Link Beschreibung
Faktencheck von Mimikama vom 28. August 2026, Autorin Claudia Spiess, Urteil falsch. Vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 kursieren zwei angebliche SPD-Wahlplakate zur Asylpolitik. Die SPD-Bundestagsfraktion und die SPD Mecklenburg-Vorpommern weisen beide Motive als Fälschungen zurück; eines ist eine Montage auf Basis eines echten Wahlkampffotos.
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Beide Motive sind unabhängig von Mimikama auch durch den DPA-Faktencheck geprüft worden, mit denselben Ergebnissen. Beim ersten Sharepic, dem Satz "Wir nehmen jeden auf. Egal woher. Egal warum. Punkt." unter dem Logo "SPD Fraktion im Bundestag", ergab eine Foto-Rückwärtssuche keine Treffer auf den offiziellen Kanälen der SPD-Bundestagsfraktion. Die Fraktion erklärte auf eine schriftliche dpa-Anfrage, den Post und das gezeigte Plakat nicht erstellt oder veröffentlicht zu haben. Auch inhaltlich passt das Motiv nicht zur Parteilinie: Im Wahlprogramm der SPD zur Bundestagswahl 2025 heißt es zur Asylpolitik, man begegne den Herausforderungen "mit Humanität und Ordnung" und weiter: "Wer sich nicht an die Regeln hält, muss wieder gehen. Doch wer auf Schutz angewiesen ist, dem gewähren wir Schutz." (dpa-Faktencheck: Fälscher verbreiten angebliches SPD-Plakat, 27. August 2026)
Das zweite Motiv, ein angebliches Landesplakat der SPD Mecklenburg-Vorpommern mit arabischer Schrift, mehreren Personen mit Kopftuch und einer vollverschleierten Person unter dem Slogan "Entscheidung für MV", ist eine Montage auf Basis eines echten Wahlkampffotos. Manuela Schwesig stellte die echten Wahlplakate am 5. August 2026 beim Wahlkampfauftakt der SPD Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin vor. Der NDR berichtete am selben Tag unabhängig davon, dass die Partei unter dem Slogan "Entscheidung für MV" vier Themenplakate zu Arbeit, Familie und Zusammenhalt vorstellte, auf denen durchgängig Schwesig zu sehen ist. Dass das Originalmotiv den deutschen Text "Entschlossen für Zusammenhalt" trägt, belegen die dpa-Prüfung und Mimikama anhand öffentlicher Aufnahmen des Termins. Eine Sprecherin Schwesigs bestätigte gegenüber der dpa, dass das Bild mit der arabischen Schrift nicht echt sei, der SPD-Landesverband habe den Fall zur Anzeige gebracht (dpa-Faktencheck: Vermeintliches SPD-Plakat mit Kopftüchern ist eine Fälschung, 27. August 2026).
Wer hinter den beiden Fälschungen steckt, ist nicht belegt. Anders als bei zwei anderen Fällen aus demselben Wahlkampfsommer, in denen Faktenfackel eine Zuordnung dokumentiert hat, etwa die gefälschte SZ-Website gegen Sven Schulze, die Sicherheitskreise der russlandnahen Operation Storm-1516 zuordnen, oder die über 180 Fake-Beiträge der Kampagne Matrjoschka gegen Landtagskandidaten, nennt keine der beiden dpa-Prüfungen einen Urheber für die SPD-Plakate. Die Fälschungen reihen sich aber in ein Muster ein, das vor den Wahlen im September 2026 in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin auffällig häufig auftritt: manipulierte oder erfundene Wahlkampfmotive, die kurz vor der Wahl gezielt Empörung auslösen sollen.
Fazit
Die Behauptung ist falsch. Beide SPD-Wahlplakate sind Fälschungen, unabhängig bestätigt durch zwei separate dpa-Faktenchecks und einen NDR-Bericht vom Tag des echten Wahlkampfauftakts. Das Sharepic mit dem Satz "Wir nehmen jeden auf" hat die SPD-Bundestagsfraktion nach eigener Angabe nie erstellt oder veröffentlicht, das Plakat mit arabischer Schrift ist eine Montage auf Basis eines echten Fotos vom SPD-Wahlkampfauftakt in Schwerin. Wer die Fälschungen in Umlauf gebracht hat, ist bislang nicht bekannt.
