst sich der Wert dieser Recherche. Über ein Jahr nach der Klage und der angekündigten Nachrüstung läuft eine bezahlte Anzeige desselben Typs in einem europäischen Feed, und zwar mit der bekannten Umgehungsmethode: Das Motiv zeigt keine Nacktheit, sondern nur die Aufforderung "REMOVE WITH ONE CLICK". Erlaubt ist die Praxis damit nicht. Belegt ist etwas anderes, nämlich dass Meta die eigenen Regeln weiterhin lückenhaft durchsetzt. Der Befund passt zu dem, was zurzeit an anderer Stelle sichtbar wird: Die Schranke gegen missbräuchliche KI-Anwendungen ist selten eine technische Grenze, sondern fast immer eine Entscheidung von Anbietern und Plattformen. Beim Vergleich mehrerer Chatbots zeigte sich dasselbe Bild, nur mit umgekehrtem Vorzeichen, weil dort ein Teil der Anbieter die Anfragen konsequent ablehnte.

Hier fließt für die Verbreitung sogar Werbegeld.

Fazit

Die Recherche belegt, was sie behauptet, und stützt sich dabei auf die Selbstdarstellung des Anbieters statt auf einen Testfall mit einer realen Person. Der Dienst trennt seine Funktionen in der eigenen Oberfläche nach jugendfreien und nicht jugendfreien Bereichen, führt das digitale Entkleiden bei allen vier Preispaketen als erstes Leistungsmerkmal und bewirbt bei den größeren Paketen ausdrücklich die Erstellung in großen Mengen. Dass eine solche Anzeige mehr als ein Jahr nach Metas Klage gegen einen einschlägigen Anbieter weiterhin bezahlt ausgespielt wird, ist der eigentliche Befund.