Link Beschreibung
Bericht des Der Tagesspiegel vom 20. August 2026 über eine Desinformationskampagne gegen Sven Schulze, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, gut zwei Wochen vor der Landtagswahl am 6. September 2026. Unter der Domain sueddeutsch.com erschien ein im Layout der Süddeutsche Zeitung nachgebauter Artikel mit dem Titel "Sven Schulzes afghanische Jungen".
Faktenfackel Bewertung
Einordnung
Der erfundene Text behauptet, auf einem privaten Grundstück Schulzes würden afghanische Waisenkinder festgehalten, und zitiert einen angeblich entkommenen Jungen mit einem Missbrauchsvorwurf. Er ist als Beitrag der stellvertretenden Leitung des SZ-Investigativressorts ausgegeben und mit zahlreichen erfundenen Details ausgestattet, die ihm Glaubwürdigkeit geben sollen.
Der Vorgang ist mehrfach unabhängig geprüft. Das Landeskriminalamt bestätigte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass die Vorwürfe frei erfunden sind und keine Ermittlungen laufen. Das US-Faktencheckportal Lead Stories durchsuchte am 20. August die Süddeutsche Zeitung selbst und fand dort vierzehn Beiträge über Schulze, aber keinen mit dem behaupteten Inhalt; auch eine Suche über Google News Deutschland ergab keine Bestätigung. Die gefälschte Seite war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr erreichbar.
Auffällig ist die Fälschung schon an der Adresse: Die echte Süddeutsche Zeitung erscheint unter sueddeutsche.de, die Fälschung lief unter sueddeutsch.com. Dazu kommen sprachliche Fehler im Text. t-online beschreibt in einem Bericht von Lars Wienand vom 19. August den weiteren Aufbau: ein mit KI erzeugtes Video, dazu koordinierte Beiträge auf X, die um 16:30 Uhr von mehreren Konten gleichzeitig abgesetzt wurden, teils von Profilen, die vorgeben, aus dem Irak, dem Iran oder dem arabischen Raum zu berichten. Aufgefallen war die Kampagne dem Monitoring-Account "Gnida Project".
Bei der Urheberschaft ist Genauigkeit angebracht. Sicherheitskreise ordnen den Angriff gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland der Operation "Storm-1516" zu, die dem russischen Militärgeheimdienst GRU zugerechnet wird. t-online formuliert vorsichtiger und beschreibt das Vorgehen als typisch für diese Kampagne. Die Zuordnung stützt sich damit auf Musterähnlichkeit und auf Angaben von Behörden, nicht auf veröffentlichte technische Nachweise. Belegt ist unabhängig davon, dass der Inhalt erfunden ist; das hängt nicht daran, wer ihn in Umlauf gebracht hat.
Der Fall gibt dem allgemeinen Befund vor dieser Wahl einen konkreten Namen. Die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt hatte Anfang August auf Desinformationsversuche hingewiesen, ohne Einzelfälle zu benennen. Hier liegt nun ein benannter, behördlich dementierter Vorgang vor.
Das Muster ist typisch: Nicht die politische Position des Angegriffenen wird bestritten, sondern seine persönliche Integrität, und zwar mit dem Vorwurf, der am schwersten zu entkräften und am leichtesten weiterzuerzählen ist. Der Umweg über eine nachgebaute Zeitungsseite soll dem Ganzen die Autorität eines etablierten Mediums leihen. Wer die Geschichte weiterträgt, verbreitet sie deshalb nicht als anonymes Gerücht, sondern als angebliche Recherche.
Fazit
Die Behauptung ist falsch und als Fälschung erkannt. Das Landeskriminalamt erklärt die Vorwürfe für frei erfunden und bestätigt, dass keine Ermittlungen laufen; in der Süddeutschen Zeitung existiert kein solcher Beitrag. Die Fälschung lief unter einer Adresse, die der echten nur ähnelt, und war schon nach kurzer Zeit wieder offline. Wer hinter der Kampagne steht, ist Behörden zufolge die russlandnahe Operation Storm-1516; diese Zuordnung beruht auf dem Vorgehensmuster und auf Angaben aus Sicherheitskreisen, nicht auf offengelegten technischen Belegen.
