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Faktencheck von Tom Wannenmacher bei Mimikama vom 29. August 2026 zu einer kursierenden Textgrafik, die sieben deutsche Politikerinnen und Politiker per Gleichheitszeichen Banken, Konzernen, den Freimaurern oder dem World Economic Forum zuordnet. Urheber der Grafik ist unbekannt. Mimikama bewertet sie als irreführend.
Der Befund ist ungewöhnlich, weil der größere Teil der Einzelangaben einen realen Hintergrund hat. Friedrich Merz war von 2016 bis März 2020 Aufsichtsratsvorsitzender der BlackRock Asset Management Deutschland, nicht des US-Konzerns. Alice Weidel arbeitete ab 2005 als Analystin bei Goldman Sachs in Frankfurt. Gerhard Schröder sollte 2006 laut eigenen Angaben der Investmentbank Rothschild in deren Europa-Beirat berufen werden und wurde laut Mimikama-Recherche zum Vorsitzenden des Gesellschafterausschusses von Nord Stream gewählt, in dem Gazprom vier der acht Sitze hielt. Annalena Baerbock wurde im Frühjahr 2020 als Young Global Leader nominiert, wie ihr Team später öffentlich bestätigte. Angela Merkel gehörte laut Mimikama 1992 zum WEF-Programm "Global Leaders for Tomorrow", wie das World Economic Forum in einer eigenen Rückschau bestätigt: 2004 ging daraus das heutige Young-Global-Leaders-Forum hervor. Eine Dokumentation der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags zu demselben Vorgängerprogramm widerspricht dem in Jahr und Namen: Sie datiert die Gründung auf 1993 und nennt das Programm "Global Leaders of Tomorrow", ohne Merkels Teilnahme einem Jahr zuzuordnen.
Zwei Angaben halten der Prüfung nicht stand, eine dritte braucht Kontext, den die Grafik nicht liefert. Für die Behauptung, Olaf Scholz sei Freimaurer, fand Mimikama keinen belastbaren Beleg, belegt sind zwei Grußworte bei Jubiläumsempfängen im Hamburger Rathaus. Zur Warburg Bank existiert dagegen eine echte, aber andere Verbindung als behauptet: Als Hamburger Bürgermeister traf Scholz während der Cum-Ex-Affäre mehrfach den Bank-Miteigentümer Christian Olearius, laut dessen Tagebuchaufzeichnungen allein 2016 zweimal plus ein Telefonat. Eine Anstellung oder sonstige Zugehörigkeit zur Bank ist damit nicht belegt, eine politische Einflussnahme zu ihren Gunsten ebenfalls nicht bewiesen. Und Robert Habeck ist in den offiziellen WEF-Unterlagen nicht als Young Global Leader nachweisbar. Das heißt nicht, dass eine Mitgliedschaft ausgeschlossen ist, sondern nur, dass sie sich mit den verfügbaren Quellen nicht zeigen lässt.
Der Kern der Kritik liegt laut Mimikama aber nicht bei den Einzelangaben, sondern beim Gleichheitszeichen selbst: Ein Aufsichtsratsmandat, ein politischer Termin, eine frühere Anstellung und ein Grußwort erhalten dasselbe Zeichen und erscheinen dadurch als gleichartige Belege für eine gemeinsame Macht- oder Einflussstruktur, für die die Grafik nichts vorlegt.
Ein wiederkehrendes Muster
Dass ausgerechnet Rothschild, die Warburg Bank und die Freimaurer in derselben Grafik auftauchen, ist kein Zufall. Alle drei sind seit dem 19. und frühen 20. Jahrhundert feste Motive antisemitischer Weltverschwörungserzählungen, in denen jüdische Bankiersfamilien und Logen als geheime Machtzentrale hinter der Weltpolitik dargestellt werden. Auch das Young-Global-Leaders-Netzwerk des WEF ist regelmäßig Ziel solcher Erzählungen: Volksverpetzer ordnet die "Great Reset"-Verschwörungserzählung als Umdeutung eines realen WEF-Politikpapiers ein, bei der Politiker mit WEF-Bezug als Teil einer angeblich gesteuerten "globalen Elite" dargestellt werden, ein Muster mit denselben antisemitischen Wurzeln. CORRECTIV hat einzelne Ausläufer dieser Erzählung bereits mehrfach geprüft, etwa ein Klaus Schwab fälschlich zugeschriebenes Zitat über "nutzlose Esser". Wer eine solche Grafik teilt, verbreitet damit unabhängig von der eigenen Absicht ein Erzählmuster mit historisch belasteter Herkunft.
