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Stand: 23.08.2026

Gefälschte SZ-Seite erfindet Vorwürfe gegen Schulze

Falsch

Link Beschreibung

Bericht des Der Tagesspiegel vom 20. August 2026 über eine Desinformationskampagne gegen Sven Schulze, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, gut zwei Wochen vor der Landtagswahl am 6. September 2026. Unter der Domain sueddeutsch.com erschien ein im Layout der Süddeutsche Zeitung nachgebauter Artikel mit dem Titel "Sven Schulzes afghanische Jungen".

Faktenfackel Bewertung

Einordnung

Der erfundene Text behauptet, auf einem privaten Grundstück Schulzes würden afghanische Waisenkinder festgehalten, und zitiert einen angeblich entkommenen Jungen mit einem Missbrauchsvorwurf. Er ist als Beitrag der stellvertretenden Leitung des SZ-Investigativressorts ausgegeben und mit zahlreichen erfundenen Details ausgestattet, die ihm Glaubwürdigkeit geben sollen.

Der Vorgang ist mehrfach unabhängig geprüft. Das Landeskriminalamt bestätigte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass die Vorwürfe frei erfunden sind und keine Ermittlungen laufen. Das US-Faktencheckportal Lead Stories durchsuchte am 20. August die Süddeutsche Zeitung selbst und fand dort vierzehn Beiträge über Schulze, aber keinen mit dem behaupteten Inhalt; auch eine Suche über Google News Deutschland ergab keine Bestätigung. Die gefälschte Seite war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr erreichbar.

Auffällig ist die Fälschung schon an der Adresse: Die echte Süddeutsche Zeitung erscheint unter sueddeutsche.de, die Fälschung lief unter sueddeutsch.com. Dazu kommen sprachliche Fehler im Text. t-online beschreibt in einem Bericht von Lars Wienand vom 19. August den weiteren Aufbau: ein mit KI erzeugtes Video, dazu koordinierte Beiträge auf X, die um 16:30 Uhr von mehreren Konten gleichzeitig abgesetzt wurden, teils von Profilen, die vorgeben, aus dem Irak, dem Iran oder dem arabischen Raum zu berichten. Aufgefallen war die Kampagne der OSINT-Gruppe Gnida Projekt, die schon die Fälschungen gegen Landtagskandidaten technisch analysiert hat.

Bei der Urheberschaft ist Genauigkeit angebracht. Sicherheitskreise ordnen den Angriff gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland der Operation "Storm-1516" zu. Dass es diese Operation gibt und wer hinter ihr steht, ist unabhängig von diesem Fall dokumentiert: Eine ARD-Recherche hat die Kampagne und zwei ihrer Multiplikatoren namentlich enttarnt, das Microsoft Threat Analysis Center ordnet sie dem russischen Militärgeheimdienst GRU zu, und das Bundesamt für Verfassungsschutz hat ihre Aktivitäten bestätigt. Wie sie sich in das übrige russische Desinformationsnetz einfügt, von der Doppelgänger-Kampagne über das Pravda-Netzwerk bis zu den gekauften Politikern von Voice of Europe, haben wir in Russlands digitaler Krieg gegen den Westen zusammengetragen.

Was hier offen bleibt, ist nur die Zuordnung dieses einen Angriffs. t-online formuliert vorsichtiger als die Sicherheitskreise und beschreibt das Vorgehen als typisch für die Kampagne. Die Zuordnung stützt sich damit auf Musterähnlichkeit und auf Angaben von Behörden, nicht auf veröffentlichte technische Nachweise. Belegt ist unabhängig davon, dass der Inhalt erfunden ist; das hängt nicht daran, wer ihn in Umlauf gebracht hat.

Der Fall gibt dem allgemeinen Befund vor dieser Wahl einen konkreten Namen. Die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt hatte Anfang August auf Desinformationsversuche hingewiesen, ohne Einzelfälle zu benennen. Hier liegt nun ein benannter, behördlich dementierter Vorgang vor.

Er steht auch nicht allein. Die Deutsche Welle zählte seit Ende Juni über 180 gefälschte Beiträge gegen Landtagskandidaten, am schwersten traf es den Linken-Kandidaten Eric Stehr in Sachsen-Anhalt, dem in nachgebauten Videoformaten von ARD, FAZ und Stern TV ein Mord angedichtet wurde; Polizei und Universität widersprachen. Diese Kampagne läuft unter dem Namen Matrjoschka, und dieselbe OSINT-Gruppe, die sie technisch mit Storm-1516 verknüpft hat, ist auch hier auf den Angriff gestoßen. Auf Bundesebene lief im selben Sommer ein gefälschtes Video im Layout der Deutschen Welle, das den Rücktritt von Friedrich Merz meldete. Immer dieselbe Mechanik: das Erscheinungsbild eines etablierten Mediums, ein erfundener Vorgang, eine koordinierte Erstverbreitung.

Das Muster ist typisch: Nicht die politische Position des Angegriffenen wird bestritten, sondern seine persönliche Integrität, und zwar mit dem Vorwurf, der am schwersten zu entkräften und am leichtesten weiterzuerzählen ist. Der Umweg über eine nachgebaute Zeitungsseite soll dem Ganzen die Autorität eines etablierten Mediums leihen. Wer die Geschichte weiterträgt, verbreitet sie deshalb nicht als anonymes Gerücht, sondern als angebliche Recherche.

Fazit

Die Behauptung ist falsch und als Fälschung erkannt. Das Landeskriminalamt erklärt die Vorwürfe für frei erfunden und bestätigt, dass keine Ermittlungen laufen; in der Süddeutschen Zeitung existiert kein solcher Beitrag. Die Fälschung lief unter einer Adresse, die der echten nur ähnelt, und war schon nach kurzer Zeit wieder offline. Wer hinter der Kampagne steht, ist Behörden zufolge die russlandnahe Operation Storm-1516; diese Zuordnung beruht auf dem Vorgehensmuster und auf Angaben aus Sicherheitskreisen, nicht auf offengelegten technischen Belegen.

Verwendungen

Lagerfeuer

Weitere Quellenlinks